Duales Studium punktet auf ganzer Linie

Von: Felicitas Gessner
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Im dritten und letzten Jahr: Leon Jordans, 21, absolviert beim Aachener Entwicklungszentrum des US-Unternehmens National Instruments seine Ausbildung und studiert gleichzeitig an der FH Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Das Lernen fürs Studium findet nach der Arbeit statt. Da bleibt kaum Freizeit“, sagt Leon Jordans. Der 21-Jährige ist bei National Instruments in Aachen als Auszubildender beschäftigt und studiert gleichzeitig an der FH Aachen das Fach „Scientific Programming“. Zweifelsohne ist es eine Erfolgsgeschichte.

Seit fünf Jahren bildet das Aachener Entwicklungszentrum des US-Unternehmens National Instruments im Rahmen des dualen Studiums seine Auszubildenden als „Mathematisch-Technische Software-Entwickler“, kurz Matse, aus. „Wenn es diese Kombination von betrieblicher Ausbildung und Studium in einem nicht gebe, würden wir wahrscheinlich gar nicht selbst ausbilden“, sagt Ralf Müller von National Instruments. Erst in diesem Jahr wurden zwei Auszubildende eingestellt, Leon Jordans und ein weiterer junger Mann sind bereits im dritten Ausbildungsjahr.

„Größter Vorteil der dualen Ausbildung ist die Null-Einarbeitungszeit in unserem Unternehmen. Unsere Azubis werden bereits ab dem zweiten Lehrjahr bei ganz normalen Projekten in unserer Firma eingesetzt. Sie können das, weil sie das theoretische Wissen parallel in ihrem Studium vermittelt bekommen“, erklärt Müller. Dafür nimmt sein Unternehmen in Kauf, dass die Auszubildenden in den ersten zwei Lehrjahren zwei von fünf Arbeitstagen, im dritten Jahr einen Tag studieren und nicht in der Firma sind. Aber so könne man dem Fachkräftemangel, der gerade in der IT-Branche herrscht, entgegenwirken und qualifizierte Mitarbeiter gewinnen.

„Das Interesse am dualen Studium wird immer größer, sowohl bei Studenten als auch bei Unternehmen“, sagt Andreas Beumers, der seit drei Jahren als Koordinator zu den acht dualen Studiengängen an der Fachhochschule (FH) Aachen berät und bei Unternehmen nach entsprechenden Ausbildungsplätzen sucht. Unterstützt wird er dabei von Waltraud Gräfen, Beauftragte für den Bereich Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Aachen, und Georg Stoffels von der Handwerkskammer Aachen.

Der Vorteil für Unternehmen beim dualen Studiengang sei, dass sie Fach- und Führungsnachwuchs gewinnen, der sich rasch in die betrieblichen Abläufe integrieren lasse, sagt Müller. Für die Studenten gebe es gleich zwei Vorteile: Mit der Ausbildungsvergütung könnten sie ihr Studium finanzieren und nach drei Jahren hätten sie zwei Abschlüsse „auf einen Streich“. Viel Freizeit bleibe tatsächlich nicht, sagt Müller. Aber es lohne sich, denn der Bezug zur Praxis sorge für einen sehr guten Studienabschluss. Leon Jordans stimmt ihm zu: „Am besten sind der Austausch in der Firma und die direkte Projekteinbindung.“

„Scientific Programming“ heißt das duale Studium, das die Auszubildenden von National Instruments mit mehr als 100 anderen Studenten in Aachen absolvieren. Es ist der erste und bis heute größte Studiengang des dualen Angebots an der FH Aachen. Das Studium findet komplett am Rechenzentrum der RWTH Aachen statt, das zudem auch den Part der Berufsschule übernimmt. „Der duale Studiengang zum Mathematisch-Technischen Software-Entwickler ist derzeit einzigartig in Deutschland“, sagt Beumers.

Und in Zeiten eines doppelten Abiturjahrgangs auch sehr gefragt: 150 neue Studenten sind in diesem Jahr für das duale Studium eingeschrieben und noch immer sind Ausbildungsplätze in Unternehmen in der Region frei. Das sieht in den übrigen dualen Studiengängen anders aus: Dort gibt es 20 bis 25 Plätze jährlich – die Tendenz ist allerdings steigend. „Aktuell bieten rund 180 Unternehmen aus der Region Ausbildungsplätze an, die für das duale Studium Voraussetzung sind“, erklärt Beumers. Waltraud Gräfen sagt, dass Unternehmen jeder Größe duale Ausbildungsplätze anbieten könnten. Schon deshalb, weil es für jeden Ausbildungsberuf je eine Berufsschule gebe, die sich mit einem speziellen und reduzierten Stundenplan auf die Belange der dual Studierenden beziehungsweise Auszubildenden konzentriere.

National Instruments entwickelt in Aachen technische Software. Damit werden Messdaten erfasst, gemanagt, analysiert und präsentiert. Der Mix aus Mathematik und Software-Engineering, den das duale Studium vermittelt, überzeugt das Unternehmen sehr. „Unsere Mitarbeiter sind hauptsächlich Ingenieure und ein Spiegel unserer Kunden. Unsere Azubis und hoffentlich zukünftigen Mitarbeiter passen mit ihrer dualen Ausbildung da perfekt hinein“, erklärt Ralf Müller.

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