Das Team steht. Jetzt müssen Kunden her.

Von: Alexander Barth
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Aus dem Forschungszentrum in die freie Wirtschaft: Das Team mit (v.l.) Vitali Weißbecker, Gregor Szybisty, Andreas Schulze Lohoff (in seinen Händen der Prototyp), Klaus Wedlich, Mian Bilal Hussain, Sinah Kroenauer und ihr akademischer Wegbegleiter Prof. Werner Lehnert. Foto: Alexander Barth

Jülich/Aachen. Die Information ist knapp und präzise: „Precors ist ein Ausgründungsprojekt am Institut für Energie- und Klimaforschung/ Elektrochemische Verfahrenstechnik des Forschungszentrums Jülich“. So steht es im Impressum der Seite, die vom nächsten Schritt dreier Forscher auf dem Weg zum eigenen Unternehmen kündet.

Vitali Weißbecker, Andreas Schulze Lohoff und Klaus Wedlich wagen den Schritt aus dem Forschungszentrum Jülich in die freie Wirtschaft. Jetzt sind sie dabei, ihr Geschäftsmodell – die Entwicklung von effizienten Beschichtungen für die Stromabnehmerplatten in Brennstoffzellen – bekanntzumachen und um Kunden zu werben. „Wir haben unseren Prototypen an den Start gebracht, ein gutes Gefühl“, beschreibt Weißbecker die aktuelle Stimmung.

Nach dem Sieg beim regionalen Gründerwettbewerb AC2 ist einiges passiert. Mit den finanziellen Mitteln aus dem Exist-Forschungstransfer, gewährt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, haben die drei Gründer Strukturen geschaffen, um auf den Markt zu streben. „Mit den Fördergeldern haben wir technische Anlagen und Sachmittel angeschafft, Dienstreisen finanziert und unser Team vergrößert“, sagt Schulze Lohoff. Bis Juli 2017 muss die Firma laut Förderregeln gegründet sein.

Mit den Mitteln sind vier Personalstellen abgedeckt, neben den drei Gründern auch die von Neuzugang Gregor Szybisty. Mittlerweile gehören auch die Biochemikerin Sinah Kroenauer und der Ingenieur Mian Bilal Hussein als wissenschaftliche Mitarbeiter zur Belegschaft. Ihre Arbeitsverträge gelten für die laufende Exist-Phase, finanziert werden sie vom Technologietransfer-Fonds des FZ.

Der gelernte Wirtschaftsingenieur Szybisty ist seit Oktober 2016 der „Business Developer“ im Team. Soll heißen: Geschäftsentwickler, Marktbeobachter – „unser Mann für die Außenwirkung und den Aufbau eines Kundenstamms“, sagt Weißbecker. „Für ein junges Unternehmen ist das eine immens wichtige Phase“, erklärt Szybisty.

„Es geht auch darum, für die Zeit nach der Exist-Förderung eine Anschlussfinanzierung zu finden.“ Ein unternehmerisches Kunststück, für das nicht zuletzt reichlich „Klinken putzen“ angesagt ist. Kern der Arbeit bleibt die Forschung und die Arbeit in einem Bereich, der Wachstum verspricht: „In der Brennstoffzellentechnologie ergeben sich derzeit reichlich Möglichkeiten“, sagt Weißbecker. Dafür haben sie Partner aus Industrie und Handel im Visier. „Langfristig wollen wir mit der Autoindustrie zusammenarbeiten. Das Umdenken in Richtung Elektromobilität wird kommen. Und da setzen wir an“, sagt Szybisty.

Als „First Mover“ auf den Markt

Mit ihrer Version von sogenannten Bipolarplatten mit Kohlenstoff-Beschichtung wollen die Neu-Unternehmer als „First Mover“ am Markt auftreten. Der englische Begriff bezeichnet den wettbewerbsstrategischen Zustand, bei dem einem neuen Produkt zum Zeitpunkt der Markteinführung kein vergleichbares Konkurrenzprodukt gegenüber steht. Je früher die Markteinführung, desto größer der Wettbewerbsvorteil, so der Plan. Dass sie auf einem guten Weg sind, bescheinigt ihnen derweil ein langjähriger Wegbegleiter. Werner Lehnert, Professor am Institut für Energie- und Klimaforschung am FZ, ist sicher: „Diese Gründung ist ein mutiger Schritt zum richtigen Zeitpunkt“.

Nicht ohne Stolz betrachten Weißbecker, Schulze Lohoff und Wedlich heute ihren Prototypen. In einem schmucken Plexiglas-Halter wirkt die schimmernde Stromabnehmerplatte fast wie eine Trophäe. „Ein Preis, den wir uns selber verliehen haben“, sagt Klaus Wedlich. „Für uns auf jeden Fall eine Erinnerung daran, weiter für unsere Idee und die Entwicklung zu arbeiten.“

Auf dem Weg zum geplanten Start-up haben sich die Jülicher Wissenschaftler zuletzt Motivation in Form einer Auszeichnung samt einer weiteren Finanzspritze geholt. Den mit 10 000 Euro dotierten „f-cell award – Innovationspreis Brennstoffzelle“ in der Kategorie „research & development“ nehmen das Gründertrio und ihre neuen Kollegen auch als Ansporn, ihr Wachstum auszubauen. „Wir wollen eine Anschlussfinanzierung für das gesamte Team finden, also auch für die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter“, sagt Weißbecker. „Für den Erfolg des Vorhabens ist das gesamte Team verantwortlich und auch notwendig.“

Erste Schritte auf dem Weg zur Unternehmerverantwortung, für die der Gründerwettbewerb AC2 mit seiner Wachstumsinitiative passende Begleitangebote offeriert. Mit einem Berater aus dem AC2-Netzwerk soll ein tragfähiger Wachstumsplan entwickelt werden. „Die Wachstumsinitiative ist definitiv etwas für uns“, sagt Weißbecker. Frei nach Trainer-Legende Sepp Herberger: Nach der Gründung ist vor dem Wachstum.

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