Eine Keimzelle für innovative Ideen

Von: Thorsten Pracht
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Die Digitalisierung ist keine einmalige Erscheinung, sie ist ein Megatrend: Für Unternehmen ist das mit drastischen Veränderungen verbunden. Foto: dpa
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Erobert mit seinem Unternehmen den weltweiten Markt: der gebürtige Dürener Philipp Depiereux. Foto: Naima Wolfsperger

Düren. Als „Depiereux-Gelände“ bezeichnen viele Dürener immer noch das Grundstück, auf dem früher die „Dürener Maschinenfabrik“ stand. Die Familie mit dem französischen Namen hat in der Industriegeschichte der Stadt Spuren hinterlassen.

Was der Maschinenbau Ende des 19. Jahrhunderts war, ist heute die Digitalisierung: ein Megatrend. Und in dem ist der gebürtige Dürener Philipp Depiereux einer der führenden Köpfe des Landes.

Im Jahr 2010 hat der heute 38-Jährige mit zwei Partnern das Unternehmen Etventure gegründet. Heute hat die Gruppe Standorte in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Essen, Zürich, Paris, London und New York. 200 feste Mitarbeiter gehören zum Team, das sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt hat. Der Umsatz verzehnfachte sich im selben Zeitraum, der Rekord aus dem Vorjahr ist 2016 bereits fast wieder erreicht.

Am Kunden orientiert

Etventure berät Unternehmen bei der Digitalisierung, von der Versicherung über den Verlag bis zum Stahlkonzern ist alles dabei. Das Start-up bedient sich dabei der Design-Thinking-Methode, die sich konsequent am Kunden orientiert. „Das Besondere an Etventure ist, dass wir meist ohne Branchenkenntnis in das Unternehmen kommen und uns auch nicht interessiert, was in der Vergangenheit gemacht wurde“, erklärt Depiereux beim Heimatbesuch in der Dürener Redaktion. Meistens werde in Unternehmen vom Produkt aus gedacht und dann die Zielgruppe dafür gesucht. Außerdem seien die Innovationszyklen zu lang, sagt Depiereux. „Das ist das Gegenteil von unserem Ansatz“, sagt der Dürener.

Die Leute von Etventure sind so etwas wie eine schnelle Eingreiftruppe. Einmal im Einsatz, suchen sie in Unternehmen nach sogenannten „Pain Points“, also Schmerzpunkten. „Auf dieser Basis können wir dann sehr schnell neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln, die tatsächlich ein zentrales Kundenproblem lösen.“ Das dauere manchmal nur Tage oder wenige Wochen, sagt Depiereux.

Die oftmals waltende Skepsis gegenüber Veränderungen umgeht Etventure dabei einfach. „Wir bauen neben der eigentlichen Organisation eine Art Keimzelle. Stellen Sie sich das vor wie ein Testlabor. Das heißt, wir nehmen das Thema Innovation aus dem Unternehmen heraus, lassen die Leute dort zunächst in Ruhe weiterarbeiten, denn es ist ja auch erstmal wichtig, dass das Kerngeschäft weiter funktioniert. In dem Testlabor entwickeln wir dann sehr schnell digitale Lösungen“, beschreibt Depiereux.

Als ein Stahlkonzern dringend eine schnelle Lösung benötigte, um die Bestellung von Ersatzteilen zu vereinfachen, stellten sich Depiereux und sein Team einfach auf den Messestand des Unternehmens. „Undercover“ stellten sie eine selbstprogrammierte Software als vermeintlich neue Online-Plattform vor und sammelten Rückmeldungen und Kritik der Messebesucher. Erst auf Basis der Nutzerinteressen wurde dann die tatsächliche Lösung kreiert. „Fake it, until you make it“ („Tu so als ob, bis es dir gelingt“), nach diesem Motto arbeitet das Start-up. „Aber nur solange, bis wir mit der Innovation wieder ins Unternehmen des Kunden gehen. Dann darf es kein Scheitern mehr geben“, erklärt Depiereux.

Hauptsache der CEO versteht es

Lange Konferenzen und Powerpoint-Präsentationen sind undenkbar. Als „Ideenfriedhof“ bezeichnet Depiereux Excel-Tabellen mit Vorschlägen für Veränderungen. „Das Problem: Der Großteil wird nie umgesetzt oder die Idee hilft dem Kunden überhaupt nicht“, weiß der Unternehmensgründer. Mit der Aufgabe, eine ganze Unternehmenskultur zu verändern, hält Etventure sich gar nicht erst nicht auf. „Wir sind nicht missionarisch unterwegs, um die Skeptiker zu bekehren. Unseren Ansatz muss im ersten Schritt nur der CEO verstehen. Denn nur wenn er der zentrale Treiber der Digitalisierung im Unternehmen ist, kann sie erfolgreich sein“, sagt Deperieux.

Erfolgreich ist sein eigenes Unternehmen mit dieser Vorgehensweise mittlerweile. Mit der Startup-Blase Anfang der 2000er Jahre habe die aktuelle Szene, vor allem in Berlin, nichts mehr zu tun. „Da arbeiten reale Menschen an realen Projekten und verdienen reales Geld“, sagt Depiereux. Davon profitiert auch Etventure: 200 Bewerbungen erhalte sein Unternehmen mittlerweile, sagt Philipp Depiereux – pro Tag.

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