Simmerath - Biohof: Die Tiere sind glücklich, die Kunden treu

Biohof: Die Tiere sind glücklich, die Kunden treu

Von: Hermann-Josef Delonge
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Und alle sind zufrieden: Biobauer Frank Wirtz und seine Schafe auf der Weide. Foto: H.J. Delonge
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Das Angebot ist gewachsen, weil die Nachfrage stimmt: Tanja Wirtz im Bioladen auf dem Hof in Simmerath-Steckenborn. Foto: Delonge

Simmerath. Es gab schon ein paar skeptische und verwunderte Blicke von Nachbarn und Kollegen, damals vor knapp 15 Jahren, als Frank Wirtz beschloss, Biobauer zu werden. Was das denn solle, und ob er sich das denn auch gut überlegt habe. Hatte er, sehr lange sogar.

„Diese Idee war schon immer im Kopf“, sagt er heute. Wirtz hatte ganz „konventionell“ begonnen. Als er dann auch den Hof seines Vaters übernahm, setzte er die Bio-Idee in die Tat um. „Im Grunde genommen haben wir die Tiere schon immer so gehalten. Da war die Umstellung nur konsequent. Außerdem: Damals war ein Bio-hof etwas Besonderes, eine Herausforderung. Das hat mich schon sehr gereizt.“

Feste Anlaufstelle

Heute ist die Biolandwirtschaft in Simmerath-Steckenborn eine feste Anlaufstelle für Leute, die bereit sind, für Lebensmittel ein paar Euro mehr auszugeben. Teilweise kommen sie von weit her, um bei Wirtz und seiner Frau Tanja einzukaufen.

Denn die führt den angeschlossenen Hofladen, im dem es selbstverständlich nur Bioprodukte zu kaufen gibt: Fleisch und Wurstwaren von Tieren aus eigener Züchtung und aus eigener Herstellung (ein Metzger kommt regelmäßig auf den Hof, um die in einem biozertifizierten Schlachthof in Stolberg getöteten Tiere zu verarbeiten), aber auch Obst und Gemüse, Käse, Milch und Milchprodukte, Getränke und Wein, Brot, Tiefkühlkost. Den Laden gibt es seit 2003, 2010 wurde er noch einmal kräftig vergrößert.

Alles, was nicht direkt vom eigenen Hof kommt, bezieht das Ehepaar Wirtz von einem Bio-Großhändler. Dass die Waren teilweise von weither in Europa kommen, ist für den Landwirt kein Widerspruch. Denn erstens: „Die Kunden wollen mehr Auswahl.“ Und zweitens: „Wir kennen nicht nur den Händler, sondern auch die meisten Produzenten. Und wir wissen, dass die nach den strengen Richtlinien unseres Verbands anbauen.“

23.271 Betriebe wirtschafteten nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft Ende 2013 in Deutschland nach Richtlinien des Öko-Landbaus. Das waren 8,2 Prozent aller Betriebe. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Kein Wunder, denn die Branche boomt, Bioprodukte werden immer beliebter, selbst die Discountern kommen nicht mehr ohne aus. 2013 ist der Biomarkt in Deutschland um 7,2 Prozent gewachsen.

Die bewirtschaftete Fläche allerdings nur um ein, die Zahl der Betriebe um zwei Prozent. Das führt dazu, dass die deutschen Bio-bauern den Bedarf gar nicht decken können. Die Folge: Es wird kräftig importiert, aus ganz Europa, aber auch darüber hinaus. Die Anbieter dort arbeiten nicht alle nach den strengen Auflagen, die hier von den verschiedenen Verbänden (Bioland, Demeter etc.) definiert werden. Bedeutet: Die Preise der importierten Waren sind oft niedriger als die der in Deutschland produzierten.

Und so ist in der Branche eine Tendenz zu beobachten, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint. Eine Studie des Thünen-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, kam 2013 zu dem Ergebnis, dass pro Jahr 415 Biobetriebe und damit 3,3 Prozent wieder zur konventionellen zurückkehren. Weitere 191 geben ganz auf.

Die Gründe sind vor allem ökonomische: Weil die Landwirte zu wenig verdienen (oder mit einem konventionellen Hof mehr verdienen könnten), weil Prämien gekürzt wurden, die Kosten für Futter, Kontrollen und Zertifizierung zu hoch waren oder sie ihre Ware nur schwer vermarkten konnten. Tatsächlich haben Bio-höfe in Deutschland seit gut zwei Jahren im Schnitt ein schlechteres Betriebsergebnis als konventionell bewirtschaftete. Davor war es umgekehrt. Damit gehen der ökologischen Landwirtschaft Jahr für Jahr fast fünf Prozent der Betriebe verloren.

Frank Wirtz kann die Kollegen verstehen, auch wenn er selbst sich nur schwer vorstellen kann, wieder auf konventionelle Landwirtschaft umzustellen. „Ich habe die Entscheidung, auf Bio umzustellen, nie bereut. Klar ist aber auch: Es muss sich rechnen“, stellt er fest. Bei ihm ist das der Fall, Landwirtschaft und Laden tragen den Betrieb und ernähren die vierköpfige Familie. Dazu tragen bei: 150 Hektar Land (Eifeler Grünland, das Futter und Weidegrund für die Tiere bietet), ein paar Ziegen, knapp 25 Schweine, rund 150 Mutterschafe und 200 Lämmer sowie knapp 170 Rindviecher. Wobei: Davon sollen es bald mehr sein, Wirtz will 100 statt 85 Mutterkühe im Stall und auf der Weide stehen haben. Dazu muss er investieren. Aber das ist okay, sagt er. „Wachstum ist nicht schlecht.“

Der Steckenborner Landwirt selbst verfährt von Anfang an nach den Richtlinien des Bioland-Verbands. Die Auflagen sind nicht wenige (dass keine Pestizide eingesetzt werden dürfen, ist nur ein ganz kleiner Teil davon), die Kontrollen streng, regelmäßig und umfassend. Für Wirtz gehört das ganz natürlich dazu, auch wenn die Dokumentationspflicht enorm ist. „Das sichert die Qualität und den Standard“, sagt er. Der Betrieb des Biobauers aus der Eifel ist ein klassischer Familienbetrieb, die Zahlen stimmen. „Das ist schon sehr hart verdientes Geld“, sagt Tanja Wirtz. Und ihr Mann ergänzt freimütig: „Ohne Subventionen könnten Biobetriebe nicht überleben.“

Das ist allerdings bei konventionellen nicht zwangsläufig anders.

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