Der goldene Löffel steckt in Schokolade

Von: Christina Merkelbach
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Süße Erfolgsgeschichte: Chocolate-Company-Gründerin Mirjam Schroeder. Foto: Harald Krömer
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Handarbeit: Ein Mitarbeiter in der Kerkrader Fabrik der Chocolate Company. Foto: Harald Krömer

Aachen/Kerkrade. Schokolade macht glücklich. Im Fall von Mirjam Schroeder und Toussaint Claessens macht sie auch erfolgreich. Vor fast zehn Jahren eröffnete das niederländische Ehepaar in Aachen sein erstes Geschäft mit dem Namen „Chocolate Company“. Was mit belgischen Pralinen, zwei Stehtischen und selbstgekochtem Kakao begann, hat sich zu einer international bekannten Marke entwickelt.

Das verdankt die Chocolate Company ihrer Erfindung, dem „Hotchocspoon“. Übersetzen lässt sich das mit „Heiße-Schokolade-Löffel“: ein kleiner Block Schokolade, in dem ein Holzlöffel steckt. In heiße Milch gerührt, entsteht Kakao. Längst wird die Idee weltweit kopiert.

Mirjam Schroeder sitzt an einem großen alten Holztisch in ihrem Büro in der Kerkrader Firmenzentrale und trinkt grünen Tee. Natürlich lasse sie sich auch ab und zu einen Kakao oder ein Stück Schokolade schmecken, aber man könne ja nicht nur das zu sich nehmen, sagt sie in fließendem Deutsch und lacht. Pflicht ist die Kostprobe allerdings, wenn ihr Mann eine neue Geschmackssorte ausgetüftelt hat. Über 150 sind es inzwischen, darunter die Klassiker mit Kakaoanteil zwischen 60 und 85 Prozent. Aber auch „Hot Chili Orange“, Lakritz, „Salty Caramel“ und ein Löffel nur für Kinder.

Toussaint Claessens, von Hause aus Koch, ist bei der Chocolate Company für Produktion und Entwicklung zuständig. Er ersinnt nicht nur neue Geschmacksrichtungen für die beliebten Löffel, auch andere Schokowaren, Kuchen und Gebäck entstehen in seiner Werkstatt. Seine Frau Mirjam kümmert sich um das Geschäftliche. Bevor sie sich selbstständig machten, arbeitete sie zehn Jahre als kaufmännische Leiterin beim Fußballverein Roda JC Kerkrade.

Als beide 2004 ihr Aachener Geschäft eröffneten, lagen harte Zeiten hinter ihnen. Ihr Restaurant in Kerkrade musste Insolvenz anmelden. Mit dem Aachener Laden für belgische Pralinen aus der Herstellung eines Freundes wollten sie den Neustart schaffen. Aber es lief nur schleppend an. „Im Nachhinein denke ich, dass das sehr kalt und luxuriös wirkende Interieur, das wir übernommen hatten, viele Menschen davon abgehalten hat, ins Geschäft zu kommen“, sagt Mirjam Schroeder. Mehr Kunden kamen, als sie zwei Stehtische aufstellten und selbst gemachten Kakao ausschenkten. Toussaint Claessens kochte jeden Tag drei große Töpfe mit verschiedenen Geschmackssorten. „Das kam gut an und sprach sich herum“, sagt seine Frau. „Aber diese riesigen Töpfe jeden Tag zu schrubben, das war auf Dauer zu viel Arbeit.“ Das müsse doch auch einfacher gehen, dachten sie sich.

Auf die Idee mit dem Löffel sei ihr Mann dann vom einen auf den anderen Moment gekommen, sagt Mirjam Schroeder. „Wir sind zum Gastro-Großhandel gefahren, haben ein paar Plexiglasformen gekauft, Holzlöffel besorgt und experimentiert.“ Vom ersten Tag an hätten sich die Löffel rasend gut verkauft. Cafés und Restaurants aus der Umgebung orderten, um ihren Gästen die Neuheit anzubieten. Zu Beginn stellte der Erfinder seine guten Stücke noch im Geschäft hinter der Ladentheke her. Schon bald war die Nachfrage aber so groß, dass sie das kleine Hinterzimmer zur Küche umfunktionieren mussten. Das Ehepaar stellte einen Mitarbeiter ein, der bei der Produktion half. Er ist der Chocolate Company bis heute treu geblieben. Ein Mann der ersten Stunde ist auch Mirjam Schroeders Vater. 2005 sortierte er im Aachener Keller Holzlöffel und füllte Pakete für die Bestellungen. „Es war sonst nirgendwo Platz“, erklärt Mirjam Schroeder. Heute packt ihr Vater am 1200 Quadratmeter großen Hauptsitz in Kerkrade weiterhin mit an.

Im Jahr 2005 verkaufte die Chocolate Company in Aachen 20 000 Schokolöffel. Heute stellen die Mitarbeiter in der Kerkrader Fabrik pro Tag 10 000 davon her. Tendenz steigend, denn in den kommenden Jahren soll das Unternehmen deutlich wachsen. „In fünf Jahren wollen wir 40 Geschäfte in den Niederlanden und im Ausland eröffnet haben“, erklärt Mirjam Schroeder. Sie sei deswegen im Gespräch mit Partnern und möglichen Franchisenehmern in Ägypten, Indien, Singapur und London.

Ihr zweites Geschäft eröffneten Mirjam Schroeder und Toussaint Claessens 2006 in Maastricht. Sie richteten es mit einfachen Holzmöbeln ein und verzichteten auf überbordende Dekoration. „Blickfang waren und sind unsere Produkte“, erklärt Mirjam Schroeder.

Eine Menge Nachahmer

Kunden für Handel und Export gewinnt das Ehepaar vor allem auf Messen. Auf der Süßwarenmesse ISM und der Anuga, beide in Köln, sind sie jedes Jahr vertreten. „Als wir 2008 zum ersten Mal auf der Internorga in Hamburg waren, hatte uns ein Freund eingeladen, an seinem Stand die Besucher mit den ,Hotchocspoons‘ zu bewirten“, sagt Mirjam Schroeder. Gewonnen hätten sie und ihr Mann dann schließlich 70 neue Kunden. Aber wohl auch eine Menge Nachahmer. Plötzlich tauchten überall Kopien auf. „2010 gab es bei der ISM außer uns noch acht andere Anbieter mit den Löffeln.“

Warum haben sich die beiden ihre Idee nicht patentieren lassen? Das sei gar nicht so leicht, sagt Mirjam Schroeder. „Zum einen waren wir zu spät dafür, weil wir das Produkt schon auf den Markt gebracht hatten.“ Zum anderen wäre das Patent auch sehr einfach zu umgehen. „Dafür reicht es schon, statt des Löffels eine Gabel oder einen Bleistift in die Schokolade zu stecken.“

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