Berlin - Freiheit für die Schokoladentafel

Freiheit für die Schokoladentafel

Von: Catherine Simon und Benedikt von Imhoff, dpa
Letzte Aktualisierung:
Supermarkt
Im Supermarktregal steht eine kleine Revolution bevor. Für Lebensmittel und viele andere Produkte sind von Samstag an fast alle Verpackungsgrößen erlaubt - Wein und Spirituosen ausgenommen. Foto: dpa

Berlin. Im Supermarktregal steht eine kleine Revolution bevor. 500 Gramm schwere Schokoladentafeln, Bier aus der 0,66-Liter-Flasche oder die Packung Butter für Singles. Für Lebensmittel und viele andere Produkte sind von Samstag an fast alle Verpackungsgrößen erlaubt - Wein und Spirituosen ausgenommen.

Verbraucherschützer nennen die neue Regelung „Nonsens”, der Einzelhandel freut sich über die größere Freiheit und Alleinstehende

begrüßen, dass sie demnächst nicht mehr halbvolle verschimmelte Milchprodukte entsorgen müssen. Die neuen Größen werden aber wohl nicht so schnell in den Regalen auftauchen.

Solche Umstellungen seien aufwendig und teuer, gibt Winfried Batzke, der Geschäftsführer des Deutschen Verpackungsinstitutes, zu bedenken. „Ich glaube nicht, dass sich bei den Milchgrößen viel ändern wird”, sagt auch Ulrike Hörchens vom Einzelhandelsverband HDE. „Die Verbraucher haben die Verpackungsgrößen für Milch gelernt, und es besteht wenig Grund, von ihnen abzuweichen.”

Ausnahmen seien einzelne Marketing-Aktionen. „Zum Beispiel kann bei einer Tafel Schokolade jetzt 20 oder 30 Prozent mehr drin sein”, sagt Hörchens.

Durch die neuen Regeln könnten die Händler besser auf die Bedürfnisse bestimmter Kunden wie etwa Singles oder ältere Menschen eingehen. „Mit kleineren Größen können die einfach mehr anfangen, die normalen Packungen sind für sie meist zu groß”, sagt Hörchens.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen dagegen befürchtet Unübersichtlichkeit und Chaos im Supermarkt. „Damit wird Mogelpackungen Tür und Tor geöffnet”, sagt Vorstand Gerd Billen.

Feste Verpackungsgrößen schützten die Kunden bisher vor Fehlkäufen, Hersteller könnten die neuen Regeln für versteckte Preiserhöhungen nutzen. Schon jetzt seien zu geringe Füllmengen an der Tagesordnung.

Hörchens ist sich dagegen sicher: „Mogelpackungen sind durch die Grundpreisangabe ausgeschlossen.” Das ist der Preis pro Mengeneinheit wie Liter oder Kilogramm, der immer auch angegeben werden muss. Die Kunden seien mittlerweile sehr gut informiert und würden sich die Preise immer ganz genau ansehen. Mogeleien könne sich der Handel gar nicht leisten, sagt Hörchens.

Auch im Wirtschaftsministerium ist man sich sicher, für die Verbraucher seien nicht feste Verpackungsgrößen entscheidend, sondern dass sie jederzeit erkennen können, wie viel tatsächlich darin ist - und dass die Gestaltung der Packung sie nicht in die Irre führt.

Mit der Änderung der Fertigpackungsverordnung wird eine Richtlinie der Europäischen Union umgesetzt. EU-weit fallen sämtliche einheitlichen Packungsgrößen für Lebensmittel wie Schokolade, Bier, Wasser, Milch, Zucker oder Säfte weg.

Aber auch Lacke, Garne oder Waschmittel können nun in beliebiger Größe angeboten werden. In den 70er-Jahren wurden die Packungsgrößen in der EU standardisiert, um den Verbrauchern Preisvergleiche zu erleichtern. In Deutschland dagegen gab es schon bisher nur bei wenigen Produkten verbindliche Packungsgrößen.

Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie freut sich: „Bisher musste man immer die Waage hinlegen, um eine bestimmte Verpackungsgröße zu designen. Das fällt jetzt glücklicherweise weg.”

Bereits jetzt drängten ausländische Produkte in allen erdenklichen Größen auf den Markt und brächten deutsche Firmen in Schwierigkeiten. Schokoladen-Liebhaber können nun also auf Tafeln in ihrer Lieblingsgröße hoffen - zwischen 85 und 500 Gramm ist alles erlaubt. „Neben den Standard-Größen kann es gut sein, dass es für jeden Bedarf eine eigene Größe gibt”, sagt Erbrath.
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