Köln/Jülich - Gründerkongress Rheinland: Region als Labor für die Zukunft

Gründerkongress Rheinland: Region als Labor für die Zukunft

Von: Berthold Strauch
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Der Streetscooter, eine Idee aus der Region: der Kölner IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt, Malte Brettel, RWTH-Prorektor für Wirtschaft und Industrie, und Ministerin Svenja Schulze (v.l.). Foto: Schmitter

Köln/Jülich. Im ehrwürdigen Börsensaal der Kölner Industrie- und Handelskammer (IHK) wurde ein wichtiges Stück Zukunft „gehandelt“ – die Premiere des „Gründerkongresses Rheinland“.

Auf Einladung der nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) und der in Jülich ansässigen Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR), die vom früheren Hauptgeschäftsführer der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK), Jürgen Drewes, geführt wird, kamen Experten aus Wirtschaft und Hochschulen, Spezialisten für Wagniskapital zur Finanzierung von gerade ins Leben gerufenen Unternehmen und Berater ins Gespräch.

Im Fokus des Gedankenaustauschs standen Möglichkeiten, diese „Anfänger“ nachhaltig mit Geldspritzen zu päppeln und zu stärken, um letztlich dadurch attraktive, sichere neue Arbeitsplätze zu schaffen und damit auch ein „Gründungsklima“ zu entwickeln.

Drewes‘ Nachfolger an der IHK-Spitze, Michael F. Bayer, moderierte den Abend. Er beklagte, dass die Zahl der Firmengründungen spürbar zurückgegangen sei – auch ein Zeichen gesunkener Arbeitslosigkeit, die den Aufbau neuer beruflicher Existenzen „aus der Not heraus“ unattraktiver erscheinen lasse. Zudem ließen Umfragen erkennen, dass „Jobsicherheit“ für viele ein wichtiges Ziel sei, das sie nicht für einen mutigen Sprung in die Selbstständigkeit aufs Spiel setzen wollten.

Treibstoff für den Fortschritt

Als „Treibstoff für den Fortschritt“ pries NRW-Ministerin Schulze die „guten Ideen“, die oftmals aus Hochschulen und Forschungsinstituten kämen. Ihr Ziel sei es, so die Ministerin, „Menschen mit Ideen, Unternehmen und Forschergeist noch enger zusammenzuführen“. Eine Stärkung solcher Initiativen könne am besten in Netzwerken gelingen, die in den Regionen verankert seien. In dem Zusammenhang formulierte sie die feste Absicht, die IRR zur „Modellregion“ zu entwickeln, um Gründungen noch stärker voranzubringen.

Dabei sparte Schulze nicht mit freundlichen Worten für die Akteure dieses Bündnisses zwischen Aachen, Köln und Düsseldorf, Krefeld und der Eifel: Die IRR habe die Zeit nach dem Auslaufen der rheinischen Tagebaue bereits fest im Blick – und damit den „geplanten Übergang von der Braunkohle- zur Wissensförderung als neuen Rohstoff“, formulierte die Ministerin. Dabei seien die Hochschulen, gerade die als exzellent eingestuften in Aachen und Köln, ein „Katalysator regionaler Stärken“. Denn die Lösung für den notwendigen wirtschaftlichen Wandel könne „nur in der Region liegen, dem Labor für die Zukunft“, warb Schulze für eine „Bündelung der Kräfte“.

Die Ministerin listete auf, dass es in der Aachener Region in den letzten 25 Jahren rund 1000 technologieorientierte Unternehmensgründungen gegeben habe – davon „allein 53 Prozent aus den Hochschulen“. Also: „Die Ideen sind da!“

Dass solche Ergebnisse nur dank kraftvoller Unterstützung erreichbar seien, machten Fachleute aus der Geldbranche deutlich. Schon in einem frühen Stadium der Konzeptions- und Startphase zum Aufbau neuer Unternehmen müssten wirksame Finanzierungsinstrumente („Pre-Seed-Fonds“) greifen, lautete deren Forderung.

Dass auch ein Konzern wie RWE Power, der im Moment über ein millionenschweres Programm zur Kosteneinsparung brütet, Akzente in Sachen Arbeitsplätze setze, machte Vorstandsvorsitzender Matthias Hartung deutlich. Er erinnerte daran, dass sein Unternehmen allein 40 Prozent der Stromversorgung in NRW gewährleiste. Er sei „felsenfest davon überzeugt“, dass die Braunkohle und die Schwankungen unterworfenen erneuerbaren Energien „ein gutes Pärchen“ abgäben. Auch einem „Großkonzern wie RWE“, fügte Hartung an, seien Neugründungen und gute Ideen wichtig, weil auch er von einem grundlegenden Strukturwandel profitieren könne. Als konkretes Beispiel verwies er auf das Innovationszentrum in Niederaußem, bei dem RWE auf „Partner von außen angewiesen ist, die uns ein Stück befruchten. Wir haben ein hohes Interesse an einer prosperierenden Region“, begrüßte er ausdrücklich das Engagement der IRR. RWE habe bereits rund 100 Unternehmen mit gut 3500 Arbeitsplätzen angesiedelt.

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