Ein großer Bruder für den Streetscooter

Von: Christoph Pauli
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Stauram für 200 Pakete: Jürgen Gerdes (links), Konzernvorstand der Post, und der Europavorstand von Ford, Steven Armstrong, stellen den neuen „Streetscooter Work XL“ in Köln vor. Foto: dpa/Christoph Pauli
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Das Fahrzeug-Angebot wird größer: Achim Kampker, Mitbegründer der Streetscooter GmbH. Foto: dpa/Christoph Pauli

Köln/Aachen. Nach Köln war Achim Kampker mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor angereist. Sein neues Auto für längere Fahrtstrecken wird erst in zwei Wochen ausgeliefert. Wenn der 41-jährige Firmengründer und RWTH-Professor unterwegs ist, geht es fast zwangsläufig um das größer werdende Thema Elektromobilität.

An diesem Tag ist der CEO der Streetscooter GmbH im Verteilzentrum der Post DHL Group in Ehrenfeld. An den Rampen stehen die ersten E-Transporter, sie hängen an diesem Morgen an der Oköstrom-Steckdose. Der „Streetscooter Work XL“ gehört nun zur Flotte des weltgrößten Logistikunternehmens.

2500 Modelle bis Ende 2018

Bis Ende des Jahres werden 150 Fahrzeuge in Aachen am Produktionsstandort der Streetscooter GmbH gebaut, die inzwischen zur Post-Gruppe gehört. Bis Ende 2018 sollen 2500 Fahrzeuge des Modells produziert werden. Kooperationspartner für den Transporter ist Ford. Der Autobauer liefert das Fahrgestell. Das ist eine neue Liaison zwischen einem 114 Jahre alten Automobilgiganten und einem fast noch froschgrünen jungen Unternehmen aus Aachen.

„Das Gemeinschaftsprojekt wird Europas größter Produzent von emmissionsfreien, mittelgroßen Transportern sein. Und es kommt genau zu richtigen Zeit“, sagt Steven Armstrong, Fordchef für Europa, den Mittleren Osten und Afrika. Und dann sagt er noch einen Satz, den man so ähnlich schon mal von einem anderen Mr. Armstrong gehört hat: „This is a great step in the right direction.“

Der „Work XL“ ist nun der große Bruder vom „Work“ (4 Kubikmeter Ladevolumen) und „Work L“ (8). Der Frachtraum ist vom Fahrerhaus begehbar, auf den 20 Kubikmeter können etwa 200 Paketen in den Regalen gestapelt werden. Eingesetzt wird die Flotte in Großstädten. Dort bewegen sich die Zusteller in vorgegebenen Zeitfenstern. Was nicht mehr geladen werden kann, wird erst am nächsten Tag verteilt. Der neue Transporter soll die Zustellung beschleunigen.

Die Deutsche Post DHL Group, so sagt es Jürgen Gerdes, Konzernvorstand eCommerce, will bis zum Jahr 2050 emissionsfrei unterwegs sein. Das neue Modell hilft bei dem ökologischen Vorsatz: Pro Jahr und Fahrzeug können etwa fünf Tonnen Kohlendioxid und 1900 Liter Diesel eingespart werden. Hochgerechnet auf die komplette E-Flotte von 2500 neuen Transportern bedeutet das eine Einsparung von 12 500 Tonnen Kohlendioxid und 4,75 Millionen Litern Diesel. Der neue Transporter soll bis zu 200 Stopps am Tag bewältigen können, fährt bis zu 85 Stundenkilometer schnell, hat eine Spitzenleistung von 150 Kilowatt und je nach Batterie (modulares System mit 30 bis 90 Kilowatt) eine Reichweite zwischen 80 und 200 Kilometern.

„Mit unserem Engagement untermauern wir unseren Anspruch, Marktführer in der grünen Logistik zu sein“, sagt Gerdes in jedes Mikrofon. Die Nachfrage nach dem Modell sei „gewaltig“, teilt er mit. Aber vorerst braucht seine Unternehmen alle Fahrzeuge, die vom Band laufen. Erst später wird der „XL“ – wie seine kleineren Brüder – auch für andere Nachfrager gebaut.

Jahrelang kein Interesse

Jahrelang waren die DHL-Manager bei der Elite der deutschen Autoindustrie abgeblitzt. Der eine Konzern fordert einen gewaltigen Zuschuss zur Entwicklung, andere sehen in absehbarer Zeit keine Chance, das Elektrofahrzeug zu bauen, das Gerdes vorschwebte. Funktional und preiswert, ohne viel Design und Schnickschnack – das konnten oder wollten die Konzerne offenbar nicht. Die Zusammenarbeit mit Streetscooter hat sich rasant entwickelt, vor zwei Jahren übernahm die DHL das im Umfeld der RWTH gegründete Start-Up-Unternehmen und machte es zu seiner Tochter, die gerade prächtig aufblüht und vielleicht schneller wächst, als das die „Eltern“ mal gedacht hatten.

Der „XL“ wird nicht das letzte Modell sein, irgendwann in ein paar Jahren wird es dann vermutlich auch einen XXL geben. In der Batterietechnologie wird alle zwei Jahre die Effizienz und damit die Reichweite etwa um 20 Prozent erweitert. Die Streetscooter GmbH in Aachen wird im nächsten Monat auf einen Zwei-Schichtbetrieb umstellen. Und im September will die DHL auch preisgeben, wo der zweite Standort in NRW für ein weiteres Produktionswerk sein wird. Im Gespräch ist Düren, bestätigt ist nichts. Kampker wird auf jeden Fall mit seinem neuen Elektrowagen anreisen. Die Termine mehren sich, bei denen ein Streetscooter im Mittelpunkt steht.

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