Die Krise bietet für junge Unternehmen auch Chancen

Von: Stephan Johnen
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Aufwärts soll es gehen: Horst Gier und Harald Heidemann, Vorstände der S-UBG (von links), sowie die Gründer Klaus Düring (MarVIs Technologies), Hans Peintinger (QuinLogic), Carsten Müller (m2p-labs), Bernd Schönebeck (Cognesys) und Kai Markus (Vimecon). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Alle reden von der Krise. Aber kaum jemand von den Chancen. Gerade für Firmengründer biete die derzeitige Lage auch Vorteile. Klingt abwegig? Überhaupt nicht, finden sechs Geschäftsführer junger Unternehmen aus der Region.

Ihre Firmen haben Starthilfe vom Seed-Fonds erhalten, der im vergangenen Jahr von der NRW Bank, der Sparkasse Aachen und einem Privatinvestor aufgelegt wurde, um Gründern unter die Arme zu greifen. Sicher, das war vor der Krise. „Doch die Zeit für einen Start ist weiterhin gut”, findet Kai U. Markus, Geschäftsführer von Vimecon aus Herzogenrath.

Und warum gerade jetzt das Risiko eingehen? Genau deswegen: Nur wenige hätten in einer Rezession den Mut, ein Unternehmen zu gründen. Die Chance, mit seiner Firma auf dem Markt sichtbar zu werden, sei also größer als zu Boomzeiten. Wer zudem in der Krise forsche und entwickle, könne 2010 mit seinem Produkt auf den Markt gehen. „Dann, wenn es gebraucht wird”, sagt Markus. Dass die Mieten für Büros und Labors gerade im Keller sind, sei kein Nachteil. Ein Problem gebe es jedoch: die Startfinanzierung.

Privates Kapital sei schwerer zu bekommen, die Beteiligungsbranche verhalte sich sehr vorsichtig, skizziert Carsten Müller von m2p-labs das Umfeld. Und die Beteiligungsbranche sei oft auch mit Vorsicht zu genießen. Das Prinzip laute oftmals: Fünf riskante Ideen, die ein Marktwert werden könnten, werden unterstützt.

Wenn eine der Firmen durchstarte, würden im Zweifelsfall die anderen abgeschrieben. Staatliche Förderprogramme seien hingegen meist zu kompliziert und realitätsfremd. „Es gibt praktisch keine Frühförderung”, bilanziert Bernd Schönebeck, Geschäftsführer von Cognesys. „Hinzu kommt die steuerliche Unsicherheit, besonders für internationale Investoren”, kritisiert Klaus Düring von MarVIs Technologies.

Bevor sich ein Investor mit dem deutschen System auseinandersetze, ziehe er lieber weiter. Düring: „Gründen und Innovation sind oft benutzte Slogans. Mehr nicht.”

Gerade in Zeiten der Krise brauche man daher Partner, die Durststrecken mit den jungen Unternehmen durchstehen. Ein solcher Partner sei der „Seed-Fonds”. „Die bislang sechs Firmen, in die der Fonds investiert, entwickeln sich ausnahmslos planmäßig”, urteilt Harald Heidemann aus Sicht des Seed-Fonds, der von der S-UBG gemanagt wird. Die S-UBG ist die Unternehmensbeteiligungsgesellschaft der Sparkassen für die Regionen Aachen, Krefeld und Mönchengladbach.

„Um Technologien entwickeln zu können, nutzen wir ein Netzwerk von Partnern”, sagt sein Kollege Horst Gier. Das Netzwerk biete Unterstützung für Gründer, aber auch weiterführende Hilfen für junge Unternehmen. Die Bedingungen für eine Förderung durch den Fonds: Das Unternehmen ist in der Gründung oder jünger als 18 Monate, hat die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft mit Sitz in der Wirtschaftsregion Aachen und verfügt über ein innovatives Produkt oder eine Technologie mit Marktchancen.

Und die Krise? Die ist spürbar, aus Sicht der Gründer aber keine Katastrophe. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, das Top-Management zu erreichen und von ihnen wahrgenommen zu werden”, sagt Hans Peintinger, Geschäftsführer von QuinLogic. Die Firma entwickelt Software zur Qualitätssicherung in der Papier- und Stahlindustrie. Eine Branche, die die Krise deutlich zu spüren bekommt.

„Wer jetzt nicht investiert, dem fehlt nachher etwas”, ist Peintinger überzeugt, dass es weiter Aufträge geben wird. Dies sei die Chance der kleinen Unternehmen: Sie besetzen Nischen. Immer mehr Forschung werde von Konzernen an Fremdfirmen vergeben, obwohl die Ergebnisse dieser Arbeit von den Großen benötigt werden. „Die große Chance ist es, später einmal integriert zu werden”, sagt Markus.

„Hilfe zu rufen, wenn meine Firma aufgekauft wird, ist typisch deutsches Denken”, findet er. Er nennt das lieber Wertschöpfung, gut für Schutz und Vermarktung des Produkts. „Den Amerikanern ist es egal, wenn eine Firma übernommen wird. Hauptsache, der Preis stimmt”, sagt Markus.

Und was tut der Jungunternehmer, dessen Firma „integriert” wurde? Er gründet eine neue.

Einer von sechs regionalen Gründerfonds

Der Seed-Fonds für die Region Aachen ist einer von sechs regionalen Gründerfonds, die die NRW Bank mit regionalen Beteiligungspartnern, hier Sparkasse Aachen und Privatleute, umsetzt.

Das Volumen beträgt 8,5 Millionen Euro. Unterstützt werden techologieorientierte Unternehmen, die in der Gründungsphase Eigenkapital erhalten.

Pro Unternehmen und Finanzierungsrunde kann der Fonds maximal 500.000 Euro, mit Co-Investoren bis zu einer Millionen Euro investieren. Geld aus dem Fonds erhielten bislang die Aachener Firmen antikörper-online, Cognesys, m2p-labs, MaRVis Technologies, QuinLogic und Vimecon aus Herzogenrath. Bis zu 20 Firmen sollen Hilfe erhalten.
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