Aachen - Dieser Kühlschrank lässt nichts anbrennen

Dieser Kühlschrank lässt nichts anbrennen

Von: Thorsten Karbach
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Hat die Entwicklung vor Augen: Christian Fabry vom FIR. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Noch schaut Christian Fabry kurz vor Feierabend nicht über sein Smartphone in seinen Kühlschrank. Noch sieht er dort nicht aufgelistet, wie viele Möhren, Joghurtbecher und Gouda-Stücke dort vorrätig sind. Noch bekommt er – basierend auf diesen Vorräten – keine Rezeptvorschläge für das Abendessen.

Und noch kann er nicht fehlende Zutaten mit dem Smartphone ordern und auf dem Heimweg bereits für ihn gepackt im Supermarkt einsammeln. In dem Supermarkt, der ihm übrigens den Kühlschrank kostenlos zur Verfügung gestellt hat, den er dafür exklusiv wieder auffüllt. So brennt zumindest bei der Vorbereitung des Abendessens nichts an.

Noch sieht Fabrys Feierabend anders aus, aber der Bereichsleiter Dienstleistungsmanagement am FIR an der RWTH Aachen, dem Forschungsinstitut für Rationalisierung, sagt: „Technisch ist all das möglich.“ Das wird der Arbeitskreis „Smart Service Welt“, zu dem neben Siemens, Accenture, Acatech und anderen auch das FIR zählt, am Montag auf der Cebit vorstellen und der Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Cebit-Rundgang in einem Positionspapier in die Hand drücken. Die Botschaft: Deutschland darf auf dem Weg in die digitalisierte Welt nicht den Anschluss verlieren.

Was alles auch abseits des Kühlschranks möglich ist, wird Laien durchaus kalt erwischen. Hauswände könnten bei Neubauten mit QR-Codes versehen werden, über die der Bewohner mittels Tablet in die Wände schauen und sehen kann, wo Rohre und Leitungen verlaufen. Im März hatte sich „Smart Service“ konstituiert – und zwar als Zukunftsprojekt der Forschungsunion der Bundesregierung.

Der Auftrag: Die Auswirkungen, Chancen und Herausforderungen eines digitalisierten Dienstleistungssektors. Also voranzutreiben, was im Internethandel bereits Standard ist, wo Amazon an Hand der Bestellungen eines Kunden, personalisierte Kaufempfehlungen gibt. „Es geht um die Frage, wie es Deutschland schaffen kann, seine Vorreiterrolle in der Produktentwicklung auch auf den Dienstleistungssektor zu übertragen“, erklärt Fabry.

Branchen sind in Bewegung. Die Autohersteller holen sich Googles Android oder Apple ins Fahrzeug, weil das ein Kaufargument ist. Damit ließe sich auf der Heimfahrt zuhause die Heizung aufdrehen. Auf der Cebit präsentiert wird „Eumonis“, eine Software- und Systemplattform für die Energiewende, an der Wissenschaftler des FIR mit Industriepartnern seit Juli 2010 arbeiten. Hier werden Erzeuger, Netzbetreiber und Verbraucher zusammengebracht. Ein typisches Beispiel der digitalisierten Zukunft.

Kernthemen sind bei der Cebit natürlich auch die Ideen der Start-ups, das mobile Internet und die Industrie 4.0. Nach „Webciety“ und „Shareconomy“ hat sich die Messe wieder ein Kunstwort als Leitthema ausgesucht. Mit „Datability“ soll der verantwortungsvolle Umgang mit großen Datenmengen bezeichnet werden. „Big Data“ ist in aller Munde: Inzwischen soll es so viele Bytes wie Sterne am Himmel geben.

Von der intelligenten Analyse und Auswertung erhofft sich die Branche einen wachsenden Markt mit neuen Produkten und Services – wie das Kühlschrankbeispiel zeigt. Der Blick mit dem Smartphone in den Kühlschrank zeigt aber auch, welche Hürden noch genommen werden müssen: eine heißt Vertrauen, die andere Sicherheit. Wer hat letztlich die Datenkontrolle? „Fluch und Segen liegen hier nah beieinander“, erklärt Fabry. Denn der Inhalt des Kühlschranks könnte nicht nur den Hausherrn, sondern auch dessen Krankenkasse interessieren. Wenn die nur fettiges Fleisch und kalte Cola darin entdeckt, könnte sie auf die Idee kommen, den Kassenbeitrag anzuheben.

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