Heerlen/Aachen - Gewerbegebiet Avantis: Am Ende doch ein Erfolg?

Gewerbegebiet Avantis: Am Ende doch ein Erfolg?

Von: Heiner Hautermans
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Das deutsch-niederländische Gewerbegebiet wurde mit enormem Aufwand entwickelt und galt lange als Millionengrab. Foto: Ralf Roeger
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Vorsichtig-optimistischer Ausblick: die Beigeordneten aus Heerlen und Aachen, Martin de Beer (links) und Manfred Sicking. Foto: Ralf Roeger

Heerlen/Aachen. Eine Erfolgsgeschichte kann Avantis nicht mehr werden, dafür war der Start zu holprig. Als man in den 90er Jahren loslegte, sollte das Joint Venture der beiden Städte Heerlen und Aachen auf dem – hochfliegend „European Science and Business Park“ genannten – Gelände High-Tech-Betriebe mit 12.000 Arbeitsplätzen geradezu magnetisch anziehen.

Dann kamen der Hamster, die Wirtschaftskrise und allerhand Probleme, die in der Aneinanderreihung dazu führten, dass sich fast 20 Jahre später immer noch große Lücken auf dem rund 70 Hektar großen Grund im Norden Aachens und darüber hinaus auftun. Doch einige Leerstellen werden nun wieder geschlossen, Grundstücke sind erneut an den Mann gebracht oder zumindest von Firmen reserviert worden. Rund 1000 Arbeitsplätze existieren derzeit schon auf den einstigen wertvollen landwirtschaftlichen Flächen, an die 1000 weitere sollen bis Ende nächsten Jahres hinzukommen, immerhin.

Am Mittwoch zogen die Beteiligten an Ort und Stelle eine Art Zwischenbilanz, im Gebäude der Avantis GOB NV. Es erhebt sich immer noch ziemlich einsam unweit der Windräder in Horbach. „Wir sind mit Erwartungen gestartet, die nicht erfüllt werden konnten“, gab der Aachener Beigeordnete Manfred Sicking zu Beginn offen zu. Doch nach dem Kurswechsel in Richtung normales Gewerbegebiet ging ab 2012 die Vermarktung wesentlich besser von der Hand; unter anderem, weil die Quadratmeterpreise von zunächst 140 auf ortsübliche 80 bis 90 Euro gesenkt und die Gesellschafter selbst aktiver wurden. Auch die Auflagen für die künftigen Käufer wurden deutlich ausgedünnt. Das wirkte.

Motorenhersteller wächst rasant

Die Spedition Honold etwa, die Unmengen Reifen für Continental transportiert, oder die Internetapotheke DocMorris haben schon Riesenhallen errichtet – weitere sollen hinzukommen. Bei DocMorris, deren Geschäftsmodell der neuen Berliner Regierung ein Dorn im Auge ist, gibt man sich nach Sickings Darstellung völlig unbeeindruckt und hat weitere 62.000 Quadratmeter zu den vorhandenen 28.000 hinzugekauft – wohl im Vertrauen auf die europäische Rechtsprechung. 600 Menschen sind dort schon tätig, je zur Hälfte Deutsche und Niederländer. Auch die Firma Arion, die medizinische Hilfsmittel herstellt, expandiert stark und hat sich ein zweites, grenzüberschreitendes Grundstück für eine Erweiterung gesichert.

Und ganz neu wird sich die Engiro GmbH auf Avantis ansiedeln. Das Unternehmen entwickelt besonders leichte und effiziente Generatoren sowie elektrische Antriebssysteme, bislang ist man am Hauptsitz in Aachen-Laurensberg tätig. Ab nächstem Jahr sollen die Motoren in Serie gebaut werden, und dafür suchte man händeringend nach einem geeigneten Gelände, wie Sabine Tramm-Werner berichtete: „Es war schwierig, in Aachen oder im Umland Flächen zu finden.“

Die – bisher noch kleinere, aber rasant wachsende – Firma wollte im Aachener Westen bleiben, schon wegen der Zusammenarbeit mit der RWTH. Da kam das attraktive Grundstück auf Avantis gerade recht, „mit Blick auf Wasser“. Engiro rüstet nämlich auch Boote und Flugzeuge mit E-Antrieben aus.

Zwei Drittel der Fläche sind vergeben

Seit 2012 sind so auf Avantis 270.000 Quadratmeter Gewerbefläche verkauft worden (insgesamt jetzt 330.000) – immerhin eine kleine Erfolgsgeschichte. Für weitere 100.000 bis gibt es konkrete Absprachen oder Optionen – knapp zwei Drittel der Fläche sind also vergeben. Bleiben 250.000 Quadratmeter, für die die Aussichten aber ebenfalls gut seien, schildert Avantis-Geschäftsführer Felix Delahaye: „Die aktuellen Verhandlungen stimmen sehr optimistisch, dass weitere Ansiedlungen aus dem Bereich Logistik, der Pharmaindustrie, dem Handel sowie der Forschung und Entwicklung in naher Zukunft realisiert werden können.“

Und dann würden irgendwann nicht nur der Platz, sondern auch die Arbeitskräfte knapp, auch deshalb sei es gut, auf zwei Länder ausgerichtet zu sein. Avantis sei für die gesamte Region wichtig, auch für die Parkstad, den Zweckverband aus acht Gemeinden in der Euregio Maas-Rhein mit Heerlen, Kerkrade und Landgraaf, befand Martin de Beer, Beigeordneter der Gemeinde Heerlen.

„Wir gehen davon aus, dass wir in fünf oder sechs Jahren eine Schlussbilanz ziehen können“, sagte der Beigeordnete Sicking. Dann würde es im hiesigen Beritt gewerbemäßig schon eng, denn auf Avantis befinde sich die letzte Flächenreserve der Stadt, anschließend müsse man – möglicherweise interkommunal– neue Gewerbegebiete ausweisen. Zunächst müssen aber noch einmal 4,5 Millionen Euro investiert werden, etwa für einen Retensionsfilter zur Entwässerung des Bodens oder den Ringschluss der Avantisallee.

Enorme Entwicklungskosten

Spielt man denn die enormen Gelder, die für die Entwicklung und Infrastruktur geflossen sind (allein 20 Millionen Euro von der EU) somit wieder ein? Insgesamt wohl nicht, zumindest nicht so, wie es ursprünglich geplant war, lautet die ehrliche Antwort. Aber so ganz genau könne man das nicht rechnen, immerhin zahlten die jetzt vorhandenen Firmen ja Gewerbesteuer. Sicking bringt es deshalb auf folgende Kurzformel: „Wir werden mit einem blauen Auge davonkommen.“

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