Braunkohle gehört zu den Gewinnern des Atomausstiegs

Von: Berthold Strauch
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„Wir wollen die Energiewende
„Wir wollen die Energiewende vorantreiben”: RWE-Power-Vorstandschef Johannes Lambertz. Foto: dapd

Bergheim. Trotz aller CO2-Debatten: „Die Kohle ist weiter auf dem Vormarsch.” Dies machte Johannes Lambertz, Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG, am Freitag bei der Jahrespressekonferenz im Bergheimer Schloss Paffendorf deutlich.

Der Kölner Konzern ist in der Region mit seinen Braunkohletagebauen und Kraftwerken weithin sichtbar präsent. Dass er dermaßen auf die Renaissance des Bodenschatzes verweisen kann, der mehr Emissionen des Klimagiftes zur Folge hat, ist natürlich insbesondere dem beschlossenen Atomausstieg geschuldet. RWE Power steigert dieses Jahr seine Stromproduktion um zwei auf 67 Terawattstunden.

„Wir wollen die Energiewende aktiv vorantreiben”, sicherte Lambertz zu. Dazu setze er auf innovative Konzepte, an denen auch die RWTH Aachen forscht. Im Blick hat er dabei eine Steigerung der Flexibilität und des Wirkungsgrades der Kraftwerke, etwa auch in Weisweiler mit seinen gut 600 Mitarbeitern.

Über 240 Millionen Euro will das Unternehmen investieren, um die bestehenden Kraftwerke „zukunftsfest zu machen”, wie er sagte. Beispielhaft nannte er etwa den Einbau digitaler Leittechnik. Die helfe, die An- und Herunterfahrzeiten so zu verkürzen, dass sie mit Gaskraftwerken vergleichbar seien. Dies sei wichtig wegen der schwankenden Produktion von regenerativen Energien, die Vorrang im Netz hätten. Lambertz ist zuversichtlich, dass der Kostenvorteil der Braunkohle auch bei einer für 2013 erwarteten „Vollauktionierung” der CO2-Zertifikate beibehalten werden könne. Die Auslastung der Kraftwerke bleibe auf einem hohen Niveau.

Auch in den Tagebauen will RWE Power die Prozesse optimieren und Synergien schaffen. Über 350 Millionen Euro fließen im Schnitt jährlich in die Modernisierung und Instandhaltung. Die Geräte würden ständig an den Fortschritt angepasst, etwa die Baggerriesen.

Im Vorfeld des Tagebaus Hambach laufe die Verlegung der Verkehrswege, wozu auch ein Abschnitt der Autobahn 4 zählt, planmäßig, so der Unternehmenschef. Konkretisiert werden sollten auch die Planungen für den Restsee Inden, nachdem das Verfassungsgericht Münster zugunsten dieses Vorhabens entschieden habe.

Lambertz verwies darauf, dass sich angesichts der neuen „Herausforderungen” die finanzielle Basis schlechter geworden sei. „Wir hatten in den ersten drei Quartalen deutliche Rückgänge bei betrieblichem Ergebnis und Gesamtumsatz zu verzeichnen.” Dies schränke „unsere Spielräume ein”.

Während die Zahl der Mitarbeiter bei der RWE Power AG gegenüber dem Vorjahr auf rund 16.700 angestiegen ist, davon 11.616 in den Betrieben im rheinischen Revier, erwartet Personalvorstand Erwin Winkel in den nächsten fünf Jahren insbesondere mit Blick auf die Stilllegung von Altanlagen eine Reduzierung der Personalstärke um gut 1000 Stellen. Hier würden „möglichst sozialverträgliche Anpassungen” angestrebt, kündigte der Personalvorstand an. „Die Mannschaft der RWE Power wird schrumpfen - aber behutsam und geplant.”
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