Aachen - Bombardier streicht in Aachen 150 Stellen

Bombardier streicht in Aachen 150 Stellen

Von: Heiner Hautermans
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Bombardier
Der Hersteller von Schienenfahrzeugen Bombardier streicht in seinem Aachener Werk 150 von 550 Arbeitsplätzen und richtet den Standort neu aus. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Weiterer Aderlass beim Schienenfahrzeughersteller Bombardier in Aachen: Am Mittwoch wurde der Belegschaft angekündigt, dass 150 von jetzt noch rund 550 Arbeitnehmern entlassen werden sollen. Im April waren schon 50 Beschäftigte „freigesetzt” worden.

Begründet wurde dies mit unzureichender Auslastung, die Aufträge aus den traditionellen Absatzmärkten Osteuropa, Österreich und den Niederlanden seien als Folge der Wirtschaftskrise zurückgegangen.

Die verbleibenden Arbeitsplätze sollen dadurch gesichert werden, dass Aufträge für die Stuttgarter S-Bahn aus dem Werk Henningsdorf nach Aachen verlagert werden. Dafür würden auch erhebliche Investitionen in Aachen vorgenommen, etwa zwei Millionen Euro in eine Teststrecke. Für rund 100 Mitarbeiter werde es weiter Kurzarbeit geben.

Zu den besten Zeiten in den 90er Jahren zählte die Aachener Niederlassung noch 1700 Mitarbeiter. 1995 hatte der Weltkonzern Bombardier den 1838 gegründeten Waggonbauer Talbot übernommen. Nach den Worten des Betriebsratsvorsitzenden Jan Regterschot reagierte die Belegschaft geschockt: „Es war schlimm. Es ist ein trauriger Tag für Bombardier, aber auch für Aachen.” Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp sprach in einer ersten Stellungnahme von „einer bitteren Pille für Aachen”.

In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz betonte die Bombardier-Spitze Deutschland hingegen, dass durch die Neuausrichtung die Kompetenzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Aachener Werkes gestärkt werden, etwa durch die Erweiterung der Produktpalette um Elektrotriebzüge. Als erstes Großprojekt sollen bis 2012 mehr als 50 Züge für die Stuttgarter S-Bahn gebaut werden, dazu kommen 18 vierteilige Züge für die Niederlande.

Wolfgang Pape, General Manager in Aachen, sagte: „Wir versuchen, danach weitere Aufträge zu bekommen.” Mit den entsprechenden Gremien sowie der IG Metall werde jetzt über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandelt. Beides soll bis zum Ende des Jahres unter Dach und Fach sein.

Ein bis Ende 2012 laufender Standortsicherungsvertrag sei jetzt gekündigt worden, heißt es unterdessen bei der IG-Metall. Deren Vormann Franz-Peter Beckers erwartet deshalb hohe Sonderzahlungen. Außerdem werde auch der Sozialplan für das Unternehmen nicht billig werden. Und: Sollte es für die verbleibenden Mitarbeiter noch einmal zu einem Standortsicherungsvertrag kommen, werde die Gewerkschaft zusätzliche Sicherheiten verlangen.
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