Aachen - Drittes Gleis: Bund prüft Alternativen

Drittes Gleis: Bund prüft Alternativen

Von: André Schaefer
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Aachen. Gesucht wurde eine Alternative zum dritten Gleis auf der Bahnstrecke Aachen-Düren-Köln. Gefunden wurde ein Bündel an Maßnahmen, die – so sieht es jedenfalls Michael F. Beyer – viel mehr sind als eine Alternative.

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen verkündete am Dienstag die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zur Verbesserung des Bahnknotens Aachen, deren Ergebnisse in die Bewertung des Bundesverkehrswegeplans 2030 einfließen sollen.

Doch Bayer stellte nicht nur die Ergebnisse vor, er verkündete auch die frohe Botschaft, dass eben diese Ergebnisse vom Bundesverkehrsministerium berücksichtigt werden. „Mehr hätten wir nicht erreichen können“, sagte er.

Der Hintergrund: Viele Kommunen zwischen Aachen und Köln stehen in den kommenden Jahren vor einem Strukturwandel. Dieser Wandel wird die Region spätestens im Jahr 2030 erreichen, also dann, wenn mit dem Tagebau Inden der erste der drei großen Tagebaue des rheinischen Reviers die Förderung einstellt. Das Kraftwerk in Weisweiler wird dann schließen, eine Alternative muss dann her.

Eine Idee: ein Montage- und Verteilzentrum am heutigen Kraftwerksstandort Weisweiler. Einzige Voraussetzung: Dieses Logistikzentrum muss an das Schienennetz angebunden sein. Nicht umsonst fordern Politik und Wirtschaft deswegen seit Jahrzehnten ein drittes Gleis zwischen Aachen und Köln. Denn fest steht: Dieses Schienennetz ist schon jetzt überlastet.

Selbst ohne Logistikzentrum wird das Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke zunehmen. Das liegt daran, dass die Seehäfen Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam von einer enormen Zunahme ihres Güter- und Containerumschlags ausgehen. Doch als Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im März 2016 seinen Entwurf des Bundesverkehrswegeplans vorstellte, in dem ein drittes Gleis keine Rolle spielte, entschied sich die Region, eine Alternative zu suchen.

Die Studie: Im Dezember 2015 gab die IHK eine Studie in Auftrag, die ermitteln sollte, ob und wie sich die Kapazität auf der Bahnstrecke zwischen Aachen und Düren erhöhen lässt. „Wir wollten herausfinden, mit welchen machbaren infrastrukturellen und fahrplanmäßigen Maßnahmen diese Kapazität erhöht werden kann“, sagte Monika Frohn, die sich bei der IHK federführend mit dem Thema Verkehr beschäftigt. Die Auftraggeber der Studie waren neben der IHK Aachen unter anderem auch die weiteren sechs IHKs des Rheinlandes, der Kreis Düren, der Rhein-Erft-Kreis und der Zweckverband Nahverkehr Rheinland.

Die Ergebnisse: Die Studie schlägt ein Bündel an verschiedenen Maßnahmen vor, die größtenteils alle zeitlich isoliert voneinander umgesetzt werden könnten. Zum einen soll es eine neue Weichenverbindung im Aachener Hauptbahnhof geben. Diese ermöglicht es, dass beispielsweise ein Regionalzug unabhängig von einer möglichen Ankunft eines Schnellzuges am Hauptbahnhof pünktlich abfahren könne; bislang muss der Regionalzug in solch einem Fall warten. Eine Weichenverbindung würde also dafür sorgen, dass sich beide Züge nicht in die Quere kommen.

Eine andere Maßnahme: die Erweiterung des Burtscheider Viadukts um ein drittes Gleis. Ein solch neues mittleres Gleis stünde beiden Fahrtrichtungen flexibel zur Verfügung und könnte möglichst „viele verschiedene parallele Fahrtbeziehungen, insbesondere im Verspätungsfall“ nutzen, wie es im Gutachten heißt.

Auch Verkehrsaufkommen auf der Bahnstrecke Aachen-Mönchengladbach soll entzerrt werden: So könnten ein „Überwerfungsbauwerk“ in Herzogenrath, also eine Brücke oder Unterführung, sowie ein rund ein Kilometer langes Puffergleis in Übach-Palenberg die Kapazität erhöhen. „Für alle möglichen Maßnahmen gilt: Sie sind mit einem überschaubaren finanziellen Aufwand realisierbar“, sagte Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer der Nahverkehr Rheinland GmbH.

Die Erfolgsaussichten: Im Bundesverkehrswegeplan sind Hunderte von einzelnen Projekten festgehalten. Und sie alle fallen unter verschiedene Kategorien. Die Studienergebnisse für die Aachener Region fallen unter die Kategorie „potenzieller Bedarf“. Das bedeutet: Es gibt Projekte, für die ein „dringlicher Bedarf“ besteht. Noch in diesem Jahr sollen die in der Studie vorgestellten Maßnahmen vom Bundesverkehrsministerium geprüft werden. Erst danach besteht die Option, dass der Bedarf nicht potenziell, sondern dringlich wird. Bayer weiß: „Der Bundesverkehrswegeplan ist ein langfristiges Projekt. So etwas braucht Zeit.“ Der Ball liegt jetzt ohnehin beim Bund.

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