Experte: „Mit Photovoltaik kann man keine goldene Nase verdienen”

Von: Berthold Strauch
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Photovoltaik finanziell weniger lukrativ: Die Einspeisevergütung für neu installierte Anlagen sinkt langsamer als zunächst angekündigt. Foto: B. Strauch

Aachen. Wenn im Zusammenhang mit der Installierung von Photovoltaikanlagen von einer „Lizenz zum Gelddrucken” die Rede ist, werden Wolf von Fabeck, Alfons Schulte und Frank Busse ziemlich sauer.

Die engagierten Mitglieder des Solarenergie-Fördervereins (SFV) Aachen, der von der Kaiserstadt aus bereits vor fast einem Vierteljahrhundert den Nutzwert der Sonne bundesweit ins Rampenlicht gerückt hatte, widersprechen gegenüber unserer Zeitung solchen Wertungen vehement. Und die waren jüngst gerade in den Reihen der Politik und der Verbraucherschutzverbände wieder lautstark zu hören.

Zwar hat der Vermittlungsausschuss des Bundesrats die vom Bundestag beschlossene Kürzung der Einspeisevergütung etwas entschärft. Doch aus Sicht des SFV-Chefs von Fabeck und seiner Mitstreiter bleibe unterm Strich, dass an den angeblichen „Traum-Erlösen” aus der energiereichen Kraft des Himmelsgestirns nichts dran sei. Sie stützen ihre Einschätzung mit einem umfangreichen Zahlenwerk des renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos. Diese Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums habe als Entscheidungsbasis für die Neuregelung der Erlöse dienen sollen.

Prognos geht davon aus, dass eine in der Tat reizvolle Verzinsung von acht Prozent bei eingesetztem Fremdkapital, bei Eigenkapital von 6,5 Prozent auf Investitionen in Photovoltaikanlagen erzielt werden sollte. Demgegenüber seien die anfallenden Kosten zu sehen: eine jährliche Abschreibung von fünf Prozent, bezogen auf die Laufzeit von 20 Jahren laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als Grundlage für die Einspeisevergütung, plus 1,5 Prozent für Wartung und Versicherung, in der Summe also 6,5 Prozent der ursprünglichen Investitionskosten. Laut den SFV-Vertretern habe Prognos für 2009 einen Systempreis von rund durchschnittlich 5122 Euro pro neu installiertem Kilowatt Spitzenleistung (kWp) bei „Aufdach-Anlagen” für Solarmodule, Wechselrichter und Montage angesetzt. Für 2010 seien rund 4742 Euro pro kWp angenommen worden.

Auf der Grundlage dieser Prognos-Zahlen kommen die Aachener Akteure bei kleineren PV-Anlagen auf eine Verzinsung von bescheidenen 1,56 Prozent für das vergangene Jahr. Und bezogen auf die ursprünglich zum 1. Juli geplante Reduzierung der Einspeisevergütung sinke dieser Ertrag sogar auf nur 1,42 Prozent - hier könne also wahrlich keine Rede von einem satten finanziellen Zubrot vom heißen Himmelsgestirn sein.

Und weiter: Würden tatsächlich Einspeisungserträge angesetzt, die „kostenorientiert” seien und den von Prognos vorgegebenen Renditeerwartungen von durchschnittlich 7,4 Prozent entsprechen sollten, müssten für Anlagen auf Dächern eigentlich sogar 68,65 Cent pro Kilowattstunde vergütet werden. Dies entspreche mehr als doppelt so viel Geld, wie nun nach den politischen Entscheidungen tatsächlich noch fließen solle.

Der SFV stellt nachdrücklich heraus, dass es sich hierbei nicht um Subventionen aus öffentlichen Steuermitteln handele, sondern um Zahlungen, die jeder einzelne Stromverbraucher tragen müsse - zum Nutzen der Umwelt und der Volkswirtschaft, die weniger für den Import fossiler Brennstoffe zahlen müsse.

Frank Busses Fazit: „Dass man sich mit Photovoltaikanlagen goldene Nasen verdienen kann, ist absolut nicht haltbar.”
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