Aachen - Die Agit blickt auf ein „sehr gutes Ergebnis“

Die Agit blickt auf ein „sehr gutes Ergebnis“

Von: tka
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Zieht erfreuliche Bilanz: Agit-Geschäftsführer Helmut Greif. Foto: Schmitter

Aachen. Hatim Hemeda hat mit seiner Firma eine Alternative geschaffen – zum ethisch bedenklichen fötalen Kälberserum, für das Kälber geopfert werden, indem Kühen im Schlachthof der Fötus entnommen wird.

Das Serum wird als Nährboden zur Kultivierung von Stammzellen genutzt, und Stammzellen sind zweifellos ein wichtiges medizinisches Thema. Doch das Leid der Tiere lässt sich nicht leugnen, und Hemeda und die PL Bioscience wollen es nicht mehr länger in Kauf nehmen – darauf beruht ihr Geschäftsmodell.

Sie haben besagte Alternative entwickelt, die auf menschlichem Blut, dem Abfall von Blutspendezentren, basiert. Im Januar 2015 wurde das Unternehmen von Hemeda, der an der RWTH Aachen promoviert hat, gegründet. Es ist eines dieser typischen erfolgreichen Beispiele für Unternehmensgründungen in der Region Aachen, die in der Bilanz der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer Agit aufgeführt werden. Eine von elf aus dem Bereich der Medizintechnik/Lebenswissenschaften und eine von 45 insgesamt im vergangenen Jahr. Das sind zwar zwei weniger als im Rekordjahr 2014, aber deutlich mehr als 2013 (27). Deswegen sagt der Agit-Aufsichtsratsvorsitzende Günter Rosenke, Landrat des Kreises Euskirchen: „Wir haben ein sehr gutes Ergebnis erzielt.“

Die 45 neuen technologieorientierten Unternehmen verteilen sich ansonsten auf folgende Branchen: 15 kommen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie, 14 aus der Produktionstechnologie, drei aus dem Sektor der technologischen Dienstleistungen und zwei aus der Automobiltechnik. Sie haben eines gemein: Die Gründungen haben ihren Ursprung an der RWTH Aachen. Sie ist es am Ende, die dafür sorgt, dass die Agit im landesweiten Vergleich der Regionen überdurchschnittlich viele neue Firmen melden kann. „Die Region Aachen ist bundesweit eine der fortschrittlichsten“, sagt Agit-Geschäftsführer Helmut Greif.

Zusammen haben die 45 Firmen 134 Arbeitsplätze geschaffen, investiert wurden 33 Millionen Euro. Einen Platz fanden die neuen Unternehmen in der Regel in den Technologiezentren der Region. Das am Aachener Europaplatz ist laut Greif zu 100 Prozent ausgelastet, sieben Auszügen – die meisten bleiben am Ende in der Region, vor allem in Aachen und der Städteregion – stehen 2015 sieben Neuzugängen gegenüber. „Die Nachfrage war aber noch größer“, sagt Greif.

Wie 2014 auch konnten fünf Unternehmen für eine Ansiedlung gewonnen werden. Gestiegen ist die Zahl der Beratungsgespräche seitens der Agit: Es gab 88 Gründungsberatungen (2014: 84) und 219 Innovationsberatungen (155).

Hatim Hemeda sagt, er habe von der Beratung der Agit sehr profitiert. PL Bioscience – mit Sitz am Europaplatz – konnte sich auf die Weiterentwicklung des eigenen Produkts (das Plättchenlysat-Gel) konzentrieren, das zum Patent angemeldet wurde. Zwei weitere Produkte sollen 2016 folgen. Der Markt, in dem sich bislang vier US-amerikanische und ein belgischer Anbieter bewegen, ist klar umrissen: Eine Million Liter Kälberserum werden jährlich weltweit verkauft – für bis zu 1300 Euro pro Liter. PL Bioscience will im laufenden Jahr 300 Liter des Alternativprodukts veräußern – bei einem Literpreis von 1750 Euro.

Dafür könne die Aachener Entwicklung geringer dosiert werden. Hemeda ist optimistisch, dass das Geschäftsmodell aufgeht. „Es gibt eine steigende Nachfrage. Da wollen wir mitwachsen“, sagt er. Unterstützung der Agit gibt es weiterhin – auch für all die anderen alten und neuen Gründer. „Wer stehen bleibt, der steht im Weg“, sagt Günter Rosenke. Die Agit solle weiterhin für Fortschritt stehen.

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