Die 40 Besten für das Werkzeug Licht

Von: Nadine Preller
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Glanzvolle Einblicke: Im Lumib
Glanzvolle Einblicke: Im Lumiblade Creative Lab bei Philips paart sich Expertenwissen mit Künstlertum. Die Studenten staunen nicht schlecht über die interaktive „Mimosa” von Designer Jason Bruges. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vom reinen Wortsinn her müsste die Photonik eine ausgezeichnete Strahlkraft auf Deutschlands Ingenieure und Naturwissenschaftler in spe haben. Aber die Lehre von den Lichtteilchen macht optisch nicht so viel her wie ihre Kollegen.

„Und genau das ist ihr Problem”, erklärt Axel Bauer vom Aachener Fraunhofer-Institut für Lasertechnik (ILT). „Bereiche wie die Luft- und Raumfahrttechnik oder die Automobilindustrie haben eine starke Symbolkraft. Das kommt an. Optische Technologien aber sind nicht so einfach zu präsentieren.”

Die Folge: Gerade einmal 600 Photonik-Studenten zählt das Statistische Bundesamt für das Wintersemester 2008/09 in ganz Deutschland. Zwei Jahre später sind es gerade einmal 150 mehr. Dabei findet die Wissenschaft in zahlreichen Technologien Anwendung - vom Klimaschutz (Messen des CO2-Gehalts in der Luft) über die Kommunikationstechnik (Glasfaserkabel) bis zur Medizin (Laser als Werkzeug bei OPs). Physiker Axel Bauer: „Die Photonik ist eine Branche mit sehr hohen Wachstumszahlen. Es fehlen aber die geeigneten ausgebildeten Ingenieure.”

Mit der Photonik-Akademie versucht man, diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken. Die Akademie, initiiert und finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, soll junge Studenten - Ingenieure, Techniker, Physiker - für die Photonik begeistern. Beauftragt vom Ministerium, die Akademie auszuschreiben, hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) aus 140 Bewerbungen 40 Studenten ausgewählt, die jetzt in Aachen an der deutschlandweit ersten Projektwoche zum Thema „Laser und Lasermaterialbearbeitung” teilnehmen. Mit dem ILT als Europas größtes Laserzentrum ein optimaler Ausgangspunkt für die Exkursionen, Betriebsbesichtigungen und Workshops, die das Fraunhofer Institut für die Teilnehmer organisiert hat.

Tido Siebelts (22) und Marie Livrozet (23) sind zwei von ihnen. Heute besuchen der Lasertechnik-Student aus Emden und die Physik-Studentin aus Aachen mit ihren Kollegen das Lumiblade Creative Lab auf dem Philips-Gelände. Den tiefschwarzen Raum erhellen zahlreiche kleine Lichtquellen, die turnusmäßig aufflackern, hell erstrahlen, um kurze Zeit später wieder zu verdunkeln. Es braucht ein wenig, bis die Augen der Teilnehmer sich an dieses Lichtspiel gewöhnt haben, an die Hunderten organische Leuchtdioden (Oleds), die Philips Lumiblades getauft hat. Sie schauen aus wie kleine Diarahmen, verteilen ihr Licht gleichmäßig auf millimeterdünnen Quadraten. Das Unternehmen begann 1991 im Rahmen der Entwicklung von Oled-Bildschirmen mit der Erforschung von Oleds als reine Lichtquelle. Seit 2004 befasst sich Philips schwerpunktmäßig mit Oleds als Beleuchtungsanwendungen.

Strahlkraft hat dieses Kreativlabor, dass als Werkstatt für Experten und Designer konzipiert wurde, augenscheinlich auf die 40 Teilnehmer. Gebannt stehen die Studenten Siebelts und Livrozet vor „Mimosa”, einem Designerstück des Künstlers Jason Bruges. Unter einer großen Glasplatte sind die Oleds wie Blumen miteinander verknüpft. Jedes Mal, wenn die Physikstudentin Marie Livrozet langsam mit ihrer Hand über den Glastisch fährt, zucken die leuchtenden Blüten zusammen, um sich kurze Zeit später wieder zaghaft zu öffnen. Ein interaktives Kunstwerk.

„Die Idee ist einfach faszinierend”, erklärt die 23-Jährige gebannt. „Dennoch könnte ich mir nicht vorstellen, in der kreativen Schiene zu landen. Ich sehe mich eher als Problemlöserin.” Da ist der anschließende Besuch in den Produktionshallen bei Philips schon eher nach ihrem Geschmack. Hier werden die millimeterdünnen Lumiblades hergestellt. Alles ist natürlich streng geheim, daher wird den Besuchern auch nur zum Teil verraten, was hinter den wuchtigen Maschinenkörpern passiert. Ein wenig schade findet das die Studentin. Dennoch ist sie am Ende der Woche mehr als zufrieden.

„Die Akademie gibt auf jeden Fall Denkanstöße, wo es einmal hingehen kann.” Und auch Siebelts blickt optimistisch in die Zukunft: „Die Besichtigung der Unternehmen war mir eine gute Orientierungshilfe. Ich denke, dass ich mich auf die Materialbearbeitung spezialisieren werde. Schweißen, gravieren, schneiden - das Arbeiten mit Lasern ist sehr vielfältig. Das hat Potenzial.”

Freuen dürfte dieses Statement nicht nur Axel Bauer vom ILT, der sich zu Beginn der Akademiewoche wünschte, „dass sich mindestens die Hälfte der Studenten am Ende für den Schwerpunkt Optische Technologien entscheiden”. Die nächste Photonik-Akademie findet im Jahr 2013 in Jena statt. Das Thema: „Integrierte Optik und Green Photonics”.
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