Aachen - „Bauernregeln“, die einen handfesten Streit auslösen

„Bauernregeln“, die einen handfesten Streit auslösen

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
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Eine der elf „Bauernregeln“ des Bundesumweltministeriums und eine Antwort darauf von verärgerten Landwirten. Foto: BMUB, ISN

Aachen. Verziert mit Mäusen, Blumen oder Traktoren in Stick-Optik heißt es seit Donnerstag auf Plakaten in mehr als 70 deutschen Städten: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ oder „Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist für’s Grundwasser beknackt“. Mit diesen Sprüchen im Stil alter Bauernregeln möchte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks für eine umweltverträgliche Landwirtschaft und eine Reform der europäischen Agrarförderung werben.

Den deutschen Bauern – und sogar CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt – stößt die Kampagne übel auf.

Die Aktion sei unverantwortlich, schrieb der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) am Freitag in einer Pressemitteilung. „Das Ministerium begibt sich auf Stammtisch-Niveau und diffamiert die hiesige Landwirtschaft“, heißt es dort weiter. Anstatt sich um einen konstruktiven Dialog zu bemühen, würden Bauern verunglimpft. Die Landwirte setzten sich seit Jahren mit verschiedenen Maßnahmen für den Umwelt-, Boden-, Klima- und Tierschutz ein – da sei eine solche Kampagne blanker Hohn.

Auch die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands meldete sich zu Wort und sprach von „Schmähkritik“. Die Mitglieder fordern die Ministerin auf ihrer Internetseite in Reimform dazu auf, um Entschuldigung zu bitten: „Frau Hendricks, hier gingen Sie zu weit, deshalb wird es höchste Zeit, die Schmähaktion nun schnell zu streichen, und ein Sorry nachzureichen!“

Die neue Öffentlichkeitskampagne des Bundesumweltministeriums steht unter dem Motto „Gut zur Umwelt. Gesund für uns alle.“ und soll nach Angaben eines Sprechers „auf spielerische und humorvolle Art auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen, die unbestreitbar sind: die Nitratbelastung des Grundwassers oder der Rückgang der Artenvielfalt“. Die Kampagne solle eine breite gesellschaftliche Debatte anstoßen über eine zukunftsfähige Landwirtschaft.

Bernhard Conzen, Präsident des RLV und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg, hält die Art und Weise, mit der das Bundesumweltministerium hier vorgeht, für den absolut falschen Weg. „Es ist harter Tobak, wie Frau Hendricks einen ganzen Berufsstand vorführt und herabwürdigt. Mit Polemik kommen wir nicht weiter“, sagte er unserer Zeitung. „Hier wird in schärfster Weise Anklage erhoben, anstatt auch nur einmal die Fortschritte zu würdigen, die wir mit gemeinsamer Anstrengung in den vergangenen Jahren erreicht haben.“

Es sei eine „Schande“, dass für eine solche Aktion Steuergelder verschwendet würden. Das Ministerium weist die Kritik von sich. „Wir haben niemanden diffamiert, wir haben niemanden persönlich angegriffen“, sagte Barbara Hendricks. „Wir wollen eine Landwirtschaft mit Zukunft, in der es der Umwelt, aber auch den Bauern besser geht.“

Christian Schmidt forderte seine Kabinettskollegin daraufhin am Freitag in einem Brief auf, „die Kampagne sofort zu beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen“.

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