Ex-Schiri Merk und die Parallelen von Fußball und Wirtschaft

Von: Berthold Strauch
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„Aus Stress und Belastung kann Motivation werden“: Ex-Schiedsrichter Markus Merk beim EWV-Unternehmerforum. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Starker Auftritt im WM-Jahr: Der ehemalige Fifa-Fußballschiedsrichter Markus Merk brillierte bei seinem Auftritt im Rahmen des zehnten Unternehmerforums des Stolberger Energie- und Wasserversorgers EWV.

Vor vollem Haus in der Ketschenburg zog der promovierte Zahnarzt, der nach seiner Referee-Karriere als Redner unterwegs ist und seine Praxis an den Nagel gehängt hat, eindrucksvolle Parallelen zwischen der Aufgabe an der Pfeife und den Anforderungen in der Wirtschaft. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung.

Ganz loslassen von der schillernden Welt des Fußball kann Merk, der im Schatten des einst gefürchteten Kaiserslauterner Betzenbergs geboren wurde, keinesfalls. So ist der 52-Jährige regelmäßig präsent als Fernsehkommentator auf Sky und in der türkischen Liga. Selbst hatte Merk mit fünf Jahren erstmals die Fußballschuhe geschnürt – die damals erst nach seinem Vorsprechen bei einem renommierten Hersteller in seiner passenden Größe produziert wurden. Schon mit zwölf Jahren verlegte er seine Kickerambitionen auf das Amt des Spielleiters.

Umgang mit Druck ist trainierbar

Und dabei brachte er es im Laufe von Jahrzehnten sogar allein dreimal zum Weltschiedsrichter des Jahres. Merk pfiff Bundesligapartien in absoluter Rekordzahl, war rund um den Globus bei Länderspielen, Welt- und Europameisterschaften unterwegs. Zudem kümmert er sich auch seit langem um soziale Projekte zugunsten von Kindern, insbesondere im Süden Indiens, die ihm sehr am Herzen liegen.

Seinen Zuhörern in Stolberg gab Markus Merk mit auf den Weg, dass Entscheider von hoher fachlicher Kompetenz und starkem Leistungswillen geprägt sein sollten. Damit Entscheidungen tatsächlich breit akzeptiert würden, müssten sie konsequent, aber auch mit großer Gelassenheit getroffen werden – eine Kompetenz, die er sich hart erarbeiten musste. Umgang mit Druck sei trainierbar, aus Stress und Belastung werde Motivation.

Als Schiedsrichter habe er oft in Bruchteilen von Sekunden spielentscheidende Situationen abzuwägen, dabei auch gestützt auf ein starkes Team von Kollegen an seiner Seite. Beruhigend für ihn sei, dass acht bis neun von zehn seiner oft strittigen Entscheidungen dem späteren Beweis per Fernsehkameras standhalten konnten. Meist sei der erste Gedanke auch der beste.

Doch auch mit heftiger Kritik nach Fehlurteilen – in der Bundesliga auch „von 80 Millionen unfassbar viel besseren Schiedsrichtern“ –, die ihn selbst am meisten ärgern und wobei er immer bereit sei, sie zu analysieren und zu verantworten, könne er als „Spaßbremse der Nation“ leben. Dabei hält es Merk mit dem britischen Premierminister Winston Churchill: „Es kann geschehen, dass man hinfällt. Unverzeihlich ist nur, wenn man liegen bleibt.“

Anhand seiner persönlichen Begegnungen auf dem Platz mit weltberühmten Spielerlegenden wie David Beckham, Zinedine Zidane und Luis Figo „als meine Vertrags- und Verhandlungspartner“ beleuchtete er unterschiedliche Charaktere, vom eher diplomatischen Briten bis zu dem eigentlich nicht kommunikationsfähigen Portugiesen Figo.

Dabei müsse er als Referee auch dafür sorgen, dass Spieler vor Angriffen der Gegner geschützt würden, wie es bei dem berüchtigten Kopfstoß des Franzosen Zidane im Endspiel der WM 2006 nicht ganz gelungen sei. Es koste „eine Unmenge an Energie“, mit solchen schwierigen Typen zu kommunizieren. „Aber wenn ich die auf meiner Seite habe, sind sie die besten Multiplikatoren.“

Als Schiedsrichter bedroht und beschimpft zu werden, auch durch anschließendes mediales Feuer, sei „nie lustig und tut weh. Doch es erdet mich immer wieder“. Aber egal, wie schwierig Entscheidungen seien – „der Faktor Spaß muss erhalten werden“, unterstrich Merk nachdrücklich die Bedeutung des Fair Play. Und noch eine Anmerkung war ihm wichtig: Fußball sei „eine große Bühne“, doch er sei „nie auf den Platz gegangen, um im Mittelpunkt zu stehen“.

In einer anschließenden Gesprächsrunde von Bernd Mathieu mit Merk, dem Geschäftsführer der Stolberger Bleihütte Berzelius, Urban Meurer, und RWTH-Professor Günther Schuh, dem Geschäftsführer der Aachener Campus GmbH, wurden Berührungspunkte zwischen den Welten des Sports und der Wirtschaft per Doppel- und Steilpass weiter vertieft.

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