Firmen der Region trotzen den Krisen

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das Ergebnis kommt durchaus überraschend. Denn während in anderen Teilen der Republik die Euphorie der Skepsis in Sachen weitere wirtschaftliche Entwicklung Platz gemacht hat, trotzt die Region Aachen den potenziellen Krisenherden – von denen es in diesen Tagen reichlich gibt.

Russland und Syrien-Konflikt, Rentenpaket und Mautpläne, Energiewende und Mindestlohn.

Der Konjunkturbericht Herbst 2014 der Industrie- und Handelskammer Aachen handelt von weiterhin guten Geschäften der Firmen in der Region. „Der Wirtschaftswachstum verlangsamt sich zwar etwas, aber von irgendeiner Rezession kann in der Region nicht die Rede sein“, erklärt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. Es laufe immer noch gut.

Die Situation: 286 Unternehmen mit 39.000 Mitarbeitern aus verschiedenen Branchen wurden Anfang September befragt. 35 Prozent bewerteten die Geschäftslage mit „gut“, 53 Prozent als gleichbleibend und 12 Prozent als schlecht. Im Frühjahr berichteten 40 Prozent von guten und elf Prozent von schlechten Geschäften. Der Blick in die einzelnen Branchen verrät: Auf dem Bau lief es trotz des miesen Sommers gut.

28 Prozent der Firmen aus dem Baugewerbe melden gute Geschäfte, 22 schlechte. Im Frühjahr waren es elf Prozent gute und 26 Prozent schlechte. Weiterhin auf hohem Niveau ist die Situation im Dienstleistungssektor (49 Prozent melden gute Geschäftslage, nur sechs Prozent eine schlechte, im Frühjahr waren es 51 beziehungsweise sieben Prozent) und in der Industrie mit 37 Prozent guten Einschätzungen bei 14 Prozent schlechten (Frühjahr: 37 und zwölf Prozent).

Die Geschäftslage im Handel fällt zurückhaltender aus. Nur noch 16 Prozent verweisen auf gute Geschäfte, 14 Prozent auf schlechte, der Rest sieht keine Veränderung. Im Frühjahr waren es noch 32 Prozent gute Einschätzungen. Dabei schneidet der Einzel- weit besser ab als der Großhandel, wo nur sechs Prozent der Befragten gute Geschäfte meldeten. Warum das so ist? Die Spurensuche läuft, der schlechte Wert kommt für die IHK Aachen überraschend, denn in der Vergangenheit war es oftmals umgekehrt. Da hat der Groß- den Einzelhandel gestützt.

Die Erwartungen: 22 Prozent der befragten Unternehmen erwarten weiterhin gute Geschäfte, 17 Prozent schlechte, der Rest geht von gleichbleibenden aus. Im Frühjahr waren es 32 Prozent mit guten Perspektiven und 13 Prozent mit schlechten. Angesichts der guten Geschäfte auf dem Bau kommt es kaum überraschend, dass nur noch acht Prozent von einer weiter steigenden, guten Geschäftserwartungen ausgehen. Aber auch nur 14 Prozent erwarten eine Verschlechterung.

Industrie, Handel und Dienstleister haben ähnliche, meist leicht schlechtere Erwartungen als im Frühjahr. Das Ergebnis mag also etwas nüchterner und zurückhaltender ausfallen als noch im Frühjahr, es sei aber, so Bayer, immer noch gut. Und im Bund ist der Trend tatsächlich ein anderer – die Skepsis ist dort sehr viel größer.

Die Risiken: 58 Prozent der befragten Unternehmen nannten die Inlandsnachfrage als Hauptrisikofaktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Überraschend: Die Auslandsnachfrage wird trotz Russland-Ukraine-Konflikt nur von 32,8 Prozent der Unternehmen als Risiko gesehen – und rangiert damit noch hinter den Themen wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, Arbeitskosten, Energie und Rohstoffpreise sowie Fachkräftemangel. Das liegt vor allem daran, dass es nur wenige Firmen in der Region gibt, die mit Russland Geschäfte machen.

Die, die allerdings russische Partner oder Kunden haben, spüren die Auswirkungen. „Es herrscht Unsicherheit, Projekte stecken in der Warteschleife oder werden auf Eis gelegt“, berichtet beispielsweise Frank Donsbach, Geschäftsführer für den Bereich Induktionsschmelzanlagen bei der Simmerather Otto Junker GmbH. Und das kommt keineswegs überraschend.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert