Aachen - e.GO eröffnet in Aachen erstes Werk: Stadtauto „Life“ geht in Serie

e.GO eröffnet in Aachen erstes Werk: Stadtauto „Life“ geht in Serie

Von: Christoph Pauli
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Der Elektrofahrzeug-Hersteller e.Go hat am Freitag in Aachen das erste von vier geplanten Werken eröffnet. Ab Ende des Jahres sollen die ersten „Life“-Modelle ausgeliefert werden. Foto: Heike Lachmann
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Die Produktionshalle ist eröffnet: Günther Schuh begrüßt ein paar hundert Ehrengäste ... Foto: Heike Lachmann
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... und tausende interessierte mögliche Kunden in der e.GO-Fabrik. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Hätte man in die nagelneue Fabrikhalle einen Geigerzähler aufgestellt, mit dem man Stolz und Zuversicht hätte messen können, wäre das Gerät vermutlich in die Luft geflogen. Es gab so viel Zustimmung und so viel Lob, dass Günther Schuh am Ende der Veranstaltung tatsächlich feststellte: „Das ist nach meiner Hochzeit der zweitbeste Tag meines Lebens.“

Am zweitbesten Tag im Leben des Hochschulprofessors wurde nämlich im Aachener Osten die e.GO-Produktionshalle eröffnet. Schuh hat das Unternehmen auf dem RWTH-Campus erst vor drei Jahren gegründet. Die Start-up-Firma will Elektrofahrzeuge für den Kurzstreckenverkehr kostengünstig herstellen. Das erste Baby hört nun auf den Namen „Life“ und wird in drei Leistungsklassen auf den Markt kommen.

Das Stadtauto geht ab Herbst in Serie, die ersten Modelle werden Ende des Jahres ausgeliefert. Zunächst im Einschichtbetrieb sollen jährlich in der 16.000 Quadratmeter großen Halle 10.000 Fahrzeuge gebaut werden, mit einer zweiten Schicht soll dann etwa in einem Jahr auch die Kapazität verdoppelt werden. „Das ist ein großartiges Geschenk für Aachen“, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) in einer Podiumsrunde, moderiert von Chefredakteur Bernd Mathieu.

Die meisten der umweltfreundlichen Fahrzeuge werden in der Region die Luftqualität verbessern, zudem will e.GO in seinen vier Werken, die bis zum Jahr 2022 entstehen, etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigen. Neben Werk 1 entsteht bereits Werk 2, in dem ab Herbst die Karosserie für das Stadtauto hergestellt wird. Start für Werk 3, in dem der elektrische Kleinbus „Mover“ gebaut wird, ist der August 2018.

55 Jahre lang hat es gedauert, bis wieder ein Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen ein Produktionswerk eröffnen konnte. Damals war es ein Opel-Werk in Bochum, diesmal ist es ein Werk in Aachen. „Das ist ein besonderer Tag für die Elektromobilität in Deutschland“, urteilt Armin Laschet (CDU). Der Ministerpräsident ist ein Duz-Freund des parteilosen Schuh, hat ihn auch in den E-Mobilitätsbeirat der Landesregierung berufen. Das Land brauche mehr solcher Männer mit diesem Pioniergeist, sagt Laschet. Das Land hat Werk 1 mit etwa 2,6 Millionen Euro gefördert, die Gesamtinvestitionen liegen bei 25,7 Millionen Euro. Die Trierer Immobilienentwicklungsgesellschaft Triwo errichtete das Gebäude, um es dann an e.Go zu vermieten.

„Chinesisches Tempo“

Günther Schuh hat aufs Tempo gedrückt, es gibt gerade keine Zeit mehr zu verlieren, sagt er. Schon die Vorzeigefabrik sei nahezu in „chinesischem Tempo“ entwickelt und erstellt worden. „Unser Konzept ist einzigartig, wir stellen hier ein grundsolides, hochwertiges und günstiges Auto her.“ In 17 Stunden entsteht so ein Fahrzeug. Kosten werden minimiert, in dem man sich zum Beispiel aus den Regalen der Zulieferer vorhandener Komponenten bedient.

Eine teure Lackierstraße ist nicht notwendig, weil für die Außenhaut der Stadtflitzer robuste Thermoplastmaterialen benutzt werden, die auch einen Parkrempler vertragen, sagt Schuh. Der neue Industrie Park 4.0 habe noch einen Vorteil: Innerhalb weniger Monate lassen sich hier Modellverbesserungen umsetzen. „Wir wollen etwas schaffen für die Mobilitätswende“, sagt „Missionar“ Günther Schuh, dem die Begeisterung an diesem Tag aus allen Poren strahlt.

Eine saubere Fabrik ist da an der Lilienthalstraße entstanden. Vor ein paar Jahren wurden in der ehemaligen Philipshalle noch Bildröhren gefertigt. Jetzt wird hier an der Zukunft geschraubt. Die gesamte Energie für die Produktion wird über Panele auf dem Fabrikdach umweltfreundlich gewonnen.

Mehr als 3000 Vorbestellungen gibt es für den „Life“, den die wenigsten neuen Autobesitzer schon einmal gesehen haben. Am Eröffnungstag wird für die meisten Besteller aus dem „blind date“ eine erste Kontaktaufnahme mit dem neuen Gefährt(en): Integriert in das neue Werk ist auch ein Präsentationsraum.

Zu den ersten Bestellern, die nun in der Warteschleife sind, gehört übrigens auch der Ministerpräsident. Armin Laschet sagt den Tausenden Zuhörern in der neuen Halle etwas, das klingt wie: „Später wird man sich in an diesem Tag erinnern, als der große Schub begonnen hat in Aachen.“ Vielleicht hat Laschet auch gesagt: „Später wird man sich an diesem Tag erinnern, als der große Schuh begonnen hat in Aachen.“

 

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