Monheim - Das Unternehmen Brandivision: Drei Krachmacher für die Fußball-WM

Das Unternehmen Brandivision: Drei Krachmacher für die Fußball-WM

Von: Anja Clemens-Smicek
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Sie bringen die Samba-Klänge des WM-Gastgebers Brasilien nach Deutschland (v.l.): Dirk Hagen Zimmermann, Frank Urbas und Gerd Kehrberg mit der Combinho. Sie besteht aus vier Teilen: Trommel, Rassel, Ratsche und Pfeife. Foto: Brandivision
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Kein Jubel ohne Vuvuzela: Bei der WM in Südafrika freut sich eine Frau über den Sieg der deutschen Elf gegen England. Foto: dpa

Monheim. Was geschieht, wenn sich ein ehemaliger Geschäftsführer des Fußballclubs Alemannia Aachen, ein Ex-Bezirksligaspieler sowie ein (nach eigener Aussage) ausgemachter Fußballtölpel zusammentun? Sie machen Fußballfans glücklich. Zum Beispiel mit der Vuvuzela.

Gerd Kehrberg (der Fußball-Manager), Frank Urbas (der Fußballer) und Dirk Hagen Zimmermann (der Anti-Fußballer) waren es, die 2010 jenes überlaute Blashorn nach Deutschland brachten, das zur südafrikanischen WM-Stimmung genauso gehörte wie die Fähnchen am Auto.

In wenigen Wochen geht es wieder um den WM-Titel. Und wieder dürfte dieses Sportfest laut werden, wenn auch melodischer. Denn die drei Geschäftsleute haben sich einen Krachmacher ausgedacht, der brasilianische Rhythmen in deutsche Gärten und auf Balkone bringen soll – ein Bausatz aus Trommel, Rassel, Ratsche und Pfeife. Combinho nennen sie ihr Spielzeug. „Eine kleine Samba-Kapelle“, wie Marketingexperte Gerd Kehrberg schwärmt.

Mit der Vuvuzela begann der Erfolg des Unternehmens Brandivision, das seinen Sitz inzwischen von Düsseldorf nach Monheim verlegt hat – wegen der niedrigen Gewerbesteuer. Das Teil hat heute einen Ehrenplatz im Besprechungsraum, ein Modell aus Gummi und mindestens zwei Meter hoch. Auf der Anrichte steht eine Original-Tröte, so wie sie zur WM vor vier Jahren über die Ladentheken ging. Die Idee dazu kam Kehrberg 2009 beim Besuch eines Eishockeyspiels in Düsseldorf. „Ein Geschäftsmann aus Südafrika hatte eine Vuvuzela dabei, und ich dachte sofort: Das wär‘s.“ Er beschäftigte sich mit der mehr als 100-jährigen Tradition des Instruments und fragte seinen Freund, den Vertriebsexperten Frank Urbas, um Rat. „Die Vuvuzela war für uns eine Chance, die südafrikanische Fußballbotschaft in die Welt zu tragen“, erzählt Kehrberg.

Im Frühsommer 2009 sicherten sie sich die Rechte für den Vertrieb in der EU und gründeten die Urbas Kehrberg GmbH, die später in Brandivision überging. Mit Dirk Hagen Zimmermann wurde ein Industriedesigner hinzugezogen, der ein Modell für den deutschen Markt entwickelte. Das ganze Projekt ging innerhalb weniger Monate über die Bühne, und genauso schnell kam der Erfolg. Mehr als fünf Millionen Mal verkauften die Unternehmer ihre Vuvuzela – zu den Kunden zählten ein Lebensmittelriese, eine Tankstellenkette sowie eine Brauerei.

Nicht zuletzt profitierte das Unternehmen von der Euphorie des Sommermärchens 2006, die in Deutschland nachwirkte. „Der Fußball hat sich seit der WM im eigenen Land emotional verändert“, meint Kehrberg. „Wir spielen einen wunderbaren Fußball, und wir haben jetzt den Mut, Nationalstolz zu zeigen und begeistert mitzufeiern.“ Mit der Vuvuzela und bald auch mit der Combinho. Sie soll an den Erfolg von damals anknüpfen. An Selbstbewusstsein mangelt es den Herren dabei nicht. Kehrberg: „2010 waren wir Fanartikel-Weltmeister. Diesen Titel werden wir dieses Jahr verteidigen, noch bevor der erste Ball rollt.“

Von der Idee bis zum Verkauf brauchte das Team eineinhalb Jahre. „Gleich nach der Euro 2012 begannen wir, uns mit der WM zu beschäftigen“, erzählt Urbas. Da eine Recherchereise zu aufwendig gewesen wäre, begnügten sich die Freunde mit einer brasilianischen Bar, um bei mehreren Cocktails der Frage auf den Grund zu gehen, wie sich die Deutschen brasilianischen Fußball vorstellen.

Karneval, Copacabana und Samba

Das Resultat war nicht schwer zu erraten. „Mit Brasilien assoziiert man Karneval, die Copacabana und Sambaklänge“, sagt Kehrberg. Dass auch andere kreative Köpfe darauf kommen könnten, war den Unternehmern klar. „Aber nur wir haben eine ganze Samba-Kapelle in einem Produkt“, betont Kehrberg. Also wurden Namens- und Patentrechte gesichert, ein Prototyp wurde gebaut. „Die Qualität muss stimmen“, sagt Zimmermann. „Wir kaufen keinen Artikel von der Stange. Uns sind nicht nur Design und Funktionalität wichtig, sondern auch die Sicherheit.“

So sei die Original-Vuvuzela für den deutschen Markt völlig ungeeignet gewesen. Sie bestand aus einem Kunststoff-Stück und konnte als Schlagwaffe eingesetzt werden. Also entwickelte Zimmermann eine Vuvuzela aus drei Teilen – „so bricht sie auseinander, wenn man damit zuschlägt.“ Der Produktentwickler verpasste der deutschen Version noch einen Schalldämpfer, weil das Original locker 140 Dezibel laut war – viel zu gefährlich für das menschliche Gehör.

Während die Vuvuzela noch bei einer Firma in Bad Kreuznach produziert wurde, kommt der jüngste Fanartikel aus China. Zimmermann: „In der Combinho steckt viel Handarbeit. Es gab kein deutsches Unternehmen, das das hätte leisten können.“ Eine Percussion-Band testete die Trommel, mit dem brasilianischen Fußballstar Dante von Bayern München wurde ein passender Werbeträger gefunden. In einer Stückzahl im siebenstelligen Bereich ist die kleine Samba-Kapelle nun bei einer Elektronikkette zu bekommen – für knapp zehn Euro.

Aber Brandivision kann nicht nur Fußball und hat sich längst als Werbeartikel-Anbieter etabliert. Die Produktpalette reicht von der Grillzange über das Bohrer-Set bis zum Koffersortiment für eine Bekleidungsfirma. „Wir entwickeln Produkte mit einem Alleinstellungsmerkmal“, so Kehrberg. Einzigartigkeit herstellen, wie Urbas ergänzt. Deshalb winken die Partner auch bei der Frage ab, ob Fanartikel wie Schals oder Trikots ebenfalls zum Sortiment zählen.

Dennoch gilt auch für Brandivision die alte Fußballer-Weisheit: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ein Fanartikel für die EM 2016 in Frankreich ist längst entwickelt und geht noch dieses Jahr in den Verkauf.

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