Aachen - „digitalHub“ informiert über Chancen und Risiken von digitalen Währungen

„digitalHub“ informiert über Chancen und Risiken von digitalen Währungen

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
15554936.jpg
Werben für die Digitalisierung: Christian Junger, Gründer der Datenanalyse-Plattform Madana (v.l.), Oliver Grün, Chef des Bundesverbandes IT-Mittelstand, Max Kordek, Miterfinder der Kryptowährung Lisk und Yan Schreier von der Hochschulgruppe Bitcoin Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Unter dem Netzgewölbe der ehemaligen Aachener Kirche St. Elisabeth hat die Zukunft Einzug gehalten. Die „Digital Church“ des Vereins „digitalHub“ bietet dort Arbeitsflächen, Highspeed-WLAN und die Möglichkeit zum aktiven Austausch. Es geht um neue Märkte, Digitalisierung, Effizienzsteigerung, den Austausch zwischen Firmen aus dem Mittelstand, der Industrie, Start-ups, Wissenschaft und Institutionen.

Das stand auch im Vordergrund der ersten großen Veranstaltung „Blockchain, Bitcoin & Co. – Eine Chance für Aachen?“, bei der sich Oliver Grün, Mitbegründer der Initiative „Aachen digitalisiert“ und Präsident des Bundesverbandes IT-Mittelstand (BITMI), über ein volles Haus freuen konnte.

Die Atmosphäre: locker, gespannt und konzentriert. Die Gäste und Referenten: Jeans, T-Shirts mit Firmenaufdrucken, Sportschuhe. Entspannt die Präsentationen der drei Referenten, die kenntnisreich, ohne Skript und mit Elan ihre Projekte und ihren jeweiligen Werdegang vorstellten – da schwang schon mehr als Gründerwille mit.

„Es ist unsere Aufgabe, digital zu missionieren“, sagt Grün zum Auftakt. „Es gibt viele Risiken, deshalb brauchen wir die beste Information.“ Denn der digtialen Währung Bitcoin wurde bereits einiges unterstellt – Einsatz im Darknet, beim Waffen- und Menschenhandel. Der „Hub“, ein Begriff aus der Elektronik, der ein Kopplungselement in einem Netzwerk beschreibt, ist dabei Basis des Vereins, der an diesem Abend die erste aber nicht einzige digitale Währung (Kryptowährung) Bitcoin und neue Formen der Unternehmensorganisation in den Vordergrund stellt. Bitcoin kann man im Netz gegen Euro bei einer Art Börse (www.bitcoin.de) erwerben und dabei hohe Gewinne, aber auch extreme Verluste machen – wie bei einer Aktie.

Das Einmaleins im Umgang mit dieser Währung erläutert Yan Schreier von Bitcoin Aachen, einer 2015 gegründeten studentischen Hochschulgruppe. „Blockchain ist die Technologie, die das Protokoll, also die Dokumentation der Transaktionen zwischen den Parteien, möglich macht“, erklärt er. Noch immer laufen 80 Prozent aller Geldgeschäfte über Banken. „Zwei Milliarden Menschen auf der Welt haben jedoch keinen Zugang zu Banken“, betont Schreier. So sei der Gedanke von „digital cash“ entstanden. Niemand kennt den anderen, jeder ist eine Zahl, ein Passwort, hat einen eigenen „private key“, der nicht verloren gehen darf – sonst sind auch alle Bitcoins weg.

„Die reale Welt, die konkreten Abläufe, werden auf Blockchain abgebildet“, erklärt Schreier weiter. Die Einsatzbereiche reichten vom Gesundheitswesen über Versicherungen und Industrie bis zu politischen Wahlen. Schreier: „In diesem System kann jeder überprüfen, ob seine Stimme korrekt gezählt und zugeordnet wurde.“

Unter dem Motto „Vom Studenten zum Blockchain-Entrepreneur“ stellt Max Kordek die Gründung seiner Plattform Lisk und den kometenhaften Aufstieg ihrer Kryptowährung vor. Das Team arbeitet im Berliner Sony Center. Mit einem Marktwert von mehr als 550 Millionen Dollar gilt Lisk als eine der erfolgreichsten Kryptowährungen auf dem Markt. Kordek, ehemals Student an der RWTH Aachen, hat sich an den zunächst völlig unbekannten Bereich herangetastet. „Ihr müsst was machen, ausprobieren, dranbleiben, allen möglichen Kram aus der Welt schaffen“, betont er. „Dann gelingt euch was. Alle Entwickler dieser Welt sollten Blockchain machen. Kommt nach Berlin, wir brauchen noch Leute.“

Schutz der digitalen Identität

Dem besorgten Bürger, der mitbekommt, wie hilflos er dem Datenmarkt ausgeliefert ist, setzt Christian Junger mit seiner Plattform Madana eine „Datenmarktrevolution“ entgegen, gleichfalls mit Einsatz von Kryptowährungen (hier ist es Pax) und Blockchain-Technologie. Madana soll als Ökosystem die Kontrolle der Privatsphäre und die Transparenz zwischen den einzelnen Teilnehmern der Plattform garantieren. „2015 verzeichnete man einen Diebstahl von 700 Millionen Datensätzen, 2016 waren es bereits 1,4 Milliarden“, erklärt Junger. Ziel seines Unternehmens: Schutz der digitalen Identität, wobei die Kunden dennoch Datenanalysen erwerben können und über „smart contracts“ alles transparent bleibt.

Dann ging es zum Talk auf die rote Couch. Was macht Leuten mit dem Willen zum Start-up das Leben schwer? „Die Rechtslage in Deutschland ist schwierig“, weiß Kordek aus eigener Erfahrung. „Deshalb wandern Unternehmen ab.“ Eine Reform des ICO (Initial Coin Offering), des vorgeschriebenen Prozesses der Kapitalaufnahme, sei dringend nötig, um angesichts der weltweiten Konkurrenz nicht Schlusslicht zu werden. Die Botschaft für Aachen: Die RWTH als Ort des Aufbruchs nutzen, Veranstaltungen bei Elektrotechnikern, Informatikern und BWL-Studenten organisieren sowie eine Stadtverwaltung, die offen für Neues ist und stärker mit der Hochschule kooperiert.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert