Aachen - Die Chance: der Karrieresprung in die Region

Die Chance: der Karrieresprung in die Region

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
6466887.jpg
Internationale Impulse: DSA-Geschäftsführer Volker Gehring (rechts) zählt die Spanier Miguel Moreo (Mitte) und Alejandro Gonzalez dank „5x5“ zu seinen Mitarbeitern. Foto: Harald Krömer
6465675.jpg
Die Teilnahme an der „5x5“-Rekrutierung hat sich für beide Seiten gelohnt: Aixigo-Vorstand Erich Borsch (links) und sein portugiesischer Softwareentwickler João Diniz. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die lange Anreise hat sich gelohnt. Nicht aus Eschweiler oder Würselen, sondern aus Porto machte sich João Diniz auf den Weg zur Nacht der Unternehmen in Aachen. Rund 2000 Kilometer liegen zwischen den beiden Städten. Doch Diniz hatte ein Ziel, das jeden Meter rechtfertigte: Er war einer von 25 Absolventen aus fünf europäischen Ländern, die vom Regionalen Industrieclub Informatik Aachen (Regina) eingeladen wurden.

Sie konnten sich im Rahmen der „Nacht der Unternehmen“ bei IT-Firmen in der Region, die Fachkräfte suchen, vorstellen.

„Ich hatte zwar einen Job, aber suchte eine neue Erfahrung. Ich bin sehr glücklich, dass ich hier diese Chance bekommen habe“, sagt Diniz fast ein Jahr später. Sein Besuch samt Bewerbung im November hatte bleibenden Eindruck hinterlassen. Im Januar arbeitete er eine Woche zur Probe, seit März zählt er zu den 92 Mitarbeitern der Aachener Firma Aixigo, die Software für die Vermögensberatung und -betreuung für Banken konzipiert und umsetzt. Es geht um Beratungs- und Vertriebssoftware.

Nicht nur für João Diniz hat sich die Teilnahme an der Fachkräfterekrutierung, die Regina unter dem Titel „5x5“ gestartet hatte, ausgezahlt. Auch für Aixigo-Vorstand Erich Borsch und sein Unternehmen im Aachener Norden. „Wir haben zunehmend Probleme, neue Softwareentwickler zu finden“, erklärt er. Und wie Aixigo geht es vielen IT-Unternehmen – davon gibt es in der Region rund 1400 mit 32 100 Mitarbeitern. Sie spüren den Fachkräftemangel.

Wenn IT-Unternehmen neue Softwareentwickler suchen, finden sie an der RWTH zwar mehr Studierende der Informatik denn je – aktuell sind es 2493 –, sie bekommen aber längst nicht alle Stellen besetzt. Regina hat mit „5x5“ den Radius, in dem bislang gesucht wurde, um ein paar Tausend Kilometer vergrößert. „Für uns alleine wäre dies schwierig.

Dabei ist es eine sinnvolle Option, auch im Ausland nach Fachkräften, die uns hier fehlen, zu suchen. In der Softwareentwicklung wird sowieso Englisch gesprochen“, erklärt Borsch. Diniz hat fünf Semester lang Deutsch gelernt, besucht regelmäßig die Kurse in der Volkshochschule und versteht sich damit gleich doppelt so gut mit den Kollegen.

Die Bilanz des ersten „5x5“-Jahres ist gut. Deshalb wird in diesem Jahr wieder versucht, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. „Mehr als 70 Prozent der Bewerber aus Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und Bulgarien erhielten ein Stellenangebot von regionalen Unternehmen. Mehr als die Hälfte am Ende eine Anstellung“, berichtet der stellvertretende Regina-Vorstandsvorsitzende Rolf Geisen.

Es sind junge Menschen, die sich für den deutschen Markt interessieren, die sich beispielsweise an die Arbeitsagentur gewandt haben und an Regina vermittelt wurden. Die Nacht der Unternehmen, bei der es per Bus von Firma zu Firma geht, wird am 6. November stattfinden, die Bewerber aus den fünf Ländern werden vom 4. bis 8. November in Aachen sein.

