Herzogenrath - Cerobear bei Formel1 auf „Pole”

Cerobear bei Formel1 auf „Pole”

Von: Berthold Strauch
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Toleranzen im Mikrometer-Bereich: eine Nano-Technologie - nicht wegen der kleinen Teile, sondern wegen der Genauigkeit. Hier arbeitet Carlos Alarcon an einer Präzisions-Drehmaschine. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. Im Istanbul Park heulen an diesem Wochenende die Motoren. Der Formel-1-Zirkus gastiert in der türkischen Stadt am Bosporus. Dieser Lärm klingt für Jens Wemhöner wie Musik in den Ohren. Denn er steht mit seiner Firma Cerobear GmbH auf alle Fälle in der „Pole Position”.

„Ausnahmslos jedes Fahrzeug”, das in der „Königsklasse” des Motorsports über die Startlinie rollt, „fährt mit unseren Wälzlagern”, sagt der 53-jährige Unternehmer aus Kohlscheid zufrieden. Klasse Werbung für ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen, das weltweit am Markt präsent ist. Der Exportanteil beträgt bis zu 80 Prozent. Die wichtigsten Abnehmer sitzen in den USA.

„Die Formel 1 ist für uns ein sehr einträgliches Geschäft”, freut sich Wemhöner. Dabei verhehlt er nicht, dass seine F-1-Produkte „sündhaft teurer”, aber dafür extrem haltbar seien. Die Fahrzeuge würden pro Saison etwa dreimal völlig überholt. „Wir müssen kurze Entwicklungszyklen garantieren”, sechs bis acht Wochen bis zum von der Vollgasbranche geforderten fertigen Keramik-Produkt. Bei Differenzialen, Kupplungen, Getrieben, Radantrieben und Bremspedalen werden Cerobear-Wälzlager eingebaut.

Space Shuttle

Und noch ein edles Produkt mit Kohlscheider Präzisionsteilen: das Space Shuttle der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa. Mit flüssigem Wasserstoff auf minus 269 Grad Celsius gekühlt, „funktionieren unsere Lager tadellos”.

Der Unternehmer gründete vor 20 Jahren mit seinem Partner Matthias Popp die Cerobear GmbH. Der Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie an der RWTH Aachen zog 1992 in den Technologiepark Herzogenrath (TPH). Die Firma machte Furore. Aus bescheidenen Anfängen wuchs sie auf 110 Mitarbeiter an.

Doch die Weltwirtschaftskrise hat auch um Cerobear keinen Bogen gemacht, sondern massiv getroffen. Die Folgen des Absatzeinbruchs: Zehn Mitarbeiter, vom Vertriebsingenieur bis zum Facharbeiter, mussten bereits Ende 2008 das Unternehmen verlassen. „Wir hatten Speck angesetzt in guten Zeiten”, sagt Wemhöner. Außerdem wird seit Anfang April Kurzarbeit gefahren, um das Unternehmen weiter zu stabilisieren. Bis zu 70 Prozent der Belegschaft sind davon betroffen.

Bevor die Kundschaft mit dem Daumen nach unten zeigte, waren bei deren Lieferanten Cerobear bereits konkrete Erweiterungspläne auf dem TPH-Gelände so weit fortgeschritten, dass der erste Spatenstich angepeilt war. „Ich habe den Neubau in letzter Minute gestoppt”, bedauert Wemhöner: „Wir mussten erst unsere Arbeitsplätze sichern.” Dennoch glaubt der Unternehmer, dass die Krise recht bald ausgestanden sei. „Irgendwann sind die Lager leer.” Dann sei ein kräftiger Aufschwung fast „unvermeidbar”, glaubt er.

Das Reparaturgeschäft, das bislang um Weihnachten Auftragsbücher der Cerobear-Abnehmer füllte, sei zuletzt „überschlagen” worden. Dies müsse zwangsläufig zu einem spürbaren Nachholbedarf führen. Und dann werden auch die Ausbaupläne wieder aus der Schublade geholt - etwa 2011, ist er zuversichtlich.

Dass Wemhöners Firma jetzt Probleme hat, führt er insbesondere darauf zurück, dass sich viele seiner Kunden aus dem Maschinenbau mit Aufträgen zurückhalten, weil die Banken bei deren Finanzierung knausern. Sie gäben „Kredite nur zu Schweinspreisen”, stöhnt er. Diese Klemme werde wohl erst gelöst, wenn die „Bad Banks” installiert seien.

Rollen die Kugellager von Cerobear - im übertragenen Sinne - richtig rund, erwartet der Unternehmer rasch wieder volle Auftragsbücher. Es gebe ein „Riesenpotenzial von Anwendungen” auf dem Globus, ist er überzeugt. In den nächsten fünf Jahren hält er eine Expansion auf etwa 400 Arbeitsplätze für nicht utopisch. Vielleicht könnten es sogar 500 Jobs werden, hofft Wemhöner.

2008 bilanzierte er einen Umsatz von 15,5 Millionen Euro. Für dieses Jahr erwartet er „vorsichtig” einen Rückgang auf rund 13 Millionen Euro.

Mit Know-how aus Kohlscheid zu zwölf Rad-Olympiasiegen gerast

Die ressourcensparende Technologie von Cerobear hat auch in der Getränkeindustrie Fuß gefasst. Etwa in Mineralwasser-Abfüllbetrieben: Die Wälzlager garantieren ein steriles Zudrehen der Schraubverschlüsse mit konstantem, energiesparendem Reibmoment.

An den Füllmaschinen müssen keine Schmierstoffe eingesetzt werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum „konnte auf über zwei Jahre drastisch gesteigert werden”, weiß Jens Wemhöner.

Die Cerobear-Vorzüge haben ebenfalls Milchabfüller überzeugt. Ferner setzt ein weltweit präsenter Cola-Gigant auf die Wälzlager.

Noch eine Vorzeige-Anwendung: Fahrradnaben. „Auf Rennrädern mit unseren Lagern sind bereits zwölf olympische Goldmedaillen gewonnen worden”, sagt Firmenchef Wemhöner.
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