Drittes Gleis: IHK befürchtet Fehleinschätzung

Von: Hermann-Josef Delonge
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Erlebt die Digitalisierung in der Region aus nächster Nähe: IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Dass sich das Thema „drittes Bahngleis auf der Strecke Aachen-Düren-Köln“ erledigt hat, war eigentlich schon klar, bevor Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Mitte März seinen Entwurf zum neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) vorlegte.

Hinter den Kulissen wird seit geraumer Zeit daran gearbeitet, Alternativen zu entwickeln. Die Region verbindet mit dieser Ertüchtigung ambitionierte Erwartungen: Es geht darum, den Strukturwandel nach dem Ende des Braunkohleabbaus spätestens ab 2045 zu gestalten.

Die Vision: Die Region als großer Standort für Logistiker, an dem Güter, die vor allem in den Seehäfen Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam (ZARA-Häfen) umgeschlagen werden, bearbeitet, neu konfektioniert und verteilt werden.

Namentlich die Industrie- und Handelskammer Aachen macht sich stark für dieses Thema, und sie will die verkehrspolitischen Forderungen mit Fakten unterfüttern. Einige liegen schon auf dem Tisch, andere werden derzeit ermittelt. Ziel ist es, die Stelle im BVWP, in der eher unkonkret weiter vom Ausbau der Bahnverbindung Aachen-Köln die Rede ist, zu besetzen.

Denn im Oktober wird der Plan in den entsprechenden Ausschüssen beraten, Ende Oktober soll er dann als ausformulierter Bedarfsplan verabschiedet werden. Wichtig zu wissen ist, dass der BVWP kein Finanzierungsplan ist und selbstverständlich auch keinen Gesetzescharakter hat.

Nicht abschließend bewertet

Es gibt also noch Gelegenheit für Versuche, Einfluss zu nehmen. „Der Ausbau der Bahnstrecke ist im BVWP noch nicht abschließend bewertet. Wir müssen alles dafür tun, dass er nicht falsch bewertet wird“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer. Die Gefahr bestehe.

Bayer moniert, dass die Politik bei der Einschätzung des Verkehrsaufkommen von und zu den ZARA-Häfen von falschen Zahlen ausgehe. Dies zeigt eine Untersuchung der sieben rheinländischen Industrie- und Handelskammern unter dem Dach der IHK-Initiative Rheinland (IIR). Konkret: Die Häfen prognostizieren die Zunahme ihres gesamten Güterumschlags im Zeitraum 2010 bis 2030 mit 67 Prozent; der Containerumschlag soll sogar um 157 Prozent steigen.

Allein die Häfen Rotterdam und Antwerpen erwarten für 2030 einen „deutschland-relevanten Güterumschlag“ von rund 260 Millionen Tonnen. Im BVWP geht man jedoch nur von 177 Millionen Tonnen aus. Für das Rheinland sind diese Zahlen eklatant, denn bis 2030 soll die Hälfte der Transitverkehre im Rheinland einen Bezug zu den ZARA-Häfen haben.

Die Prognosen im BVWP, beklagen Bayer und Monika Frohn, die sich bei der IHK federführend mit dem Thema Verkehr beschäftigt, gingen von zu geringen Werten für das Basisjahr 2010 und von zu flachen Wachstumsraten aus. „Diese Fehleinschätzung ist fatal“, sagen sie. Denn sie führe dazu, dass das Nutzen-Kosten-Verhältnis bei vielen Infrastrukturvorhaben negativ ausfiele – mit entsprechenden Folgen für die Priorisierung, die Mittelvergabe, die Flächenplanung, letztlich die Realisierung.

Ob dies auch ein Grund dafür ist, dass das dritte Gleis nicht realisiert werden soll, ist Spekulaton. Es gehe nun darum zu sehen, was noch machbar ist, sagt Bayer. Die IHK hat deshalb eine Studie initiiert, die ermitteln soll, ob und wie sich die Kapazität vor allem auf dem Abschnitt zwischen Aachen und Düren „durch einzelne infrastrukturelle und fahrplantechnische Maßnahmen“ erhöhen lässt. Die Akteure in Köln, denen auch an einer Entlastung ihres Knotens gelegen ist, und die Bahn sind beteiligt. Denn allen sei klar, dass etwas geschehen müsse.

Gleicher Effekt, geringere Kosten

Konkret geht es um Überholmöglichkeiten, Parkgleise, eine „geschmeidigere“ Gestaltung des Fahrplans oder auch eine Umfahrung der Strecke über Herzogenrath und Mönchengladbach. Die Erwartung: gleicher Effekt wie das dritte Gleis, geringere Kosten. Erste Ergebnisse könnten bis Ende August vorliegen, die Endfassung der Studie soll Anfang Oktober – und damit rechtzeitig vor der weiteren Beratung des BVWP.

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