Die Bahn steigt beim Thalys aus

Von: Udo Kals
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Mit 260 Sachen rauscht der Thalys über Belgiens Hochgeschwindigkeitsstrecke. Foto: Infrabel

Aachen. Während der ICE-Express zwischen Frankfurt und London bis mindestens 2014 noch auf dem Wartegleis steht, wird das Angebot für Reisende, die vom Aachener Hauptbahnhof aus das Hochgeschwindigkeitsnetz in Richtung Köln nutzen wollen, ausgedünnt.

Ab dem 28. März sind nach Angaben der Grünen-Bundestagsabgeordneten Bettina Herlitzius Fahrten im Thalys mit Einzelfahrscheinen der Deutschen Bahn (DB) nicht mehr möglich. „Das Angebot des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in der Region wird damit deutlich unattraktiver und komplizierter”, meint die Politikerin aus Herzogenrath.

Ganz so dramatisch bewertet dies Monika Frohn, Gruppenleiterin Handel und Verkehr bei der IHK Aachen, nicht. „Sicherlich ist bedauerlich, dass die gegenseitige Akzeptanz der ICE- und Thalys- Tickets nun nicht mehr gilt”, sagt sie: „Doch wir gehen davon aus, dass sich die Einschränkungen im Rahmen halten werden.” Auf rund 100 bis 200 Bahnkunden täglich schätzt der Verkehrsexperte Thomas Clemens vom Büro Stellwerk die Zahl der betroffenen Kunden.

Hintergrund dieser Entwicklung ist das Ende der Kooperation zwischen der DB sowie der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF und deren belgischen Pendants SNCB bei der Thalys-Verbindung Paris-Brüssel-Aachen-Köln. Dabei kündigt die DB an, sich auf die eigenen Verkehre zwischen Frankfurt und Brüssel konzentrieren zu wollen. Damit gibt es täglich nur noch vier ICE-Verbindungen mit acht Zügen.

Die fünf Thalys-Verbindungen mit zehn Zügen dürfen nur noch von Inhabern der Bahncard 100 oder von Streckenzeitkarten der Produktklasse A (unter anderem ICE) genutzt werden. „Allerdings sind Tickets für die erste Klasse nur im Pendlerwagen der zweiten Klasse gültig”, sagt Herlitzius. Alle Mitarbeiterfahrkarten, etwa eine persönliche Netzcard oder das Jobticket, werden im Thalys grundsätzlich nicht mehr anerkannt, heißt es bei der Bahn.

Mittelfristig geht Verkehrsexperte Clemens indes von einer verbesserten Situation der Bahnreisenden in der Aachener Region aust. „Es wird eine deutliche Zunahme der Konkurrenz geben.” So wolle nicht nur die Bahn ihr Hochgeschwindigkeitsnetz ausbauen. Auch Thalys sei bereits Richtung Ruhrgebiet unterwegs und wolle gerne künftig weitere Ziele ansteuern. Ähnliche Pläne verfolge der Eurostar-Betreiber, der bereits Siemens-Züge bestellt habe. „Wie viel Konkurrenz es künftig tatsächlich geben wird, von der die Reisenden in der Region profitieren könnten, hängt von der Kapazität auf den Gleisen ab”, sagt Clemens: „Und da spielt das bislang fehlende dritte Gleis zwischen Aachen und Köln eine wichtige Rolle.”
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