Großbäckerei Kronenbrot: Erleichterung, keine Euphorie

Von: Hermann-Josef Delonge
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Kronenbrot
Die drei Standorte in Würselen, Köln und Witten sollen erhalten bleiben, ebenso die allermeisten der rund 1200 Arbeitsplätze. Foto: Verena Müller

Würselen. Die Mitarbeiter der Würselener Großbäckerei Kronenbrot KG Franz Mainz haben in den vergangenen Monaten ein Wechselbad der Gefühle durchlitten. Nun haben sie Gewissheit: Das traditionsreiche Familienunternehmen bekommt neue Eigentümer.

Zum 1. Februar steigt eine Gruppe von institutionellen Investoren über Fonds ein, die von dem Londoner Vermögensverwalter Signal Capital Partners beraten und finanziert werden. Die Kaufverträge wurden am Freitag unterzeichnet, am Montag wurde die Belegschaft in Würselen informiert. Über den Kaufpreis sowie zu Details des Vertrags wurde Stillschweigen vereinbart.

Kronenbrot ist schon seit längerer Zeit in schwierigem Fahrwasser. Es gab hartnäckig rote Zahlen, das Unternehmen litt massiv unter erheblichen Preissteigerungen bei den Rohstoffen und unter einem hohen Margen- und Wettbewerbsdruck. Der Konkurrenzkampf mit Großbäckereien wie Lieken oder Harry ist beinhart, und das in einem äußerst schwierigen Markt. Kronenbrot produziert an den Standorten Würselen (630 Mitarbeiter), Köln (360 Mitarbeiter) und Witten Backwaren (Mischbrote, Vollkornbrot, Toastbrot, Feinbackwaren und Stollen) für den Lebensmittelhandel, die großen Discounter und andere Großverbraucher wie Krankenhäuser und Altenheime vor allem in NRW, aber auch in Rheinland-Pfalz, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Das Familienunternehmen – die Marke ist seit gut 100 Jahren auf dem Markt – zählt zu den fünf größten Backwarenherstellern Deutschlands.

Ende April des vergangenen Jahres stellte Kronenbrot dann beim Amtsgericht Aachen einen Antrag auf Eröffnung eines Planverfahrens in Eigenverwaltung, wollte sich also aus eigener Kraft aus dem Sumpf befreien. Die Geschäftsführung blieb im Amt, ihr zur Seite gestellt wurden ein Sanierungsexperte und ein vorläufiger Sachwalter.

Doch das brachte nicht den erhofften Erfolg. Aus der Sanierung in Eigenregie wurde drei Monate später ein förmliches Insolvenzverfahren. Kapitän auf der Brücke wurde der Insolvenzverwalter Mark Boddenberg, wenn auch in Abstimmung mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Lothar Mainz. Der Geschäftsbetrieb an allen Produktionsstätten lief unverändert, die Auftragslage war und ist stabil, die Öfen waren und sind ausgelastet. Das Problem allerdings: die mangelnde Profitabilität bei einem Jahresumsatz von zuletzt rund 150 Millionen Euro. Kronenbrot brauchte dringend frisches Geld, sprich: einen Investor.

Den hat Boddenberg also jetzt gefunden. „Der Bewerber mit dem besten Gebot und dem besten Fortführungskonzept hat den Gläubigerausschuss letztlich überzeugt“, sagte Pietro Nuvoloni, Sprecher des Insolvenzverwalters, am Montag.

Der Verkauf geschieht im Rahmen einer sogenannten übertragenden Sanierung. Dazu werden die gesunden Teile des Unternehmens in mehrere neue Gesellschaften übertragen, die unter einer neuen Geschäftsführung stehen. Die Schulden und die nicht mehr überlebensfähigen Teile verbleiben in der „alten“ Kronenbrot KG Franz Mainz, die dann irgendwann abgewickelt wird. Die Gläubiger werden nach Prüfung der Ansprüche aus dem Geld bedient, das der neue Eigentümer zahlt.

Die drei Standorte in Würselen, Köln und Witten sollen erhalten bleiben, ebenso die allermeisten der insgesamt rund 1200 Arbeitsplätze. 94 auslaufende Zeit- und Leiharbeitsverträge sollen allerdings nicht verlängert werden, außerdem werden zwölf unbefristete Verträge – verteilt über die drei Standorte – aufgelöst. In Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wurden für die Mitarbeiter ein Bestandsschutz und eine Arbeitsplatzgarantie erzielt. Im Gegenzug verzichten die Mitarbeiter auf einen Teil ihres Lohns und Gehalts. Konkret: Es gibt befristet Abstriche beim Weihnachts- und Urlaubsgeld, ebenso befristet werden Lohnerhöhungen ausgesetzt. Bei einer bestimmten Ertragshöhe soll dieses Geld allerdings zurückerstattet werden.

Ob und wie die Familie Mainz in die neue Struktur eingebunden wird, war am Montag nicht zu klären. Bei der Belegschaft von Kronenbrot herrschte an diesem Tag in erster Linie Erleichterung über die neuen, endlich klaren Verhältnisse, allerdings beileibe keine Euphorie. „Wir müssen jetzt sehen, wie es weitergeht“, sagte NGG-Geschäftsführer Peter Mogga. Klar sei aber auch, dass die neuen Eigentümer vor allem auch darauf achten würden, dass der Betrieb wieder profitabel laufe. Für Mogga steht jedenfalls fest: „Das wird nicht mehr die alte Kronenbrot sein, die wir bislang kannten.“

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