Die Jahre 2009 und 2010: Eine Katastrophe für die Autobauer

Von: Heiko Haupt, dpa
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Schrotthändler
Abwracken war gestern - weil viele Autofahrer wegen der „Umweltprämie” ihren Autokauf vorgezogen haben, rechnen Experten für 2010 mit erheblichen Verkaufsrückgängen. Foto: dpa

Hamburg. Das Jahr 2009 war eine Katastrophe für die Autobauer - auch wenn es keiner gemerkt hat. Denn dass reichlich Autos verkauft wurden, hatte vor allem mit der Abwrackprämie zu tun.

Die Auswirkungen der Katastrophe werden Hersteller und Händler daher erst im kommenden Jahr wirklich spüren, wenn König Kunde zur Rarität in den Autohäusern wird. Für die Autofahrer selbst war und ist die Sache nicht so katastrophal: Viele sind endlich mal wieder mit einem neuen Wagen unterwegs, und die Benzinpreise sind auch gesunken. Trotzdem wird die Zukunft noch die eine oder andere Überraschung bringen - für die Autobauer ebenso wie für die Fahrer.

„Die Autoindustrie geht mit leer gefischtem See in das neue Jahr”, fasst Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen die Aussichten zusammen. Denn im Grunde haben die zwölf erfolgreichen Monate 2009 bereits 2010 kaputt gemacht: „2009 war eines der Jahre mit den meisten Neuwagenverkäufen überhaupt.” Gerechnet wird mit rund 3,8 Millionen Neuzulassungen bis zum Jahresende.

Ein Großteil davon kam aber durch die Abwrackprämie zustande: „Am Ende kassierten knapp zwei Millionen Neuwagenkäufer zusammen rund fünf Milliarden Euro staatliche Fördergelder, indem sie zuvor ihr altes Fahrzeug der Schrottpresse überantworteten”, sagt Rainer Hillgärtner vom Autoclub ACE in Stuttgart. Das habe dazu geführt, dass sich nirgendwo auf der Welt so viele neue und relativ verbrauchsarme Autos bewegen wie in Deutschland. Auch die Kfz-Branche wurde laut Hillgärtner über eine Durststrecke gerettet. Eine „größere Beschäftigungskrise” konnte vermieden werden.

Das dicke Ende kommt nun 2010. Ulrich Köster vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) in Bonn spricht noch optimistisch von „einer Rückkehr zur Normalität”. Doch diese Normalität in Sachen Neuwagenverkäufe ist nicht gerade glänzend: Gehofft wird auf rund 3,0 Millionen Neuzulassungen in 2010. Doch: „Wir gehen von 2,8 Millionen aus”, so Köster. Das ist dann 1 Million weniger als 2010.

Für die Händler bedeutet das nicht einfach nur schlechtere Geschäfte, sondern teilweise echte Existenznot. Laut Ferdinand Dudenhöffer gab es Anfang 2009 noch rund 16.000 Händlerbetriebe in Deutschland - Ende 2010 werden es seiner Schätzung nach 3000 bis 4000 weniger sein. Die Werkstätten und Händler sehen sich daher schon nach zusätzlichen Einnahmemöglichkeiten um, und werden wohl auch ein wenig wildern - etwa bei den Spezialbetrieben für Autoglas-Reparaturen. Das nämlich ist ein Bereich, den man laut Köster wieder in die Meisterbetriebe des Kfz-Gewerbes zurückholen will.

Aber es sind nicht nur die Verkaufszahlen, die Jahre wie 2009 und 2010 prägen. So war 2009 laut Rainer Hillgärner noch aus anderen Gründen ein gutes Jahr für Autofahrer. Als Stichworte nennt er die Wiedereinsetzung der Pendlerpauschale und das Nachgeben der Spritpreise. Außerdem wird die Zahl der Verkehrstoten weiter sinken. Der ACE geht von weniger als 4500 aus. Und ganz nebenbei wurden auch noch ein paar alte Verkehrszeichen aussortiert.

2010 zeichnet sich laut Rainer Hillgärtner dadurch aus, dass etwas noch nicht kommt: Die gefürchtete Pkw-Maut ist 2010 noch nicht zu erwarten - wobei die Betonung auf „noch” liegt. Der Autoclub geht davon aus, dass die Maut politisch vorbereitet wird. Ein allgemeines Tempolimit wird es dagegen wohl auf absehbare Zeit nicht geben.

Ein richtig gutes Jahr dürfte 2010 vor allem für jene Autofahrer werden, die zu den wenigen zählen, die sich tatsächlich einen neuen Wagen kaufen wollen. Denn auch ohne staatliche Hilfen ist nicht mit steigenden Preisen zu rechnen. Vielmehr gehen die Experten von einer neuen Rabattschlacht aus: Händler werden also über deutliche Nachlässe versuchen, Kunden zu ködern.

In den Verkaufsräumen wird dann zwar Neues, aber nicht wirklich viel Neuartiges stehen: Die immer wieder angekündigten Elektro-Modelle werden auch 2010 noch Ausnahmen bleiben. Ferdinand Dudenhöffer rechnet deutschlandweit mit nicht mehr als 1000 solcher Fahrzeuge, die vornehmlich in Praxisversuchen eingesetzt werden. Etwas mehr zu sehen sein wird dagegen von den Hybridmodellen, die nun doch bei mehreren Herstellern zu finden sind: Neben den Vorreitern Toyota und Honda unter anderem bei Mercedes und BMW.

Die Highlights im Hinblick auf „normale” Autos präsentieren sich dagegen in übersichtlicher Zahl. Die wichtigste Neuheit ist mit dem Opel Astra bereits Ende 2009 erschienen, wird aber erst 2010 in größeren Zahlen verkauft. Ähnliches gilt für den Audi A5 Sportback und den BMW X1. Mitte 2010 kommt dann ein neuer Opel Meriva, und auch der nächste 5er BMW wird erwartet. Nicht zu erwarten ist allerdings, dass diese Autos den Ausflug ins tiefste Jammertal abwenden können.
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