Damit Innovationen auch auf dem Markt ankommen

Von: Berthold Strauch
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Aachen. Fast triumphierend hält Jan Güra das kleine Gerät einen kurzen Moment in die Höhe. „Direct Life Activity Monitor” heißt es, kaum größer als eine Streichholzschachtel. Eine Art „Schrittzähler”, sagt Güra. Ein Instrument, das Bewegungen eines Menschen unmittelbar überwacht.

Der Manager ist Mitarbeiter von Philips Healthcare - Gesundheitsvorsorge im Bereich Kardiologie - in Hamburg und der letzte Redner in einer langen Reihe von Festansprachen. Im Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR), einem „An-Institut” der RWTH, ist zuvor ein neues Projekt offiziell präsentiert worden: das „Service Science Innovation Lab” (SSIL). Es will wissenschaftlich fundierte Dienstleistungen erbringen, um Innovationen gezielt zum kommerziellen Durchbruch am Markt zu führen.

Da kommt das bescheiden wirkende Bauteil von Jan Güra gerade recht, um praxisnah zu demonstrieren, was das FIR zu leisten vermag. Denn dieses neu eingerichtete Laboratorium, von Direktor Prof. Günther Schuh vom Werkzeugmaschinenlabor (WZL) und Geschäftsführer Volker Stich geleitet, soll dem Weltkonzern Philips helfen, den deutschen Markt mit seinem Produkt zu erobern.

In den USA ist der Direct Life Activity Monitor bereits gut positioniert. Fitnessfreaks tragen das Gerät mit dem Bewegungssensor den ganzen Tag über in der Hosentasche oder am Gürtel. Der Weg zum Kopierer im Büro oder der Marathon nach Feierabend - ständig werden Kalorien verbrannt. Der technische Wächter führt über deren Menge exakt Buch. Am PC ausgelesen, wird dem Nutzer die Gesamtbilanz präsentiert. Und: Es gibt Empfehlungen, wie der Bewegungsdrang zum Nutzen der Gesundheit noch ein Stück intensiver angeregt werden könnte.

Für 40 Dollar ist der Healthcare-Apparat in den Staaten zu haben - demnächst dank des vom FIR optimal darauf zugeschnittenen Know-hows wohl auch hierzulande. Entsprechende Gespräche seien vereinbart, bestätigt Boris Ansorge von FIR. Vielleicht bietet es sich an als edles Werbegeschenk von Lebensversicherern. Auch in diese Richtung werden Geschäftsführer Stich und sein Team wohl die passenden Wege weisen.

Service-Kooperation zwischen Forschung und Industrie ist das ehrgeizige Thema, das hinter SSIL steckt. Es soll nach dem Start im Stammsitz des Instituts in der Nähe des Ponttors ab Sommer 2012 den neuen Cluster Logistik im Hochschul-Campus Melaten mit Leben erfüllen. Dieses Expansionsprojekt wird vom FIR, das sich als Ausbildungsstätte für hochqualifizierte Ingenieure versteht, nach vorne getrieben.

Die Erkenntnisse der Wissenschaft müssten noch effizienter in die Wirtschaft vermittelt werden, machte denn auch Wilgart Schuchardt-Müller vom NRW-Wirtschaftsministerium bei der Präsentation des Innovationslabors deutlich. Denn lediglich 13 Prozent aller Patente würden „marktrelevant”, wie sie es formulierte. „Das muss besser werden.”
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