Köln - Feuerwear: Mit alten Feuerwehrschläuchen zum Erfolg

Feuerwear: Mit alten Feuerwehrschläuchen zum Erfolg

Von: Madeleine Gullert
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Mit alten Feuerwehrschläuchen zum Erfolg: Die Brüder Martin (links) und Robert Klüsener sind die Chefs der Kölner Firma Feuerwear. In dem Lager stapeln sich alte Schläuche aus ganz Deutschland. Foto: Feuerwear

Köln. Dutzende Metallboxen mit Feuerwehrschläuchen stehen in der großen Halle im Kölner Westen. Wie in einem Materiallager der Feuerwehr sieht es aus. Und das ist auch nicht ganz falsch. Die Kölner Firma Feuerwear stellt Taschen und Accessoires aus alten Feuerwehrschläuchen her.

Im Januar 2005 meldete Martin Klüsener die Firma Feuerwear an, zehn Jahre später verkauft das Unternehmen 40.000 Taschen pro Jahr. Pro Jahr vernäht es 20 Tonnen alte Feuerwehrschläuche. Taschen aus recyceltem Material – das versuchen viele, wenige schaffen es. Bestes Beispiel sind die beliebten Taschen von Freitag, die aus Planen hergestellt werden. Martin Klüsener weiß, worauf es ankommt: „Nur Recycling reicht nicht. Es muss eine gute Geschichte hinter dem Produkt stehen.“ Stoffe, Nähen, Designen – das ist seine Leidenschaft.

Vom Surfsegel zum Schlauch

Schon als Jugendlicher näht Klüsener, nach dem Abitur studiert er Bekleidungstechnik an der Hochschule in Mönchengladbach. Schon während des Studiums interessiert er sich für verschiedene Materialien. Und dann das erste Projekt: Klüsener vernäht Surfsegel zu Taschen und vertreibt die über einen kleinen Onlineshop. Einen großen Erfolg hat er damit nicht. Es sei schwierig, das Material in großen Mengen zu besorgen, erklärt Klüsener. Er habe immer einzelne Segel gekauft. Das ist unpraktisch. Also verabschiedet sich Klüsener von der Surfsegel-Idee und liebäugelt zunächst mit Kaffeesäcken, bis er während einer Autofahrt auf die Idee mit den Feuerwehrschläuchen kommt.

Ideal, wie er findet, weil sie leichter zu beschaffen sind, und vor allem, weil sie eine gute Geschichte erzählen. „Der Beruf des Feuerwehrmanns ist durch und durch positiv besetzt“, sagt Klüsener. Das seien Helden, die Menschenleben retten. „Die Geschichte hinter dem Produkt ist besser als andere“, glaubt Klüsener.

Funktional und robust kommen die Taschen und Accessoires daher. „Wir sind eher männerorientiert“, sagt Klüsener. Denn: „Das Thema Feuerwehr spricht eher Männer an.“ Außerdem sei es schwerer, sich auf dem großen Markt der Frauenhandtaschen zu positionieren. Und dann gibt es noch eine spezielle Zielgruppe: Feuerwehrmänner. „Das war mir nicht so bewusst, auch wenn es naheliegend ist.“ Feuerwehr und Feuerwear gehören irgendwie zusammen, die Taschenhersteller sponsern inzwischen den Feuerwehrsport.

Bis es soweit war, dauerte es aber etwas. Als Klüsener das erste Mal bei einer Feuerwehrstelle nach alten Schläuchen fragt, wird er komisch angesehen. „Die fanden das seltsam.“ Heute kommen Feuerwehren aus ganz Deutschland auf das Unternehmen zu. Sie geben die Schläuche gern ab, schließlich ist es für sie nur Müll.

Der Feuerwear-Rohstoff ist besonders, weil jeder Schlauch anders ist. Teilweise stammen die Schläuche aus den 60er Jahren, andere sind gerade einmal fünf Jahre alt. „Berufsfeuerwehren tauschen ihre Schläuche schneller aus als etwa Freiwillige Feuerwehren“, sagt Klüsener. Die Farben sind meist gleich: schwarz, weiß, rot. Einmal im Jahr gibt es eine Sonderedition in Neonfarben. Die gelben grellen Schläuche gibt es noch nicht so lange, deshalb landen auch noch nicht so viele alte Schläuche bei dem Designer.

Sobald die Schläuche in Köln ankommen, werden sie nach der Größe sortiert, verschnitten und in zwei riesigen Waschmaschinen gewaschen. Die Qualität sei meist gut, weil „die Schläuche nach jedem Einsatz gereinigt werden“, sagt Klüsener. Dann werden die Schlauchteile an zwei Nähereien verschickt, eine in Polen, eine in Serbien. Klüsener hatte europaweit nach Nähereien gesucht, mit den beiden Betrieben ist er zufrieden. In Polen arbeitet ein alter Täschner-Familienbetrieb für Feuerwear.

Klüsener hat viele Produktionsschritte ausgelagert. Das Kölner Unternehmen hatte zwischenzeitlich auch den Versand selbst organisiert. Das sei aber unpraktisch gewesen. Und so arbeiten in der Kölner Zentrale inzwischen insgesamt nur noch sechs Angestellte und fünf Studenten. „Wir konzentrieren uns auf das, was wir am besten können“, sagt er. Für den Designer ist das die Produktentwicklung, „nicht Paletten packen“.

Und weil auch das betriebswirtschaftliche nicht sein Ding ist, hat er sich seinen Bruder Robert mit ins Unternehmen geholt. Der hat Betriebswirtschaft studiert und schmeißt den Laden. „Ich mache Produkte, er verkauft sie“, sagt Klüsener. Beim Designen verlässt er sich ganz auf seinen eigenen Geschmack. „Ich mache das, was mir gefällt.“ Am beliebtesten bei den Kunden sind Portemonnaies und das Modell Walter, eine recht große Tasche, in die ein DIN-A4-Ordner passt.

Was nach zehn Jahren Feuerwear noch kommen soll? Ziel der Brüder Klüsener ist es, zu expandieren. Bis jetzt werden die Taschen, Gürtel und Portemonnaies nur in Deutschland und den Benelux-Staaten gekauft. Interessant seien andere europäische Staaten und die USA, sagt Klüsener. Seit dem 11. September seien Feuerwehrmänner dort schließlich die Helden der Nation.

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