Belgische Bahn streicht Express zwischen Brüssel und Maastricht

Von: Verena Müller
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Aachen/Brüssel. Die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Maastricht und Brüssel steht vor dem Aus. Sie wird im Dezember aus dem Fahrplan der belgischen Bahn gestrichen.

Das bestätigte die NMBS (Nationale Maatschappij der Belgische Spoorwegen). Als Gründe nannte NMBS die große „Unpünktlichkeit” des Express, der bei kleineren Verspätungen allen anderen Zügen bei der Einfahrt nach Maastricht Vorrang geben muss, und „Materialprobleme” - gemeint sind technische Schwierigkeiten der belgischen Züge auf dem niederländischen Schienennetz.

Joost van den Akker (VVD), Abgeordneter des limburgischen Parlaments, findet die Abschaffung „inakzeptabel”. Er sieht auf belgischer Seite „reinen Unwillen”. An den technischen Schwierigkeiten alleine könne es nicht liegen, meint er. Als Volksvertreter könne er diesen Vorgang nicht tolerieren, deshalb habe er jetzt bei der Provinz eine offizielle Anfrage in dieser Sache gestellt, sagte er am Mittwoch.

Reisende sollen nach fünf Jahren wieder die alten Verbindungen Visé - Lüttich - Brüssel und Maastricht - Lüttich nutzen. Sprich: Von Maastricht aus in Lüttich umsteigen, um nach Brüssel zu gelangen. Von den täglich 17.000 Fahrgästen auf dieser Strecke müssten dies laut NMBS nur fünf Prozent in Kauf nehmen. Knapp 30 Minuten länger beträgt dann die Fahrzeit.

Marketing für 400.000 Euro

Die Entscheidung der NMBS kommt aus zwei Gründen überraschend. Zum einen waren die Probleme von Anfang an bekannt und schienen 2009 zumindest größtenteils gelöst. Zum anderen sind erhebliche, auch finanzielle Anstrengungen unternommen worden, um die Verbindung zu ermöglichen: 450.000 Euro hatten die Stadt Maastricht, die Provinz Limburg und die EU an die belgische Bahn gezahlt, eine Million Euro kostete der technische Umbau der Elektrizitäts- und Sicherheitssysteme und weitere 400.000 Euro wurden in die Marketingkampagne in den Niederlanden gesteckt.

Zwischen Maastricht-Randwijck und Visé war damals das belgische Sicherheitssystem verlegt worden, um zu verhindern, dass die belgischen Züge Spannung an die Oberleitung abgeben, was zu Störungen führte, und damit die elektrischen Bremsen nicht ausgeschaltet werden mussten. Das hatte zur Folge, dass die Züge nur auf Sicht, sprich: langsam, fahren konnten. Das wiederum führte zu Verspätungen.

Trotz Einigung auf ministerieller Ebene sorgt nach wie vor die Diskussion um die Sprachkompetenz der Lokführer für Ärger. Die Inspekteure der niederländischen Bahn verhängen nach wie vor Bußgelder, wenn belgische Lokführer kein Sprachdiplom nachweisen können - egal, wie gut sie niederländisch beziehungsweise flämisch sprechen.

Van den Akker sieht nicht nur die Erreichbarkeit Limburgs für Studenten oder Geschäftsleute aus Belgien in Gefahr. Auch die Anschlüsse nach London und Paris würden schlechter.
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