Berufskollegs in der Region schlagen Alarm

Von: Christina Merkelbach
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Im Gespräch mit unserer Redaktion: (v.l.) Josef Hansen, Rolf-Dieter Crott, Ute Dreser und Erhard Kusch. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist der Fachkräftemangel hinter dem Fachkräftemangel: Den Berufskollegs gehen langsam aber sicher die Lehrkräfte aus. Vor allem in gewerblich-technischen Fachrichtungen gibt es längst nicht so viele Bewerber, wie Klassen benötigt werden.

Eine Tendenz, von der auch die Region nicht verschont bleibt. „Wir konkurrieren mit Wirtschaft und Industrie, wo die Fachkräfte, die wir brauchen, wesentlich mehr verdienen können”, erklärt Ute Dreser, Leiterin der Mies-van-der-Rohe Schule in Aachen. Erst im vergangenen Jahr konnte sie eine Lehrerstelle für Kraftfahrzeugtechnik nicht besetzen - niemand hatte sich beworben. Ähnliche Erfahrungen hat Erhard Kusch gemacht, der das Berufskolleg für Technik Düren leitet.

Zuletzt hatte ein Bewerber zugesagt und war dann kurzfristig abgesprungen - er entschied sich für eine andere Schule in Köln. Auch untereinander konkurriert man längst um die wenigen Bewerber, die es gibt. „In der Regel unterrichten Lehrer am Berufskolleg zwei Fächer, also beispielsweise Maschinenbautechnik und Religionslehre.”

„Mittlerweile sind unsere Technik-Lehrer derart ausgelastet, dass sie ihr zweites Fach nicht mehr unterrichten können.”

Anderswo in Nordrhein-Westfalen zeigen sich bereits Konsequenzen aus dem Fachlehrermangel: An einem Berufskolleg in Mönchengladbach strich die Schulaufsicht den Bildungsgang Kraftfahrzeugtechnik. Auszubildende in der Umgebung müssen nun ein Berufskolleg in Düsseldorf besuchen.

Auch die Handwerkskammern in NRW beschäftigt das Problem. „Wir brauchen die Berufskollegs als Partner im dualen System”, sagt Ralf W. Barkey, Hauptgeschäftsführer der Aachener Kammer. Von der rot-grünen Landesregierung fordert er, mehr Engagement zu zeigen. „Der Plan, an den Berufskollegs 500 Stellen zu streichen, ist garantiert nicht das richtige Signal.”

„Noch schaffen wir es mit vielen Anstrengungen, unserem Auftrag nachzukommen”, sagt Rolf-Dieter Crott, Leiter des Berufskollegs Ernährung, Sozialwesen, Technik in Geilenkirchen. Aber die Lage werde sich deutlich verschlechtern, denn gerade bei technischen Fachlehrern gebe es in den kommenden Jahren eine Pensionierungswelle. Auch der doppelte Abiturjahrgang, der 2013 auf NRW zukommt, bereitet an den Berufskollegs Kopfzerbrechen. „Bisher ist vor allem die Rede davon, dass es dann einen Ansturm auf die Hochschulen gibt. Viele der Abiturienten werden sich aber auch für eine Ausbildung im dualen System entscheiden, und wir werden noch mehr Lehrer brauchen”, sagt Josef Hansen, Lehrer an der Mies-van-der-Rohe Schule und Personalrat beim Verband der Lehrerinnen und Lehrer an NRW-Berufskollegs.

Laut Verband gab es 2011 im Land 24 Referendare mit Bautechnik als Fachrichtung, bei Metalltechnik waren es 15 und bei Elektrotechnik gerade einmal elf. Zum Vergleich: Referendare mit der Fachrichtung Wirtschaft gab es 270. „Das ist ein regelrechtes Überangebot”, sagt Hansen. In Sozialpädagogik, also der Fachrichtung, die man braucht, um künftige Erzieher zu unterrichten, befanden sich zur gleichen Zeit 48 Personen im Referendariat.

Eine Zahl, die Rolf-Dieter Crott ebenfalls alarmierend findet. „In der Region stehen wir bei Fachlehrern für Erzieher momentan zwar noch relativ gut da, aber die Lage wird sich deutlich verschlechtern”, sagt er. Seit Jahren müsse seine Schule potenzielle Erzieher ablehnen, weil Lehrkräfte zum Unterrichten fehlten. Ähnlich sieht es auch an anderen Berufskollegs in der Region aus, die den Bildungsgang anbieten.
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