Das Handwerk holt kräftig auf

Von: Christina Merkelbach
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Aachen/Düren/Heinsberg. Für Ralf W. Barkey ist es eine Premiere. 13 Jahre ist er schon Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Aachen. Trotzdem hat ihn das Ergebnis einer Konjunkturumfrage seines Hauses noch nie so überrascht.

87 Prozent der Handwerksbetriebe in der Städteregion Aachen und den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Das ist das beste Ergebnis seit 17 Jahren.

Noch im Frühjahr hatten lediglich 71 Prozent der Betriebsinhaber für das folgende Halbjahr angegeben, gute oder zufriedenstellende Ergebnisse zu erwarten. Damit liegt der aktuelle Wert 16 Prozent über den Erwartungen. Eine Abweichung nach oben, die keineswegs alltäglich ist.

Zudem blicken 84 Prozent der Befragten optimistisch in die Zukunft - für das kommende Halbjahr erwarten sie gute oder befriedigende Ergebnisse. „Nach einem starken Konjunkturabschwung in den vergangenen Jahren beobachten wir nun wieder einen eindeutigen Trend nach oben. Die Betriebe retten ihren Optimismus auch in die Wintermonate”, sagt Barkey.

Besonders spürbar ist der Aufschwung laut Umfrage im Bau und Ausbau, aber auch bei den Handwerkern für gewerblichen Bedarf. Dazu gehören beispielsweise Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer und Metallbauer. Als gut oder befriedigend bezeichneten in diesen Branchen jeweils neun von zehn Betrieben ihre Ergebnisse.

Im Nahrungsmittelhandwerk gaben nur fünf Prozent der Bäcker, Konditoren und Fleischer an, im Sommerhalbjahr schlechtere Geschäfte als im Vorhalbjahr gemacht zu haben. Das ist deutlich weniger, als erwartet, denn das Sommerhalbjahr ist in dieser Branche immer das schwächere.

Von den Kfz-Betrieben im Kammerbezirk verzeichneten 83 Prozent zufriedenstellende Ergebnisse. Nicht besser, aber immerhin stabil ist die Lage bei den Gesundheitshandwerkern und personenbezogenen Dienstleistern.

Überproportional gut stehen der Umfrage zufolge Betriebe da, die 50 oder mehr Mitarbeiter haben. Weniger positiv sieht es bei kleinen Firmen aus, die nur ein oder zwei Beschäftigte haben. „Diese Betriebe haben mehr an einer schlechten Geschäftslage zu knabbern. Das entspricht leider einem allgemeinen Trend”, sagt Barkey.

Zum allgemeinen Stimmungshoch im regionalen Handwerk trägt auch die deutlich verbesserte Auftragslage bei. In den vergangenen sechs Monaten erhielten 25 Prozent der Betriebe mehr Aufträge, 51 Prozent bezeichnen ihre Auftragslage für diesen Zeitraum als stabil.

Entsprechend sind die Umsätze gestiegen: 70 Prozent der Unternehmen, und damit 13 Prozent mehr als im Herbst 2009, berichten von höheren oder gleichbleibenden Einnahmen.

Regional aufgeschlüsselt liegt bei der Umsatzsteigerung der Kreis Euskirchen vorne. Dort gaben 94 Prozent der Befragten an, dass ihre Umsätze im Vergleich zum Vorhalbjahr gestiegen oder gleichgeblieben sind. Es folgt der Kreis Düren mit 87 Prozent. Im Kreis Heinsberg sind es 86 Prozent und in der Städteregion Aachen 84 Prozent.

Für Kopfschmerzen in den Betrieben sorgt schon jetzt der Fachkräftemangel, der in den vergangenen Tagen auch im Zusammenhang mit der Integrationsdebatte Diskussionen angefeuert hat. Aktuell fehlen in den Handwerksunternehmen in der Region 634 Kräfte. „Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl in den kommenden Monaten auf bis zu 1200 erhöht”, sagt Barkey.

Ein Grund dafür ist seiner Meinung nach die zunehmende Spezialisierung in vielen Bereichen. Deshalb sei es unerlässlich, dass die Betriebe ihre Fachkräfte von morgen ausbilden und aufbauen. Die Bereitschaft dazu sei im Kammerbezirk ebenso gegeben wie die, qualifizierte Kräfte einzustellen. „Das geht aber nur, wenn der Markt die Möglichkeit dazu hergibt”, sagt Barkey.

Zudem spüre das regionale Handwerk schon jetzt die Auswirkungen des demografischen Wandels. „In 15 Jahren werden wir 22 Prozent weniger Schulabgänger in der Region haben. Das wird im Rheinland Rekordwert sein”, erklärt Barkey. Hinzu kommt: Gerade in ländlichen Gebieten könnten Lehrstellen nicht besetzt werden. „Das ist auch ein Imageproblem.” Mit einer gezielten Kampagne in den Schulen möchte die Kammer diesem Trend entgegenwirken.

Bei allem Zukunftsoptimismus angesichts der jüngsten Konjunkturergebnisse warnt der HWK-Hauptgeschäftsführer aber auch vor Euphorie. Es handele sich um einen Aufholprozess nach einem starken Konjunkturabschwung, der das Handwerk insgesamt zwar nicht so stark getroffen habe wie etwa den exportorientierten Maschinen- und Anlagenbau. „Aber Spuren hat die Rezession auch in unserem Wirtschaftszweig hinterlassen.”
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