Damit Schlaf auch wirklich erholsam ist

Von: Berthold Strauch
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Die beiden neuen Medizinproduk
Die beiden neuen Medizinprodukte der Alaxo GmbH: AlaxoStent (oben) und AlaxoLito (unten). Foto: WFG/Alaxo

Hückelhoven. Millionen Geplagte können aufatmen - im Wortsinne: dank einer Erfindung aus Hückelhoven. Für Klaus Düring war nach seinem ersten „Bauchgefühl” schnell klar: „Da steckt Musik drin!”

Der Chef des neugegründeten kleinen Medizintechnik-Unternehmens Alaxo will mit einem innovativen Produkt den Markt aufrollen - und vielen Menschen, die teils seit Ewigkeiten leiden, endlich Linderung und mehr Lebensqualität verschaffen. Die ersten Markterfolge bestärken ihn, auf dem richtigen Weg zu sein.

Menschen mit Schlaf-Apnoe - dem plötzlichen Aussetzen der Atmung in der Nacht - verspricht ein kleines, spezielles Drahtgeflecht aus einer Nickel-Titan-Legierung die vermisste, ersehnte Regeneration im Bett. Viele Patienten tragen bislang beim Schlafen eine Spezialmaske im Gesicht, die ihnen das sichere Luftholen ermöglicht. Doch zu diesen sogenannten „CPAP-Atemtherapiegeräten”, die vom Stromnetz abhängig sind, gehören auch oft störende Pumpengeräusche, die für den nötigen Überdruck sorgen und die es manchem Betroffenen schwermachen, erholsamen Schlaf zu finden. Betroffene, die vielfach nichts von ihren gesundheitlichen Problemen ahnen, wachen morgens wie gerädert auf und schleppen sich müde durch den Tag - was etwa im Straßenverkehr zu gefährlichen Situationen führen könnte.

Auch auf andere Weise könnte mit den Alaxo-Produkten Ruhe in den heimischen Schlafzimmern einkehren. Denn auch für die zahlreichen - allermeistens männlichen - Schnarcher dieser Welt und insbesondere deren Angehörigen bietet Düring ein Stück Hoffnung. Ebenso könnten von behinderter Nasenatmung Betroffene, aber auch Sportler, die sich oftmals eine Nasenklammer aufsetzen, um im Wettkampf besser Luft zu bekommen, künftig leichter durchs Leben kommen.

Die Lösung dieser Probleme liegt in einem kleinen Produkt, das bei Alaxo nun mit einer eigens zugeschnittenen Hightech-Flechtmaschine produziert werden kann. Dazu hat sich die Firma mit Unterstützung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Kreises Heinsberg im Gründer- und Service-Zentrum Hückelhoven (GSZH) die passenden Räume angemietet. Und bei dem erhofften Erfolg sind noch genügend Reserven vorhanden, um weiter kräftig expandieren zu können.

Bei dem Hilfsmittel, das die Erlösung bringen kann, handelt es sich um einen Stent, ein Drahtgeflecht, das mit viel Entwicklungsaufwand und reichlich Know-how auf den vorgesehenen Einsatzzweck zugeschnitten wird. Ähnliche, allerdings viel feinere Produkte werden zum Beispiel im Körper eingesetzt, um durch Ablagerungen verstopfte Blutvenen wieder dauerhaft durchgängig machen zu können. Klinische Studien im Schlaflabor der Universität Erlangen hätten den Nutzwert der Alaxo-Stents für Apnoiker und Schnarcher bewiesen, macht der Geschäftsführer zufrieden deutlich.

Die Patienten können sich den Stent ohne Probleme und ein bisschen Übung selbst durch die Nase in den Rachen zuverlässig und sicher einsetzen. Ein spezieller dünner Einführschlauch hilft ihnen dabei, beim Zurückziehen weitet sich der Stent und schient dabei den erschlafften Atemweg. Düring vergleicht das Einsetzen mit dem von Kontaktlinsen in die Augen. Eine Klemmbefestigung sorgt dafür, dass der Stent nicht verrutschen kann. Mit dem eingesetzten Hilfsmittel können sich die Patienten frei bewegen.

Obwohl der medizinische Nutzen der Stents für Apnoiker und Schnarcher nachgewiesen sei, weigern sich nach Angaben Dürings die Krankenkassen noch, die verschreibungspflichtigen Teile zu finanzieren. Hier baut er auf Überzeugungsarbeit, damit die Betroffenen finanziell entlastet werden können. Etwa vier Monate lang kann ein Stent verwendet werden. Die Kosten für eine Jahresversorgung belaufen sich auf rund 750 Euro - in etwa so viel, wie die maskentragenden CPAP-Patienten allerdings erstattet bekommen.

Noch ein kleines Team

Auf Fachmessen, Kongressen und Ausstellungen will Klaus Düring nun für sein wesentlich einfacher zu handhabendes Produkt die Werbetrommel rühren. Viele Hals-Nasen-Ohren-Ärzten hätten sich bereits von den Vorzügen der Stentlösung überzeugen lassen, freut sich der promovierte Jungunternehmer, der als studierter Chemiker und Molekularbiologe zuvor bereits zahlreiche Erfahrungen im Life-Science-Sektor, den Lebenswissenschaften, gewonnen hatte, ehe er sich nun selbstständig machte. Zwei Mitarbeiter zählen zur Gründungscrew, die auch bereits intensiv zum Erfolg seiner Produkte beigetragen hätten und viele Ideen beisteuerten: Joachim Pfeffer und der gebürtige Kolumbianer Nasib Dlaikan.

Die Stents haben inzwischen bereits die europäische Marktzulassung erhalten. Düring ist in Verhandlungen mit ausländischen Vertriebspartnern. Langfristig winkt Alaxo der Weltmarkt, nach Nordamerika werden bereits die ersten Fühler ausgestreckt. Läuft alles wie erhofft, dürfte sich bald schon die Mitarbeiterzahl kräftig nach oben entwickeln. Dies gilt erst recht, wenn vermehrt Sportler zu dem kleineren Nasenstent AlaxoLito greifen - legales „Doping”, das ihnen im Wettkampf einen Sauerstoffschub und damit einen Vorteil beschert.

Das kleine Firmenteam denkt bereits über weitere Anwendungen nach. So könnten Stents „made in Hückelhoven” demnächst vielleicht auch in lädierten Harnwegen und Gallengängen eingesetzt werden.
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