Gleich drei neue Mitarbeiter konnte die DSA Daten- und Systemtechnik GmbH im letzten Jahr gewinnen. Ein junger Italiener wird in der italienischen Dependance – es gibt DSA-Töchter in China, USA, Mexiko, Südafrika, aufgebaut wird eine in Brasilien – eingesetzt. Die Spanier Miguel Moreo und Alejandro Gonzalez arbeiten im Stammhaus Pascalstraße im Aachener Süden.

Hier sind 180 der weltweit rund 300 Mitarbeiter des Unternehmens beschäftigt, das Kommunikationslösungen für die Fahrzeugelektronik für Automobilhersteller aus aller Welt anbietet – Prüfung, Diagnose, Programmierung. DSA ist kontinuierlich gewachsen, im Jahr 2000 waren es gerade einmal 100 Mitarbeiter. Doch die Suche nach neuen Kräften ist für Geschäftsführer Volker Gehring alles andere als leicht: „Aachen wird leider mehr als Ausbildungs- denn als Arbeitsplatzstandort angesehen“, sagt er.

Spanisch sprechende Mitarbeiter haben Miguel Moreo und Alejandro Gonzalez den Einstieg erleichtert. „Ich suchte die Herausforderung in einer internationalen Firma, wollte eine neue Karriere starten. Ich bin hier, weil ich hier sein will“, sagt der 31-jährige Moreo. „Das ist eine großartige Chance“, formuliert der 28-jährige Gonzalez. „Das Angebot von ‚5x5‘ war wirklich interessant.“

Die Aktion hat im In- und Ausland für Aufsehen gesorgt. Denn Fachkräftemangel ist überall im Land, aber auch in anderen Staaten, ein Problem. Und in wiederum anderen Ländern gibt es Fachkräfte, die keinen adäquaten Job finden. Moreo und Gonzalez hatten zwar einen gute Stelle.

Sie suchten aber eine bessere Perspektive. „Die Situation in Spanien ist nun einmal nicht so gut im Moment. Es war eine leichte Entscheidung, die Stelle bei der DSA anzunehmen“, erzählt Gonzalez. Er hatte zwei Angebote nach seiner „5x5“-Woche – und entschied sich für das Unternehmen, das eine große Rolle in der Automobilwelt spielt. „Motorsport ist immer schon ein Hobby. Ich mag Autos und Technik“, erzählt er.

Und Moreo sagt: „Ich bin froh, dass ich hier bin. Wenn du es wirklich willst, dann schaffst du es hier. Es ist ein richtiger Karrieresprung.“ Und den wollen nun wieder andere machen – in diesem Jahr gingen mehr als 400 Bewerbungen für die 25 „5x5“-Plätze ein. João Diniz sagt: „Ich würde mich wieder beteiligen und kann dies nur empfehlen.“

Die Welt rückt zusammen

Klar, an seiner Heimat vermisst Diniz die See und Sonne, Freunde und das Essen. „Aber wenn du nach Deutschland ziehst, dann weißt du, was du von der Sonne und dem Essen zu erwarten hast“, sagen Moreo und Gonzalez, die aus Granada und Alicante kommen, lachend.

Die Welt rückt auf dem Arbeitsmarkt eben immer enger zusammen. Erich Borschs Aixigo sucht weiter neue Mitarbeiter – zumal das Unternehmen ins Ausland expandieren will. Volker Gehrings DSA hat durch die Tochtergesellschaften im Ausland wohl einen leichteren Zugriff auf Softwareentwickler und Ingenieure aus anderen Ländern. „Wir sind eine internationale Firma mit internationalen Kunden“, sagt er. Und auch am Standort Aachen wird das Personal immer internationaler.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert