Aachen - Große Perspektive mit kleinen Teilen

WirHier Freisteller

Große Perspektive mit kleinen Teilen

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
Zukunftsprojekt: René Mauer, D
Zukunftsprojekt: René Mauer, Daniel Mahlmann, Philipp Jacobs und Jörg Ortmann (von links), die Gesellschafter von Incelltec, vor einem geöffneten Mikroskop. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Technik ist hochkomplex, die Geschäftsidee einleuchtend: Vier Jungunternehmer mit Hochschul-Diplom stemmen ein Projekt zum Bau von Spezialmikroskopen, das kleinen Teilen sprichwörtlich auf den Grund geht. Das Projekt, am renommierten Fraunhofer-Institut für Lasertechnik (ILT) an der RWTH Aachen entstanden, hat bereits Grenzen überschritten.

Denn Incelltec, vom Physiker Daniel Mahlmann (34) als Geschäftsführer, dem Kaufmann René Mauer (32) als Prokurist, dem Ingenieur Jürgen Ortmann (39) als Produktionsleiter und dem Chemiker Philipp Jacobs (37) als Leiter Anwendungsentwicklung auf die Beine gestellt, ist mit dem ersten „Starter-Award in der Euregio Maas-Rhein” ausgezeichnet worden. Und schon im Mai 2008 heimste das Team den Siegerpreis des begehrten regionalen Gründerwettbewerbs „AC2” ein - und damit die stolze Prämie von 10.000 Euro.

Das Startkapital wurde durch die euregionale Zugabe um 8000 Euro aufgestockt. Am Montag kam eine dritte Würdigung hinzu: eine - nicht weiter differenzierte - Bewertung zwischen Platz sechs und zehn beim bundesweiten Wettbewerb „Science4Life”, in Frankfurt am Main vergeben und mit immerhin noch 2000 Euro dotiert.

Das Preisgeld ist in der Summe zwar nicht schlecht, aber angesichts des enormen technischen Aufwands, der bis zur Marktreife von Incelltec bewältigt werden muss, eher nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber natürlich ebnete die fachliche Anerkennung des Incelltec-Konzepts durch Expertenjurys auch den Weg zu attraktiven Fördertöpfen. So steuerte das Bundeswirtschaftsministerium über sein Gründerprogramm „Exist” 450.000 Euro hinzu - die maximal erreichbare Förderung, freut sich das Incelltec-Quartett.

Alle Beteiligten glauben an den Erfolg einer Idee, die Daniel Mahlmann zielstrebig entwickelt hat. Denn nach seinem Studium war für den Physiker klar, dass er sofort den Sprung in die Selbstständigkeit wagen möchte. Er suchte passende Mitstreiter, die mit ihm gemeinsam eine sorgfältig ausgekundschaftete technologische Marktlücke schließen wollen. Dazu wurde am Aachener Lehrstuhl „Technologie Optischer Systeme” (TOS) die passende, neuartige Lösung entwickelt: das „interferenzmikroskopische Verfahren”.

Dieses System ermöglicht die Abbildung kleiner Objekte mit größtmöglichem Kontrast. Innovative Anwendungen waren schnell bei der Hand: So können in der Zellbiologie durchsichtige kleine Lebewesen mit höchster Genauigkeit analysiert werden, ohne chemische Kontrastmittel einsetzen zu müssen, die womöglich Untersuchungsergebnisse beeinträchtigen oder gar verfälschen würden. Ein Anwendungsfeld sind die automatische Erkennung von Tumorzellen in Körpergewebe, ein wichtiges Instrument der medizinischen Diagnostik.

Doch das Incelltec-Verfahren bietet eine Fülle weiterer Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel in der Materialforschung, um mikrooptische Komponenten wie Lichtleitfasern, Glas oder Miniaturlinsen, die in Digitalkameras verwendet werden, bewerten zu können. Oder die Pharmaforschung: Incelltec hilft, die Auswirkungen bestimmter Wirkstoffe von Medikamenten auf Menschen besser einschätzen zu können.

Die Firma steht jetzt davor, einen Prototypen des von ihr entwickelten Lichtmikroskops - Experten sprechen von „Mach-Zehnder-Interferometer” - und seines hochkomplizierten, computergestützten Auswertungssystemen zu bauen, um die konkrete Markteinführung vorzubereiten. Dazu sucht Mahlmann im Augenblick eine passende Technologieadresse in der Region. Das Produkt habe in Fachkreisen bereits größte Aufmerksamkeit gefunden, betont er.

So gibt es vielversprechende Kontakte zum Institut für Nutztier-Genetik in Mariensee bei Hannover. Starkes Interesse habe zudem das Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München angemeldet. Und das „Journal of Microscopy” - die „Bibel” der Zunft - will ein spektakuläres Experiment der Aachener über die Untersuchung von Neuronen- oder Nervenzellen des Gehirns am lebenden Objekt, an einer Schnecke, veröffentlichen.

Angesichts solcher Resonanz ist der angepeilte Expansionskurs steil: Binnen vier Jahren will das Incelltec-Gründerteam bereits auf 15 Köpfe angewachsen sein - was noch längst nicht das Ende der Firmenentwicklung sein soll.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert