Aachen - Beim Blick in die Zukunft herrscht Skepsis

Beim Blick in die Zukunft herrscht Skepsis

Von: Berthold Strauch
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Aachen. Passend zum regnerischen Herbstanfang: Auch in der Aachener Region hat sich - wie auf Bundesebene - das konjunkturelle Klima spürbar eingetrübt.

Wie Jürgen Drewes, Hauptgeschäftsführer der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK), am Mittwoch bei der Vorstellung der jüngsten Konjunkturumfrage darlegte, bezeichnen die Unternehmen im Kammerbezirk zwar ihre aktuelle Lage, die Umsätze und Erträge, überwiegend als gut.

Doch ihre Erwartungen für die Zukunft seien nicht mehr so zuversichtlich wie bislang. 326 Betriebe mit rund 41.000 Mitarbeitern hatten sich an der repräsentativen Erhebung beteiligt.

Trotz der Unruhe an den Finanzmärkten berichteten 40 Prozent der Unternehmen von guten Geschäften, sagte Drewes. Besonders die Industrie, die „Lokomotive der Wirtschaft”, habe in einem „schwierigeren Umfeld” ihre Umsätze steigern können. Der Export hingegen habe „an Dynamik verloren”, die Zuwachsraten hätten sich abgeschwächt. Trotzdem bleibe er von besonderer Bedeutung. Insgesamt seien die Unternehmen somit pessimistischer als bei der vorigen Befragung im Frühjahr.

Nach den aktuellen Zahlen, so Drewes, rechneten gut 20 Prozent der Betriebe mit einem Rückgang der Geschäfte, während ein etwa gleich großer Anteil von einer besseren Entwicklung ausgehe - unterm Strich erstmals seit dem Frühjahr 2009 ein Minus von drei Prozentpunkten. Als Folge der geringeren Erwartungen würden auch die Investitionsplanungen nach unten geschraubt. Als Gefahren für die weitere Entwicklung nannten die Firmen überwiegend die sinkende Inlandsnachfrage und ganz besonders die steigenden Energie- und Rohstoffpreise. Die Unsicherheit über die Entwicklung der Schuldenkrise in Europa verschärfe den Negativtrend. Dennoch bekräftigte Drewes, dass trotz des geringeren Schwungs für die Konjunktur derzeit „Rezessionsängste unbegründet” seien und „keine riesigen strukturellen Verwerfungen drohen”.

International wettbewerbsfähig

Der IHK-Chef: „Die deutschen Unternehmen sind international wettbewerbsfähig und innovationsstark.” Indes sorgten die Entwicklungen in Südeuropa, den USA und China für geringere Zuwachsraten.

Die verhaltenen Aussichten haben auch Auswirkungen bei den Belegschaften. Bei einer leichten Mehrheit der Unternehmen, so Drewes, sei mit einem Abbau an Beschäftigung zu rechnen. Trotzdem geht er nicht von einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Region aus, die noch unter dem Landesdurchschnitt liege, zumal jährlich altersbedingt immer noch mehr Beschäftigte ausschieden als einträten. Insgesamt seien die Betriebe aber „ganz gut eingestellt auf den leichten Abschwung”. Noch relativ günstig verlaufe die Entwicklung der Dienstleister, spürbar auch am Beschäftigungsaufbau. Der Sektor liefere immer noch den besten Wert für den Kammerbezirk.

Auch der Handel spreche noch von einer guten Lage, doch es werde auch dort kritischer - ein Viertel der Händler rechne mit einer Verschlechterung. „Recht zufrieden” zeige man sich auf dem Bausektor, allerdings fürchte fast die Hälfte der Befragten einen Rückgang der Bauproduktion.

Während in der Städteregion Aachen die Perspektiven angesichts eines stabilen Umfelds mit technologieorientierten Neugründungen überwiegend gut seien, sprach Drewes bezüglich des Kreises Düren von einem „krassen Abfall”, wohingegen die Lage im Kreis Heinsberg „recht stabil” erscheine.

Mit Blick auf den Bundestagswahlkampf warnte Drewes vor „absurden Ideen”, wobei er explizit eine Aufweichung der Rente mit 67 und das Betreuungsgeld nannte. Der „Ernst der Situation” sei wohl „noch nicht überall angekommen”. Es gelte, „sehr hart Kurs zu halten”, sonst werde die Stabilität aufs Spiel gesetzt. „Nicht finanzierbare Versprechungen” führten nicht zum Ziel eines ausgeglichenen Haushalts. Ein „Nachsteuern” verlangte Drewes mit Blick auf den Fachkräftemangel, wobei er insbesondere auf Lücken im Sozial- und Gesundheitsbereich verwies.
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