Das Handwerk findet wieder Tritt

Von: Ulrich Kölsch
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Nutznießer: Das Konjunkturprogramm II sorgte bei Teilen des Handwerks für volle Auftragsbücher. Foto: Stock/Rainer Weisflog

Aachen. Die Delle vom Frühjahr ist ausgeglichen. Das Handwerk in der Region blickt wieder optimistischer in die Zukunft. Mehr als drei Viertel der 15.600 Unternehmen im Bezirk der Handwerkskammer Aachen bewerten ihre Geschäftsergebnisse für den Sommer mit befriedigend oder gut.

„Die Konjunkturentwicklung in der Region ist besser verlaufen als erwartet”, kommentiert am Donnerstag der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Ralf W. Barkey, die Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage. Denn bei der Befragung im Frühjahr haben nur 45 Prozent der Meister angenommen, dass sich ihre Geschäftslage in den folgenden sechs Monaten verbessern oder stabilisieren würde.

Als Gründe für die insgesamt relativ günstige Entwicklung nennt Barkey die Auswirkungen des Konjunkturpakets II, die gute Verbraucherstimmung und eine stabile Lage am Arbeitsmarkt.

Trotz der positiven Trends im Sommer blicken doch viele Betriebe mit Sorge in die Zukunft. So erwarten nur zwei Drittel der Inhaber für den anstehenden Winter eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage, der Rest geht von einer Verschlechterung aus.

In der Herbstumfrage ergibt sich dabei für die einzelnen Branchen ein durchaus unterschiedliches Bild. Während die Bau- und Ausbaubetriebe den Auftragssegen des Konjunkturprogramm voll zu spüren bekommen und sich zu 85 Prozent mit dem Geschäftsverlauf im Sommer zufrieden zeigen, trifft die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (Metallbauer, Feinwerkmechaniker und Elektromaschinenbauer) die Wirtschaftskrise voll. Als Zulieferer der teilweise exportlastigen Industrie schlägt die Auftragsflaute dort voll durch und sorgt für eine miese Stimmung. Nur 57 Prozent der Meister zeigen sich deshalb mit dem Geschäftsverlauf zufrieden.

Ein freundliches Bild ihrer Geschäftslage entwerfen Gesundheitshandwerke wie Augenoptiker, Zahntechniker oder Orthopädieschuhmacher. Barkey: „Dort hat bereits eine Konsolidierung auf niedrigem Niveau stattgefunden.” Höhere oder konstante Umsätze können im Sommer 57 Prozent der Unternehmen einfahren, der Rest verbucht Rückgänge. Mit fast 80 Prozent liegt die Kapazitätsauslastung der Handwerksbetriebe im Sommer noch relativ hoch.

Die Handwerkskunden haben sich in den letzten Monaten über unveränderte Preise gefreut: 62 Prozent der Betriebe zeigen sich mit ihren Leistungen preisstabil.

Auch die Beschäftigungslage im Handwerk bleibt auf hohem Niveau, und 83 Prozent der befragten Meister erweitert im Sommer die Belegschaft oder hält sie konstant.

Kritisch setzt sich Barkey mit der Abwrackprämie auseinander, die für ihn ein Musterbeispiel für kurzfristige Subventions-Maßnahmen ist, die verpuffen. Langfristig dürfte in der Branche mit einem verstärkten Konzentrationsprozess zu rechnen sein. Zwar sei der Handel mit Neuwagen vorübergehend angekurbelt worden, aber den Reparaturwerkstätten fehlen nun die Aufträge, da „Hunderttausende ältere Fahrzeuge in der Schrottpresse gelandet sind”. Barkey: „In der Summe heben sich beide Effekte auf und bringen die Branche nicht weiter. Von Nachhaltigkeit kann da keine Rede sein.”
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