Aachen/Eindhoven - Geplatzter Philips-Deal: Unsicherheit in Aachen

WirHier Freisteller

Geplatzter Philips-Deal: Unsicherheit in Aachen

Von: tka/dpa
Letzte Aktualisierung:
11646016.jpg
Wie geht es hier weiter? Das Aachener Werk der Philips-Sparte Lumileds zählt am traditionsreichen Standort noch rund 1300 Mitarbeiter. Welche Pläne wird ein neuer Investor mit ihnen haben? Foto: Michael Jaspers
11645650.jpg
Enttäuscht vom geplatzten Lumiled-Deal: Philips-Vostandschef Frans van Houten. Foto: dpa

Aachen/Eindhoven. Der Elektronikkonzern Philips muss den geplanten Verkauf seiner Lampensparte Lumileds an eine überwiegend chinesische Investorengruppe abblasen und sich nun einen neuen Käufer suchen.

Der Ausschuss für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) – es gibt einen großen Lumleds-Standort im kalifornischen San Jose – verweigerte dem Anfang April 2015 in die Wege geleiteten Geschäft seine Zustimmung.

Es gab offensichtlich Bedenken bezüglich der Pläne des Konsortiums, an dessen Spitze der chinesische Investmentfonds Go Scale Capital steht. Philips wollte bereits im dritten Quartal 2015 80,1 Prozent der Sparte, die weltweit LED- und Autolicht-Bauteile produziert, für rund 2,8 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) verkaufen – bewertet wurde sie zuletzt von Analysten mit 3,3 Milliarden Euro. Philips-Vorstandschef Frans van Houten zeigte sich gleichermaßen überrascht wie enttäuscht ob des gescheiterten Verkaufs, auch wenn die Bedenken der US-Behörde seit Herbst bekannt waren.

Am Lumileds-Standort Aachen hat diese Nachrichten zunächst einmal eines hervorgerufen: weitere Unsicherheit. Rund 1300 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, sie sind neben einer Handvoll anderer aus kleineren Philips-Sparten die letzten am Standort, an dem einst Tausende Bildröhren wie Lampen herstellten.

Die Frage ist: Was bedeutet der geplatzte Deal für die Zukunft des Standorts? Philips-Sprecher Oliver Klug antwortete auf Anfrage unserer Zeitung, dass es „erst mal keine Auswirkungen gibt“. Das Geschäftsfeld Lumileds – ein Zusammenschluss der Bereiche Automotive und LED – würde gut laufen. 2015 erzielte die Sparte einen Umsatz von zwei Milliarden Dollar.

Der geplatzte Lumileds-Deal ist ein Rückschlag für den Konzern, der sich mitten im Umbau befindet. Ein glänzendes Geschäft mit Medizintechnik konnte das Ergebnis zuletzt stärken und die schwierige Entwicklung auf verschiedenen Baustellen überstrahlen. Der überraschend starke Auftragseingang in dem Bereich ließ den vorerst geplatzten Deal und die roten Zahlen im Schlussquartal 2015 in den Hintergrund treten. 2016 erwartet Philips neue Zuwächse, teilte das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam mit.

Medizintechnik läuft bestens

In der Gesundheitssparte zogen die Niederländer zuletzt noch mehr Bestellungen an Land als der Konkurrent Siemens. Bei der Medizintechnik verbuchte Philips – bereinigt um Währungseffekte – im vergangenen Vierteljahr ein Auftragsplus von 15 Prozent. Vor allem die Nachfrage nach Computertomographen aus Nordamerika und China stieg an. Auch die Daten für das Gesamtjahr 2015 können sich – nicht zuletzt wegen der Entwicklung des Medizintechnik-Geschäfts – sehen lassen.

Unter dem Strich stand bei dem Konzern ein Plus von 659 Millionen Euro, nach 411 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz kletterte im vorigen Jahr um 13 Prozent auf 24,2 Milliarden Euro. Der schwache Euro, der Exportgüter außerhalb der Währungsunion günstiger macht, half den Niederländern dabei. In der Medizintechnik legten die Erlöse um 19 Prozent zu, ohne Währungseffekte wären es immerhin vier Prozent gewesen.

Im letzten Jahresviertel drückten vor allem die Pensionskosten das Ergebnis der Konzerns aber ins Minus, der Verlust betrug 39 Millionen Euro. Ende 2014 hatte Philips noch einen Gewinn von 134 Millionen Euro verbucht.

Das Unternehmen will sich auf den Gesundheitssektor konzentrieren. Auch deswegen hält der Konzern grundsätzlich an den Verkaufsplänen von Lumileds fest. „Die Entscheidung steht“, erklärt Klug. Und Interessenten soll es auch schon geben. Schließlich hatte es neben dem Konsortium um die Go Scale Capital schon beim ersten Verkaufsversuch weitere Bewerber gegeben: die Finanzinvestoren KKR & Co, CVC Capital und Bain Capital.

Wenn Oliver Klug nun erklärt, Philips werde andere Optionen prüfen, dürften auch die alten Angebote wieder auf dem Tisch liegen. Es deutet sich aber an: Beim Verkaufspreis wird Philips Abstriche machen müssen, die alternativen Angebote sollen bislang eine halbe Milliarde US-Dollar unter dem Angebot der chinesischen Investorengruppe gelegen haben – was die Bilanzen beileibe nicht entlastet.

Offen ist nun auch, wie ein neuer Deal aussehen wird. 81 Prozent sollten eigentlich abgegeben werden, mit einem neuen Investor könnten die Anteile anders verteilt werden. „Es kann auch eine ganz andere Lösung werden“, sagt Klug. Welche Auswirkungen das für die 8800 Mitarbeiter der Sparte in 30 Ländern haben wird, wäre, so Klug, reine Spekulation.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert