Der Job passt sich dem Lebensstil an, nicht umgekehrt

Von: André Schaefer
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Das Konzept in der Tasche, den Scheck in der Hand: Die drei RWTH-Studenten (v.l.) Jan Schneider, Arnold Weber und Bernd Löffler freuen sich über den ersten Platz im Kreativwettbewerb. Projektleiter Sebastian Stiehm gratuliert. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Bei der Frage, wie sich Bernd Löffler seine persönliche Arbeitswelt im Jahr 2035 vorstellt, muss er erst einmal überlegen. Mit einer klaren Antwort tut er sich schwer. Nun muss man wissen, dass Löffler selbst ja auch noch gar nicht arbeitet, der junge Mann ist erst 24 Jahre alt, studiert Maschinenbau an der RWTH.

Was Löffler aber weiß, ist das hier: Die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird sich im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung grundlegend verändern. Wie genau und was sich für Unternehmen daraus für mögliche Zukunftsmodelle entwickeln, hat Löffler nun gemeinsam mit den beiden – ebenfalls Maschinenbau-Studenten – Arnold Weber und Jan Schneider erarbeitet.

Mehr noch: Die drei RWTH-Studenten haben mit ihrem Konzept an einem Kreativwettbewerb teilgenommen. Und den haben sie mit einem klaren Ergebnis für sich entschieden.

Genau genommen ist es ein Kreativwettbewerb der Daimler AG und des Kybernetik-Cluster Aachen, dem interdisziplinären Forschungsverbund der RWTH. Die Kooperation zwischen dem Cluster und dem Automobilkonzern besteht schon ein paar Jahre.

Im Rahmen einer Digitalisierungsstudie der Daimler AG hatten der Konzern und der Kybernetik-Cluster zu eben jenem Kreativwettbewerb aufgerufen. Das Thema: Wie verändert sich die Arbeitswelt der deutschen Automobilindustrie durch die Digitalisierung bis 2035? Eine interessante Frage. Löffler, Weber und Schneider haben darauf gleich mehrere Antworten.

Ein Schreckensszenario?

Die erste dieser Antworten zeichnet zunächst ein düsteres Zukunftsbild – jedenfalls aus Sicht eines Arbeitnehmers, der in der Produktion der Automobilindustrie angestellt ist. „Die fortschreitende Digitalisierung vereinfacht die Arbeit. Aber sie sorgt auch für einen höheren Automatisierungsgrad“, sagt Schneider.

„Dadurch wird die Arbeit monotoner, es gibt kaum noch Gestaltungsfreiheit. Und das passt einfach nicht zum zunehmend individualisierten Lebensstil, den der Mensch in Zukunft durch Dinge wie Vernetzung, Mobilität und Schnelllebigkeit haben wird.

Die Industrie 4.0: ein Schreckensszenario also? „Überhaupt nicht“, sagt Weber. „Man muss die Digitalisierung als Chance begreifen.“ Und genau diese Chance sehen die drei RWTH-Studenten in einer Art digitalen Plattform, die sie „My Daimler“ nennen. Ihre Idee: Angestellte können sich zu jeder Zeit auf einer Plattform nach tagesaktuellen Aufgaben in ihrem Betrieb informieren, die einzelnen Bereiche, in denen Arbeit anfällt, auswählen und frei entscheiden, wann sie diese Arbeit in welcher Dauer verrichten.

„Wer samstags zu Hause auf der Couch sitzt, plötzlich nichts zu tun hat und dafür arbeiten möchte, kann dann mit ein paar Klicks die Aufgabe auswählen, die es gerade zu bewältigen gilt“, erklärt Löffler. „Der technische Fortschritt ermöglicht es, schneller in andere Aufgabenbereiche eingearbeitet zu werden. Und mit diesem Modell können Angestellte dann die Arbeitswelt an ihren individuellen Lebensstil anpassen.“

Die Plattform, die die drei jungen Männer der RWTH da also entwickelt haben, könnte man sozusagen als internen Stellenmarkt bezeichnen: Jeder Beschäftigte erstellt sein eigenes Profil, sucht sich Aufgaben, die seiner Qualifikation entsprechen und wird auf Basis eines Nachfrage-Angebot-Prinzips entlohnt. „Wer sich weiterbildet, schärft sein Profil entsprechend und kann dann höhere Aufgaben annehmen“, sagt Löffler.

1500 Euro als Belohnung

Zwischen sechs Konzepten von Studenten verschiedener Studienrichtungen musste sich die Jury des Wettbewerbs am Ende entscheiden. „Sie hat sich für das Modell entschieden, dass absolut realitätsnah ist“, sagt Sebastian Stiehm vom Kybernetik-Cluster, der die Siegergruppe in den vergangenen Wochen als Projektleiter begleitet hatte. Über insgesamt 1500 Euro durften sich die Maschinenbauer nun freuen. Ihre Freude dürfte sich vervielfachen, wenn die Daimler AG ihre Idee eines Tages tatsächlich in der Praxis umsetzt.

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