Die Region geht gestärkt in den Aufschwung

Von: Ulrich Kölsch
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Aachen. Optimistische Töne wurden bei der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) angeschlagen. Gestützt auf die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage ging IHK-Präsident Bert Wirtz davon aus, dass die Wirtschaft der Region sich aus der schwersten Rezession seit vielen Jahrzehnten gelöst hat.

Arbeitnehmern und Arbeitgebern sei es dabei gemeinsam gelungen, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern. „Überhaupt haben wir besonnen reagiert”, lobte Wirtz vor rund 450 Gästen im Aachener Rathaus. Ein Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent hält er für möglich. Jetzt komme es darauf an, die Weichen für den Aufschwung zu stellen. Dazu zählte er die Sanierung der öffentlichen Haushalte ebenso wie die Vereinfachung des Steuersystems.

Die Initiative des Bundesfinanzministers, die Abschaffung der Gewerbesteuer zu prüfen, sei ein Schritt in die richtige Richtung . Es gehe darum, den Kommunen endlich eine „weniger schwankungsanfällige Steuerbasis” zu verschaffen. Andererseits würden die Unternehmen von einer Steuer entlastet, die in Verlustzeiten zum Teil aus der Substanz gezahlt werden müsse. Bei der Verringerung der Kostenbelastung für die Firmen ist die Kammer mit gutem Beispiel vorangegangen: Sie hat den Umlagesatz für die Mitglieder noch einmal gesenkt.

Trotz der günstigen Zahlen in der Konjunkturumfrage ist sich Wirtz bewusst, dass es im Herbst für viele Unternehmen bei der Kreditversorgung noch einmal schwierig werden könnte. Er appellierte an die Vernunft der Banken: „Die Kreditversorgung ist ihr ureigenstes Geschäft, das Kerngeschäft, mit dem sie Geld verdienen.” Die Unternehmen in der Region seien wettbewerbsfähig und solide aufgestellt. Sie verdienten es, auch in schwierigen Zeiten unterstützt zu werden.

Handlungsbedarf sieht Wirtz bei der Verkehrsinfrastruktur: „Schon heute spüren wir die Grenzen.” Bis 2025 werde aber der Güterverkehr im Rheinland noch einmal um zwei Drittel zunehmen. 80 Bauprojekte für die Straßen und 30 für die Schiene listet das Verkehrsleitbild der Kammer auf. Als besonders vordringlich nannte Wirtz den Lückenschluss der Autobahn A1 in Richtung Rheinland-Pfalz, die leistungsfähige Schienenverbindung zwischen dem Antwerpener Hafen und dem Ruhrgebiet und ein drittes Gleist zwischen Aachen und Düren.

Im Namen der Kammer sprach sich Wirtz gegen die Einführung einer Umweltzone und Fahrverbote aus. „Sie würden Hürden für die belgischen und niederländischen Kunden errichten und dem Aachener Einzelhandel massiv schaden.” Experten schätzen den Umsatzrückgang bei Schaffung einer Umweltzone auf 85 Millionen Euro „Wer will das verantworten”, fragte Wirtz, „umso mehr, da inzwischen klar ist, dass Fahrverbote kaum zur Verbesserung der Luftqualität führen. Dazu sind der Einfluss des Wetters und der Topografie einfach zu groß.”

Ein ehrgeiziges Ziel verfolgt die Kammer bei den Existenzgründungen: Die Zahl der jungen Unternehmen soll verdoppelt werden. Dafür sei es wichtig, neue Zielgruppen zu erschließen, „etwa Menschen mit Migrationshintergrund”. Zugleich müsse es zu einer gleichmäßigeren Verteilung der jungen Firmen zwischen der Städteregion Aachen und den Kreisen Heinsberg und Düren kommen. Bundes- und europaweit erwartet Wirtz künftig einen noch schärferen Wettbewerb der Regionen. Deshalb müsse auch die Region Aachen sich neu formieren. „Dazu brauchen wir schlagkräftige Strukturen.” Eine „ganz tragende Rolle” werde dabei künftig die Entwicklungsagentur Agit spielen.
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