Übach-Palenberg - Familie Peters: Tradition, Innovation, Verantwortung

Familie Peters: Tradition, Innovation, Verantwortung

Von: Alexander Barth
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Familiensache: Stefanie und Alexander Peters, geschäftsführende Gesellschafter des Traditionsunternehmens Neuman & Esser. Foto: Harald Krömer
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Firmengeschichte: Die bei NEA gefertigte Dampfmaschine aus dem Jahr 1904 erinnert neben anderen Exponaten an die lange Tradition. Foto: Harald Krömer

Übach-Palenberg. Die Aussicht auf einen besonderen Tag bringt für Alexander Peters eine Pflicht mit sich, wie sie einem Hausherren eben vorbehalten ist. Gemeinsam mit seiner Schwester Stefanie steht er an der Spitze des 1830 gegründeten Maschinenbau-Unternehmens Neuman & Esser.

Das wird seit 1891 und in der vierten Generation von Familie Peters geführt. Seit 125 Jahren also. Das wird gefeiert – „und ich muss noch an meiner Rede feilen“, sagt Alexander Peters. Die Schwester nickt zustimmend.

Bange muss den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern vor dem großen Tag sicher nicht sein. Vielmehr können sie am 9. Juni beim Festakt am Stammsitz in Übach-Palenberg eine Erfolgsgeschichte erzählen – die eines weltweit vertretenen mittelständischen Unternehmens, das den Brückenschlag zwischen Tradition und Zukunft ganz selbstverständlich und aus Überzeugung vollzieht.

Diese Philosophie haben die Geschwister von ihrem Vater übernommen. Klaus Peters hatte ab 1978 über Jahrzehnte hinweg die Geschicke des Unternehmens gelenkt und dessen Außenwirkung maßgeblich geprägt.

1017 Mitarbeiter

Kolbenkompressoren und Mahlsysteme für den industriellen Einsatz bilden das Kerngeschäft der Neuman & Esser Group, die heute 1017 Mitarbeiter beschäftigt, die meisten an den vier Produktionsstandorten in Deutschland. Neben dem Stammsitz in Übach-Palenberg wird in Mülheim an der Ruhr, Wurzen (Sachsen) und Staßfurt (Sachsen-Anhalt) für das Siegel „Made in Germany“ gearbeitet. Zur NEA Group gehören Holdings in Deutschland, China und den USA sowie Dependancen für Vertrieb und Engineering in Europa, Asien und Amerika. Der Umsatz lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 240 Millionen Euro.

Das Firmenwappen und die Maschinen tragen seit jeher das Kürzel NEA. „Wofür steht das A – diese Frage hören wir immer wieder, überall auf der Welt“, sagt Stefanie Peters. Die Antwort fällt knapp aus und verweist auf die Firmengeschichte: Aachen. Von dort zog das Unternehmen, einst mitten in die Zeit der industriellen Revolution hinein gegründet, im Jahr 1971 nach Übach-Palenberg.

„Die Entscheidung hat sich als richtig erwiesen. Das merken wir heute – und wir werden es auch künftig merken“, formuliert der Geschäftsführer ein klares Bekenntnis zum Hauptstandort. „Wir verstehen uns als Ausbildungsbetrieb für junge Menschen aus der Region. Daraus ist eine gewisse Verantwortung entstanden.“ Eine konstante Zahl von rund 90 Auszubildenden mit 80 Prozent Übernahmequote kann dies belegen.

Die Gas-Verdichter aus dem Hause Neuman & Esser kommen in allen erdenklichen Branchen zum Einsatz – von der Bierbrauerei bis zur Ölraffinerie. Verkauft werden die Anlagen in die ganze Welt. Das Besondere: Jedes Produkt, das die Werkshallen in Übach-Palenberg verlässt, ist eine Maßanfertigung. Zu den jüngsten Entwicklungen gehört ein Kolbenverdichter für Biogas. „Damit haben wir auf die Bewegung reagiert, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf dem Markt enstanden ist“, sagt Alexander Peters.

