Gemeinsam lernen, aber jeder für sich

Von: Christoph Classen
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Gruppenbild mal anders: Das Ed
Gruppenbild mal anders: Das Edudip-Team mit Geschäftsführer Torsten Kämper (vorne links sitzend). Foto: Edudip

Aachen. Es lässt sich nicht eindeutig sagen, ob Torsten Kämper mit seinem Unternehmen Menschen zusammenführt, oder ob er sie voneinander entfernt, entscheidend ist da wohl die Sichtweise. Fakt aber ist, dass Kämper, 35, Diplom in Elektrotechnik an der RWTH Aachen, es den Menschen leichter macht, voneinander zu lernen.

Edudip heißt die GmbH, die er mit einem Kollegen im Februar 2010 in Aachen gegründet hat, und dass es bislang ganz gut läuft, lässt sich an der Zahl der Mitarbeiter ablesen, mittlerweile sind es zwölf. Und im Juni konnte Kämper nach Berlin fahren, weil Edudip dort mit dem Comenius-EduMedia-Siegel 2011 ausgezeichnet wurde, das von der Gesellschaft für Pädagogik und Informationen vergeben wird. Kämper sagt, dass das so etwas wie eine TÜV-Plakette auf dem Feld des E-Learning sei, einem Bereich also, in dem es um elektronisch unterstütztes Lernen geht.

Die Geschäftsgrundlage von Edudip ist eine Website, auf der das Konzept eines klassischen Seminars in den virtuellen Raum übertragen wird, so dass es keine Rolle mehr spielt, wo sich die Teilnehmer befinden. Wichtig ist nur, dass sie über einen internetfähigen Computer verfügen.

Geschäftsführer Kämper behauptet nicht, dass er die Idee erfunden hat. Er sagt, dass es Firmen, die das gleiche anbieten wie Edudip „schon ewig gibt” und meint damit, dass Online-Seminar-Anbieter wohl schon seit 1998 existierten, was gemessen an der rasanten Entwicklung des Internets tatsächlich eine Ewigkeit her ist. Kämper meint aber auch, dass es bis jetzt niemandem gelungen sei, das Angebot so benutzerfreundlich zu gestalten wie Edudip. Er sagt: „Wir haben das Thema nicht neu erfunden, aber wir haben es einfach gemacht.” Und darin erkennt er den Grund für den erfolgreichen Start des jungen Unternehmens.

Alle Anwendungen wurden von Edudip entwickelt, sie laufen ausnahmslos über das Internet, installiert werden muss nichts. Es gibt eine Art öffentlichen Markplatz, auf dem alle Seminare zu finden sind, täglich werden zwischen zehn und 15 gehalten, Tendenz steigend. Die Themen sind Kategorien wie Management, EDV, Recht und Hobbys zugeordnet, die Anmeldung funktioniert ohne Registrierung mit wenigen Mausklicks, die Teilnehmer werden - falls gewünscht - vor Beginn per E-Mail oder SMS an das Seminar erinnert.

Die Kommunikation im Seminar läuft per Chat oder Mikrofon, der Trainer kann Präsentationen, Bilder und Filme zeigen, die Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich per Webcam oder Profilbild darzustellen, ein Muss ist das nicht. Sie können mit einem kleinen Kaffeetassen-Symbol verdeutlichen, dass sie gerade ein Pause machen oder mit einem Fragezeichen, dass sie etwas nicht verstanden haben. Die Zahl der Teilnehmer sei praktisch unbegrenzt, sagt Kämper, „demnächst haben wir ein Seminar mit 800”.

Die Nutzung von Edudip ist grundsätzlich kostenlos und da auf der Website auch keine Werbung zu finden ist, muss es andere Wege geben, damit Geld zu verdienen. Die gibt es, sagt Kämper und erklärt: Sollen Seminare gehalten werden, an denen über 50 Menschen teilnehmen und deren Dauer beliebig lang ist, muss der Nutzer dafür eine kostenpflichtige Mitgliedschaft beantragen. Zudem haben Trainer die Möglichkeit, für ihre Seminare einen Betrag von den Teilnehmern zu verlangen, zehn Prozent davon gehe als Provision an Edudip. „Wir haben jetzt schon über 100 zahlende Mitglieder”, sagt Kämper, auf der Seite seien fast 1000 Online-Trainer und über 1000 Seminare zu finden, über 7000 Anmeldungen wurden bislang registriert.

Eine Menge ungenutztes Potenzial

Geld verdient das Unternehmen daneben mit dem Verkauf der entwickelten Anwendungen an andere Firmen, die die Technik etwa zur Schulung der eigenen Mitarbeiter einsetzen wollen. „Die Nachfrage nach einfachen Systemen ist gigantisch”, sagt Kämper, und es ist dieser Trend, der seine 2009 entwickelte Geschäftsidee bestätigt. Damals hatte er gerade die Anteile seines ersten Web-Unternehmens verkauft, und er sah im Bereich Online-Seminare eine Menge Potenzial, das bis dato nicht genutzt wurde.

Heute sitzt Kämper in einem Büro, dass eigentlich zu groß ist, für das was darin steht; Schreibtisch, Stuhl, Computer, viel mehr ist es nicht. Edudip will weiter wachsen, so viel ist klar, Platz wurde dafür jedenfalls schon eingeplant. Kämper weiß, dass Online-Seminare günstiger sind als klassische, Fahrt- und Übernachtungskosten entfallen ja. Das ist ein Grund, warum er die Zukunft von Edudip recht optimistisch einschätzt, ein anderer ist das Marketing in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook, das seine Firma derart effektiv beherrscht, dass ihn die Industrie- und Handelskammer Aachen dazu eingeladen hat, zum Thema zu referieren.

„Ich werde da wirklich vor Ort sein”, sagt Kämper, der ohnehin die Meinung vertritt, dass sein Angebot das klassische Seminar nie vollständig verdrängen wird. Er sieht es als Ergänzung; beim ersten Mal treffen sich die Menschen tatsächlich, alle weiteren Termine finden online statt, so etwa. „Der Kontakt von Mensch zu Mensch ist schon wichtig”, sagt Kämper, und macht eine lange Pause, bevor er hinzufügt: „Denke ich.”

Trainer können sich eine eigene Akademie anlegen

Neben dem öffentlichen Marktplatz, auf dem die verfügbaren Seminare aufgelistet werden, gibt es auf www.edudip.com ein weiteres Angebot. Geschäftsführer Torsten Kämper nennt es „exklusiver”.

Jeder Trainer kann eine eigene Akademie anlegen, in der allein die Seminare gezeigt werden, die er selbst anbietet.

Dort gibt es auch ein Profil des Trainers und die Möglichkeit die Bewertungen anderer Teilnehmer zu lesen oder selbst welche zu verfassen.

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