Aachen/Frankfurt - Das E-Book: Ein Hoffnungsträger, mehr noch nicht

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Das E-Book: Ein Hoffnungsträger, mehr noch nicht

Von: Rolf Obertreis und Hermann-Josef Delonge
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„An der Schwelle zur Marktrel
„An der Schwelle zur Marktrelevanz”: Für den stationären Buchhandel spielt das E-Book aber noch keine große Rolle. Foto: dpa

Aachen/Frankfurt. Der deutsche Buchhandel ist im Umbruch. Und wie immer, wenn dies in einer Branche der Fall ist, wird schnell auch von den Chancen, die sich daraus ergeben (könnten), gesprochen. Fakt ist: Der Umsatz ist im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro geschrumpft.

Nach sieben Jahren mit kontinuierlichem Wachstum auch während der Finanz- und Euro-Schuldenkrise sei das kein Grund zur Beunruhigung, meint allerdings Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. „Die große Wertschätzung des Mediums Buch ist stabil, das Leseinteresse ist ungebrochen groß. Der Buchmarkt ist immer noch drei Mal so groß wie der Musikmarkt in Deutschland.”

Fakt ist aber auch: 2011 lag der Anteil des stationären Buchhandels am Gesamtumsatz der Branche erstmals bei unter 50 Prozent. Dagegen hat der Internet-Handel, mit Amazon an der Spitze, um weitere fünf Prozent zugelegt. Online wird nun ein Bücher-Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro gemacht - eine Verdoppelung innerhalb von lediglich fünf Jahren. Auch wenn sich die Dynamik der Steigerungsraten abschwächt - die Buchhändler in Deutschland müssen darauf reagieren und haben es teilweise längst getan. Skipis empfiehlt ihnen, gezielt auf qualifizierte Beratung zu setzen und die Kunden auch mit eigenen Internet-Seiten und einem eigenen Online-Vertrieb an sich zu binden. 65 Prozent hätten bereits eine solche Plattform oder arbeiteten daran. „Jeder einzelne Buchhändler kann viel mehr als Amazon”, sagt Skipis - und will dies als „Kampfansage” verstanden wissen.

Und das E-Book? Taugt es als Hoffnungsträger für die Branche? Zwar sind 2011 mit 4,7 Millionen digitalen Büchern mehr als doppelt so viele verkauft worden wie im Jahr zuvor. Doch sie machen immer noch lediglich ein Prozent (2010: 0,5 Prozent) am Gesamtumsatz aus. Skipis bleibt dennoch Optimist. Das E-Book sieht er an der „Schwelle zur Marktrelevanz”. Nach einer aktuellen Studie gehört es bei rund 50 Prozent der Verlage zum festen Programm, fast 90 Prozent streben es an. Im traditionellen Buchhandel (Sortimenter) spielt das digitale Buch wegen der geringen Nachfrage allerdings weiterhin kaum eine Rolle. 2011 lag dort der Anteil am Umsatz bei lediglich 0,5 Prozent, noch weniger als 2010. Der Branchenverband führt dies auf die vielen Neueinsteiger aus kleineren Buchhandlungen zurück, die jetzt auf das E-Book setzten.

Die Zeiten sind hart, der Wettbewerb auch. Die Mayersche Buchhandlung stellt sich dem mit offenem Visier. Auch das Aachener Familienunternehmen, drittgrößte Buchhandlung in Deutschland mit einem geschätzten Umsatz von 175 Millionen Euro im vergangenen Jahr, spürt die Konkurrenz, nach eigenen Angaben allerdings nicht in der gleichen Wucht wie die Riesen Thalia oder DBH (Hugendubel). Man sei „sehr zufrieden mit der Umsatzentwicklung”, versichert Mayersche-Geschäftsführer Hartmut Falter. Nach Jahren der Erweiterung des Geschäfts (35 Filialen wurden seit 2005 eröffnet, insgesamt sind es nun 50 in NRW, Koblenz und Trier), stehe nun eine Phase der Konsolidierung an. „Wir können die Früchte der Expansion ernten”, formuliert Falter. Eigentlich geplante Neueröffnungen in Düsseldorf-Benrath und Detmold wurden vorerst abgesagt.

Die Mayersche ist längst mit eigenem Shop - der gerade generalüberholt wird - im Internet vertreten. Zuwachsraten von rund 30 Prozent habe es da in den vergangenen Jahren gegeben. Wobei der Anteil am Gesamtumsatz überschaubar ist, sagt Falter, er liege im „hohen einstelligen Bereich”. Bemerkenswert: Viele Kunden bestellen online, lassen sich die Ware allerdings auch aus Datenschutzgründen in den Laden liefern - „ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber Amazon”, sagt Falter.

Ihren Umsatz macht die Mayersche immer noch zu 80 Prozent mit dem klassischen Buchgeschäft, zehn Prozent entfallen auf Hörbücher, Kalender und ähnliches, der Rest auf Dinge, die man nicht unbedingt mit einer Buchhandlung in Verbindung bringt. Krimskrams nennen das naserümpfend die Puristen, für Falter ist es eine unter bestimmten Voraussetzungen sinnvolle Ergänzung des Geschäfts. Die Mayersche hat deshalb „Teddy und Co.” (ehemals Spielwaren Förster) in direkter Nachbarschaft zum Aachener Stammhaus übernommen und will dessen Angebot sukzessive in 18 Filialen integrieren. Ein Umzug ins Stammhaus ist geplant, aber noch nicht terminiert. Seit längerem schon bietet die Mayersche Spielwaren in ihren Kinderbuchabteilungen an; Falter nennt die Übernahme deshalb konsequent.

Mutiert der Buchhandel zum Gemischtwarenhandel? Marktführer Thalia hat bereits den Wandel vom Buch- zum „Inspirationshandel” ausgegeben. Die Douglas-Tochter, die unter massivem Druck steht und über Flächenreduzierung nachdenkt, will den Anteil der „Non-Book-Angebote” sukzessive auf bis zu 40 Prozent steigern. Für sein Haus gelte diese Tendenz garantiert nicht, versichert der Mayersche-Chef, der aber prinzipiell offen für neue Ideen ist.

Allerdings: „Sie müssen nicht nur wirtschaftlich sinnvoll sein, sondern auch zur Linie unseres Hauses passen.” Will heißen: Die Produkte müssen eine gewisse Exklusivität, ein ansprechendes Design und einen thematischen Bezug haben. Also: Spielwaren neben der Kinderbuchabteilung oder kleinere Küchenaccessoires neben der Kochbuchabteilung, das funktioniert. Fahrräder oder Laufschuhe neben der Sport- und Gesundheitsabteilung, das führt dann doch zu weit.
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