Seit 2009 sind Komplettanlagen für diese Anwendung im Angebot, entwickelt in der firmeneigenen Forschungsabteilung. In Sachen Innovation bestehen beste Kontakte zur RWTH Aachen und anderen Hochschulen. Die Geschäftsfelder sind klar definiert: „90 Prozent Kompressortechnik, acht Prozent Verfahrenstechnik, zwei Prozent Dichtungstechnik“, zählt Alexander Peters auf und definiert dazu ein Ziel: „Künftig streben wir mehr Ausgewogenheit an.“

Was die Wartung und Reparatur der technischen „Maßanzüge“ angeht, setzt man bei NEA voll auf Lebensdauer – „pflegen statt austauschen“ könnte das Motto lauten. Ein Gang durch die Reparaturhalle ist wie ein Kurztrip durch die Firmenhistorie. „Wir bekommen hier Teile zur Wartung und Reparatur, die meist schon Jahrzehnte im Einsatz sind“, sagt Alexander Peters. „Teilweise stammen sie von Maschinen, die bereits an der 100-Jahre-Marke kratzen.“

Das jüngste Kapitel der Firmengeschichte wird seit 2007 vom Geschwisterpaar mitgeschrieben. Stefanie und Alexander Peters stehen gemeinsam als geschäftsführende Gesellschafter in der Verantwortung bei der NEA Holding. Familienunternehmen, werteorientierter Führungsstil, Ausbildungsschwerpunkt, flache Hierarchien – Begriffe, die das Geschwisterpaar für eine Selbstbeschreibung gerne benutzt. Stammvater der Unternehmerfamilie war Wilhelm Peters, der im Jahr 1837 im belgischen Eupen eine Tuchfabrik gründete. Die Aufgaben sind heute klar verteilt. Stefanie Peters ist mit den Schwerpunkten internationale Infrastruktur, IT, Personal und Kommunikation betraut, während Bruder Alexander „die gesamte technische Seite im Blick hat“.

Auch das Reiseprogramm teilen sich die Geschwister. Der Status als „Global Player“ manifestiert sich auch in regelmäßigen Vor-Ort-Besuchen, selbstverständlich auch außerhalb der Produktionsstätten in Deutschland. 28 Standorte in zehn Ländern wollen regelmäßig angesteuert werden – und das auch, um den gern verwendeten Begriff „NEA-Familie“ mit Leben zu erfüllen, sagt Stefanie Peters. „Werteorientierter Führungsstil“ lautet das Credo, dem sich die Geschwister verschrieben haben. „Dazu gehören Vertrauen, Transparenz, Ehrlichkeit, aber auch Erreichbarkeit. Die Kollegen können uns direkt ansprechen, ohne Vorbehalte“, sagt die Geschäftsführerin.

Die regionale Verwurzelung der Geschwister zeigt sich – wie vom Vater vorgelebt – auch im ehrenamtlichen Engagement. So ist Stefanie Peters Vizepräsidentin der IHK Aachen und des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), Bruder Alexander steht dem regionalen Branchenverband der Metall- und Elektroindustrie vor und sitzt im Vorstand der Vereinigten Unternehmerverbände Aachen.

Kann ein Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern überhaupt ein Familienbetrieb sein, abgesehen von den etablierten Namen an der Spitze? „Unbedingt“, ist Stefanie Peters sicher – „wenn man es will.“ Ihr Vater Klaus habe es in seiner Zeit als Geschäftsführer vorgelebt. „Die Nähe zu den Mitarbeitern haben wir schon als Kinder mitbekommen. Wir führen diese Tradition gerne weiter.“

Neben identitätsstiftenden Aktionen wie dem breiten Betriebssportangebot und der regionalen Verwurzelung ist es vor allem der Tag der offenen Tür, der als Konstante im NEA-Jahreskalender für die Nähe zwischen Belegschaft und Führungsetage steht – und gleichzeitig das Traditionsunternehmen mit der Stadt zusammenbringt. „Am 11. Juni erwarten wir wieder 5000 Gäste“, sagt Alexander Peters, „gerne dürfen es mehr sein. Schließlich gibt es etwas zu feiern.“

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