GDL-Rausschmiss: Kampflos will sich Manfred Schell nicht ergeben

Von: Anja Clemens-Smicek
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Geht gegen den Rausschmiss vor: Manfred Schell. Foto: dpa

Aachen. Das Tischtuch zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) – in Person von GDL-Chef Klaus Weselsky – und ihrem langjährigen Vorsitzenden Manfred Schell ist endgültig zerschnitten. Daran lässt Schell keinen Zweifel.

„Der muss die Tollwut haben“, sagt der 72-jährige Aachener an die Adresse des Geschäftsführenden Vorstandes. Von Außenstehenden habe er von seinem Rausschmiss aus der Gewerkschaft erfahren müssen, zeigt sich Schell im Gespräch mit unserer Zeitung überrascht.

Am Montagnachmittag ließ die GDL die Medien wissen, dass sie Schell und weitere ehemalige Amtsinhaber „aufgrund offener Mitgliedsbeiträge“ und wegen „gewerkschaftsschädigenden Verhaltens“ zum 1. September ausgeschlossen habe. Neben Schell trifft es Sven Grünwoldt, Thorsten Weske, Volker Siewke und Dieter Kowalsky. Der stellvertretende GDL-Bundesvorsitzende Norbert Quitter erklärte per Mail: „Bei der GDL gibt es keinen Prominentenbonus.“

Ex-Chef Manfred Schell will den Vorwurf, der Gewerkschaft einen fünfstelligen Betrag zu schulden, nicht auf sich sitzen lassen. Es handele sich bei der Summe um die prozentuale Abgabe für Tantiemen, die er für außergewerkschaftliche Aktivitäten erhalten habe. „Da geht es zum Beispiel um Gremien, in die mich die GDL entsendet hatte“, sagt Schell. Dieser Sonderbeitrag sei auf der jüngsten Generalversammlung beschlossen worden. Schell: „Man hatte mir vor einem Jahr geschrieben, dass ich Summe x zu zahlen hätte. Ich habe mich daraufhin schriftlich an den Vorstand gewandt, um eine Kontonummer zu erfragen.“

Gleichzeitig habe er wissen wollen, wer noch entsprechende Tantiemen abführt, in welcher Höhe und wie diese verwendet werden. „Auf eine unverbindliche Antwort habe ich mit einem erneuten Brief reagiert“, sagt Schell. Das Ergebnis: Nach einer letzten Mahnung und Zahlungsaufforderung habe die GDL ihm einen Mahnbescheid geschickt. „Natürlich habe ich angekreuzt, dass die Forderung nicht berechtigt ist“, ergänzt der ehemalige GDL-Chef. Seither herrsche Sendepause.

Kampflos will sich Schell aber nicht ergeben. Er warte jetzt erst einmal darauf, dass die GDL ihn offiziell über seinen Rausschmiss informiere, sagt er. Und dann werde er beim Hauptvorstand Widerspruch gegen diesen Beschluss einlegen. Illusionen gibt er sich nicht hin. „Das sind da alles Vasallen von Weselsky“, sagt der Aachener. Dann gehe er halt den Weg der ordentlichen Gerichtsbarkeit.

Ist Manfred Schell enttäuscht? „Wenn ich überlege, was ich in der GDL schon alles erlebt habe. Dazu den jüngsten Arbeitskampf mit der Übernahme des Tarifvertrags der anderen Gewerkschaft, die strittigen Verfahren gegen den ehemaligen Bundesvorstand“, zählt Schell auf und ergänzt: „Ich war mehr als 19 Jahre Vorsitzender dieser Gewerkschaft. Da bekommt man eine dicke Haut, wenn man nachts gut schlafen will.“

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