Herzogenrath - Energiepreise: Unternehmen klagen über Belastung

Energiepreise: Unternehmen klagen über Belastung

Von: Berthold Strauch
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Herzogenrath. Nein, zum zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle könne er nicht gehen und bitten, „ein Auge zuzudrücken“, reagierte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) am Freitag auf die Frage, ob er helfend eingreifen könne.

Zuvor hatten Paul Neeteson, Generaldelegierter der Saint-Gobain-Gruppe, und Norbert Teschner, Geschäftsführer des Herzogenrather Werks Saint-Gobain Sekurit Deutschland, Klage geführt über die zunehmende Last der steigenden Strompreise für das Unternehmen. Insbesondere die Abgaben nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) trieben die Kosten für den Bezug von Elektrizität immer höher, klagten sie.

Im Gegensatz zu vielen anderen Großverbrauchern ist Saint-Gobain nicht von der EEG-Umlage befreit. Allein das Herzogenrather Werk koste sie jährlich fünf Millionen Euro, sagte Teschner – Geld, das ausländische Wettbewerber nicht bezahlen müssten. Das Unternehmen liege nur knapp unter den Grenzwerten, die für eine Befreiung gelten, fügte der Geschäftsführer an.

Viel Strom braucht Saint-Gobain Sekurit zum Betreiben seiner Öfen, die die Glasscheiben zurechtbiegen, entsprechend den Wünschen der Automobilhersteller und den oft technisch herausfordernden Entwürfen ihrer Designer. In den Elektroöfen müssen Temperaturen von mehr als 600 Grad sichergestellt werden.

Binnen zehn Jahren, so Geschäftsführer Teschner, hätten sich die Strompreise verdoppelt. Hingegen seien die Erlöse für die Produkte seines Unternehmens in diesem Zeitraum „erheblich gefallen, zum Teil auf die Hälfte“. Saint-Gobain stecke „in einem Überlebenskampf“ – angesichts des Preisverfalls, für den insbesondere die Konkurrenten in Osteuropa – neuerdings etwa in Bulgarien – und Asien sorgten.

Dort lägen die Energiepreise erheblich unter denen der deutschen Lieferanten, etwa auf halbem Niveau. Ähnlich sei es auch in Frankreich, Belgien, Polen und Tschechien, so Teschner weiter. „Für uns ist das ein Wettbewerbsnachteil. Wir sind an einer Grenze, es tut weh.“ Saint-Gobain beschäftigt im Raum Aachen über 2000 Mitarbeiter, am Standort Herzogenrath alleine rund 1000.

Damit es Verbesserungen geben könne, „müssen die gesetzlichen Grundlagen geändert werden“, machte Duin deutlich. „Dafür kämpfe ich.“ Grundsätzlich sei er dafür, dass die Ausnahmen für Betriebe von der EEG-Umlage abgeschafft werden sollten – wenn das Gesetz entsprechend novelliert werde, wenn es „fließende Übergänge statt harter Grenzen“ gebe.

Doch Duin rechnet nicht damit, dass dies in diesem Jahr noch gelingen werde – frühestens 2014, und das nicht, weil er auf eine Ablösung der Bundesregierung setze. Jüngst habe es bei Gesprächen der Länder mit Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) keine Verständigung gegeben, auch wegen unterschiedlicher Interessen der Länder. Das Problem sei „ein überparteiliches Thema“. Der „Zwang zur Einigung“ sei gegeben. „Aber dafür müssen sich alle bewegen“, bekräftigte er.

Duin absolvierte mit der Saint-Gobain-Visite seinen Antrittsbesuch im Bezirk der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK), der ihn auch nach Geilenkirchen zum Laserbearbeitungs- und Beratungszentrum führte.

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