Bauindustrie steht auf einem tragfähigen Fundament

Von: Peter E. Alt
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Aachen. Zwar ist Joachim Neßeler, Vorsitzender des Bezirks Aachen im Bauindustrieverband NRW, über den Ausgang des Bürgerentscheids zur Campusbahn in Aachen enttäuscht. Doch die Zahlen, die er am Dienstag für seine Branche vorlegte, zeigen, dass die Zukunft der Bauindustrie in der Region nicht vom Bau der Campusbahn abhängt.

Vielmehr lassen ein Plus von vier Prozent beim Auftragseingang auf 736 Millionen Euro und die Zunahme der Beschäftigtenzahl um 2,6 Prozent auf 5001 „auf ein gutes Baujahr 2013“ hoffen. Die Wirtschaftsdaten seien zugleich Ausdruck der insgesamt recht erfreulichen Konjunkturentwicklung in NRW, so Neßeler. Eingetrübt wird das positive Bild nur durch einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 857 Millionen Euro, wobei allerdings das Vorjahr eine untypische Steigerung um ein Viertel aufwies.

Treibende Kraft waren 2012, wie Neßeler und sein Stellvertreter Uwe Thamm erläuterten, der Wohnungsbau und der Wirtschaftsbau. Bereits seit 2007 sei der Wohnungsbau eine Stütze der Bauwirtschaft. Als Gründe nannte Neßeler die niedrigen Zinsen, die privaten Investitionen vieler verunsicherter Anleger in „Betongold“ und die Rückkehr institutioneller Investoren in den Wohnungsbau.

Auch der Wirtschaftsbau habe sich in den vergangenen Jahren als ziemlich robust gezeigt. Die Industrieunternehmen hätten auch in Zeiten einer gesamtwirtschaftlichen Konjunkturabschwächung ihre Investitionsbudgets gehalten oder sogar ausgeweitet“, stellte Neßeler zufrieden fest. Für die weitere Entwicklung werde es entscheidend darauf ankommen, ob die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr wieder an Fahrt gewinne.

Unter regionalem Aspekt setzt Neßeler stark auf den weiteren Ausbau der RWTH Aachen. Hatte er in den Vorjahren noch den zögerlichen Ausbau des Campus-Projekts heftig kritisiert, sieht er jetzt das Erweiterungsvorhaben der RWTH als „Leuchtturmprojekt für die ganze Region“. Der dritte Cluster auf dem Campus mit Schwerpunkt optische Technologie befinde bereits sich „in der Phase der Ausschreibung“. Insgesamt sei der RWTH-Campus „ein kerniger Teil innerhalb der Entwicklung der regionalen Bauindustrie“. Auch die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum für die rasch steigende Zahl der Studierenden bringe „einen Schub“ für die Bauindustrie. Neben dem Campus entwickle sich die Krefelder Straße in Aachen im Umfeld des Finanzamtes mit der geplanten neuen Trianel-Zentrale und Einzelhandels- und Wohnbauflächen zu einem Zentrum baulicher Aktivitäten in den nächsten Jahren.

Seit 2008 ist der Beschäftigtenrückgang in der Bauindustrie in der Region gestoppt. Im letzten Jahr konnte sogar die Marke von 5000 knapp übersprungen werden. Für das laufende Jahr erwartet Thamm zumindest eine Stabilisierung der Beschäftigtenzahl auf diesem Niveau, hält aber auch eine Fortsetzung der Aufwärtsentwicklung für möglich.

Im Vergleich zu anderen Branchen hat die Bauwirtschaft eine überdurchschnittlich hohe Ausbildungsquote. Wegen der ungünstigen Altersstruktur investieren die Unternehmen ununterbrochen in die Förderung des eigenen Fachkräftenachwuchses. Auf NRW-Ebene liegt die Ausbildungsquote bei zehn Prozent. In den 95 Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten in der Region Aachen liegt der Anteil sogar bei 16 Prozent. Die NRW-Lehrstellenbörse der Bauindustrie weist im Augenblick rund 500 freie Stellen aus.

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