Beermann über Rente, niedrige Zinsen und Zukunft des Bargelds

Von: Thorsten Pracht
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„Das Vertrauen in den Euro ist intakt“: Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann in Langerwehe. Foto: Thorsten Pracht

Langerwehe. Das Thema zog. „Wie groß ist noch das Vertrauen in unser Geld“ war der Abend bei der CDU Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) im Kreis Düren überschrieben. Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, sprach auf Schloss Merode vor vollen Reihen – und er stellte fest: „Das Vertrauen in unsere Währung ist intakt.“

Wobei Beermann bei seinem Parforceritt durch diverse Themengebiete stets die großen Herausforderungen aufzeigte.

Generelle Lage in Deutschland: „Wir gehen im Moment davon aus, dass unsere Prognose eines Wachstums von 1,6 Prozent für 2016, die wir im Juni erstellt haben, noch weitgehend zutrifft“, erklärte der 55-Jährige. Für 2017 gehe die Bundesbank von einem Wachstum in etwa gleicher Geschwindigkeit aus.

Allerdings mahnte Beermann: „Der langfristige Wachstumstrend für Deutschland ist eher schwach.“ Einen Grund dafür hat die Bundesbank im demografischen Wandel ausgemacht. Jüngste Berechnungen der Zentralbank hätten ergeben, dass das Renteneintrittsalter zwischen 2030 und 2060 schrittweise von 67 auf 69 Jahre steigen müsste, um steigende Beiträge und Rentenkürzungen aufzuhalten.

„Wenn es keine Mehrheiten gibt, das Versorgungsniveau deutlich zu kürzen, welches für viele Rentner ohnehin schon nicht üppig ist, dann kann der Beitragsanstieg nur gedämpft werden, wenn man noch mal ans Renteneintrittsalter geht“, erklärte Beermann.

Niedrigzinsumfeld: Gemessen am Ziel, die derzeit nahe Null liegende Inflationsrate auf rund zwei Prozent zu steigern, nannte Beermann die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank „durchaus angemessen“. Über ihre Ausgestaltung, speziell den Ankauf von Staatsanleihen („Sie verwischen die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik“), könne man trefflich streiten.

Wobei das Geldvermögen deutscher Privathaushalte trotz niedriger Zinsen weiter wachse: 2015 um 3,3 Prozent im Schnitt. Das liege daran, dass „die Deutschen ihr Geld nicht nur unter dem Kopfkissen oder auf dem Bankkonto aufbewahren“. Mehr als die Hälfte des Geldvermögens bestehe nämlich aus Ansprüchen gegenüber Versicherungen oder aus Wertpapieren.

Der Euro: Die Zustimmung für die gemeinsame Währung bei den Bürgern im Euro-Raum ist seit langem stabil. „Damit es so bleibt, wird es darauf ankommen, dass der EZB-Rat die Zinsen dann wieder zügig anhebt, wenn dies aus Sicht der Preisstabilität geboten ist. Dafür wird sich die Bundesbank mit aller Kraft einsetzen“, versprach Beermann.

Speziell das Bargeld – immer noch Zahlungsmittel Nummer 1 – sei maßgeblich für das Vertrauen in das Geld. „Insofern verwundern die Aussagen einiger Experten, in einigen Jahren werde es kein Bargeld mehr geben“, sagte Beermann. Folgerichtig spreche sich die Bundesbank auch gegen eine Obergrenze für Barzahlungen aus. Auch der Produktionsstopp der 500-Euro-Note im kommenden Jahr sei „kein Einstieg in die Abschaffung des Bargeldes“.

Neue Technologien: Trotz der Rolle des Bargeldes wird sich das Zahlungsverhalten in Zukunft durch die Digitalisierung verändern. Virtuelle Währungen wie der Bitcoin könnten schnelle Transaktionen in Echtzeit transparent und kostengünstig abwickeln.

„Ob wir künftig noch mit Schlüssel, Portemonnaie und Handy aus dem Haus gehen, erscheint fraglich. Vermutlich wird irgendwann das Smartphone reichen“, blickte der Gast aus Frankfurt in die Zukunft. Aufgabe sei es, durch rechtliche Vorgaben und technische Maßnahmen Vertauen in die Sicherheit der Zahlungen und in die Sicherheit des Geldes zu schaffen.

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