Aachen - Dem regionalen Handwerk gehen die Meister aus

Dem regionalen Handwerk gehen die Meister aus

Von: Thorsten Karbach
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Handwerk
Abwärtstrend: Nur 221 Fachkräfte haben 2015 im Kammerbezirk Aachen erfolgreich ihre Prüfung abgelegt. Symbolbild: dpa
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Sieht offene Türen für die neuen Meister: Dieter Philipp, Präsident der Handwerkskammer Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Zahl der neuen Meister im Handwerk im Kammerbezirk Aachen ist erneut zurückgegangen. Wenn die Handwerkskammer am Sonntag im Eurogress in festlichem Rahmen ihre besten Fachkräfte auszeichnet, dann werden 221 Absolventen ihre Meisterbriefe ausgehändigt bekommen. 2014 waren es noch 255 neue Meister, 2013 287 und 2012 sogar 326. Der Trend hat einen guten Grund.

Die aktuelle Konjunkturentwicklung.

Die Auftragsbücher sind in den meisten Gewerken bestens gefüllt, es gibt ausreichend Arbeit und gute Entlohnung. Die Not sich selbstständig zu machen ist dem entsprechend gering. Sprich: Wer Meister wird, der will Meister werden und muss es nicht, weil er sonst keine Arbeit findet. Hinzu kommt der demografische Wandel, der auch am Handwerk nicht spurlos vorbeigeht, wie Elmar Brandt, Sprecher der Handwerkskammer Aachen, erklärt. Dies belegt auch eine Analyse der Bertelsmann Stiftung, derzufolge die Zahl der Azubi-Bewerber seit Jahren sinkt – besagte Bewerber sind ja auch die Handwerkschefs von übermorgen. „Es gibt insgesamt weniger Bewerber, und von den wenigen gehen mehr ins Studium“, sagt Bertelsmann-Experte Lars Thies.

Kein neuer Bäckermeister

Der Blick in die einzelnen Gewerke verrät, dass es einen grundsätzlichen Trend gibt. Allein im Friseur- (von 13 auf 17) und Maurer- beziehungsweise Betonbauer-Handwerk (von sieben auf zehn) gibt es ein leichtes Meister-Plus im Vergleich zum Vorjahr. Auffällig ist nur die Entwicklung bei den Zimmerern: 2014 gab es zwei neue Meister im Kammerbezirk, 2015 waren es 17. Die Erklärung: „Bei den Zimmerern verzeichnen wir einen Zuwachs, weil hier mittlerweile auch Dachdecker die Prüfung zum Zimmerermeister ablegen können. Dieser Lehrgang ist sehr beliebt“, sagt Brandt.

Die 221 Meister aus dem vergangenen Jahr verteilen sich am Ende folgendermaßen: ein Boots- und Schiffbauer, neun Dachdecker, 16 Elektrotechniker, sieben Feinwerkmechaniker, ein Fleischer, 17 Friseure, 15 Installateure und Heizungsbauer, 89 Kraftfahrzeugtechniker, fünf Maler und Lackierer, zehn Maurer und Betonbauer, vier Metallbauer, ein Modist, acht Straßenbauer, fünf Stuckateure, 16 Tischler und eben 17 Zimmerer.

Die Perspektive ist gut

Probleme gibt es weiterhin im Lebensmittelhandwerk: So legte im vergangenen Jahr im Kammerbezirk Aachen kein einziger Bäcker seine Meisterprüfung ab – und nur ein Fleischer. „Gerade in diesen Gewerken gehen aber auch die Betriebszahlen zurück“, erläutert Brandt. Weil sich einerseits das Kundenverhalten ändere, andererseits Großbäcker und Großfleischer die kleinen Betriebe verdrängen würden, gäbe es auch wenig Anreiz, sich als Bäckermeister selbstständig zu machen. Im Lebensmittelhandwerk fangen die Probleme ohnehin schon früher an: Es gebe bereits massive Probleme, Lehrlinge zu finden. „Das Lebensmittelhandwerk muss sehr um neue Fachkräfte kämpfen“, berichtet der Kammersprecher.

Für die meisten anderen Gewerke gilt: Die Perspektive ist eigentlich gut. „Der Meister ist immer noch der Schlüssel zur Selbstständigkeit im Handwerk. Da viele Betriebe in den nächsten Jahren einen Nachfolger suchen, bietet sich nicht nur die Chance, neu zu gründen, sondern auch, ein funktionierendes Unternehmen zu übernehmen. Das ist sicher für viele leichter und mit weniger Risiko verbunden, als bei Null anzufangen“, sagt Brandt.

Jede fünfte Firma

Bundesweit soll bis 2020 fast jede fünfte Firma übergeben werden, deutschlandweit suchen 180.000 Betriebsinhaber einen Nachfolger. Man brauche dringend Handwerker mit Unternehmergeist, sagt der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer. „Die Karrierechancen sind ausgezeichnet, denn in allen Bereichen brummt die Konjunktur.“ Dem entgegen steht eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young. Auf die Frage, welcher Bereich für ihre beruflichen Pläne besonders attraktiv ist, antworteten nur sechs Prozent von 4300 Studenten in Deutschland: das Handwerk. Hinter Konzernen, Mittelständlern und dem öffentlichen Dienst ist das Handwerk mit großem Abstand Schlusslicht.

Zunächst dürfen nun aber die neuen Meister feiern: Acht Absolventen aus der Region sogar noch ein bisschen mehr. Sie erhalten für hervorragende Leistungen in der Meisterprüfung am Sonntag eine besondere Ehrung.

Respekt gilt aber allen 221, wie Dieter Philipp, Präsident der Handwerkskammer Aachen, betont: „Die Meisterinnen und Meister, denen wir am Sonntag ihre Briefe überreichen, haben hervorragende Leistungen gezeigt. Die Meisterschule ist eine Unternehmerqualifizierung, die im In- und Ausland hohes Ansehen genießt. Meister haben sehr gute berufliche Perspektiven, ihnen stehen alle Türen offen.“

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