Bäckermeisterin aus Gangelt gewinnt Visionplus-Preis

Von: Alexander Barth
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Ausgezeichnet für ihr Unternehmenskonzept: Maria Scheufens in ihrer Bäckerei in Birgden, wo sie nur natürliche Zutaten verwendet. Foto: Barth

Gangelt. Am Tag danach sieht die Welt schon wieder etwas weniger verrückt aus, findet Maria Scheufens. „Obwohl, so richtig glauben kann ich es noch nicht“, sagt die Bäckermeisterin, nachdem sie eine Nacht über ihr großes Erfolgserlebnis geschlafen hat.

Scheufens, die im Mai 2013 im Alter von 23 Jahren mit der Übernahme ihres früheren Ausbildungsbetriebs in Gangelt-Birgden den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, ist jetzt ein offizieller Gewinnertyp: Gerade erst hat man sie zur Siegerin beim Visionplus-Unternehmerinnenpreis gekürt.

44 Frauen aus den Regionen Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg hatten sich beworben, sechs wurden für die Endausscheidung nominiert. „Allein die Tatsache, dort dabei zu sein, war schon der Wahnsinn“, sagt Scheufens. Bereits zum neunten Mal suchte die Gründerregion Aachen Unternehmerinnen, die sich auf dem Markt behauptet und – das ist besonders wichtig – eine klare Vision haben. Im Fall von Maria Scheufens bedeutet das: „Ausschließlich natürliche Rohstoffe verwenden, keine Fertigmischungen, keine Zusatzstoffe“, zählt sie auf.

Die Selbstständigkeit war für das „überzeugte Landmädchen“, so Scheufens über sich selbst, alles andere als ein Sprung – eher ein wohl überlegter Schritt. „Ich war froh, dass ich einen Job hatte, an eine eigene Bäckerei habe ich nicht gedacht“, sagt sie.

Den Meisterbrief hatte sie früh in der Tasche – die wegen guter Leistungen verkürzte Ausbildung machte es möglich. Eine Ausbildung zur Betriebswirtin hat sie drangehängt. „Ich habe meine Zeit eben genutzt“, sagt Scheufens und lächelt. „Als dann das Angebot zur Übernahme kam, musste ich erst einmal lange überlegen.“

Gespräche mit ihren Eltern und dem Mann, den sie 2009 kennengelernt und mittlerweile geheiratet hat, folgten und halfen. Am Ende wagte sie den Schritt. „Ohne diese wichtigsten Leute in meinem Leben hätte ich es sicher nicht getan“, sagt Scheufens. Dankbarkeit schwingt in ihren Worten. „Aber wie gesagt, für mich war klar: wenn, dann nur mit einem klaren Konzept.“

Der Weg zu den natürlichen Rohstoffen ist jetzt schon kurz – schließlich ist ihr Mann Landwirt und eine Art „Hoflieferant“. Sein Betrieb liefert einen Teil der Zutaten an die Bäckerei in der Birgdener Bahnhofstraße, die Kooperation soll weiter ausgebaut werden. „So regional wie nur möglich backen“ will die 27-Jährige, und vertieft ihr Anliegen: „Es ärgert mich, wenn Bäckereien ein natürliches Image konstruieren und dieses dann überhaupt nicht umsetzen.“

Zur Vision gehört der Ausbau der familieneigenen und ortsnahen Produktion von Zutaten wie Getreide und Obst. Die erste Aussaat ist vorgenommen, eine eigene Getreidemühle soll die nächste größere Anschaffung werden. „Und was nicht von hier kommen kann, muss wenigstens hochwertig sein“, sagt Scheufens über ihr Unternehmen, das sie noch unter ihrem Mädchennamen eröffnet hat: Bäckerei Maria von Heel.

Zwischen besagter Eröffnung und der Preisverleihung liegen drei Jahre, die der jungen Frau reichlich Erfahrungen beschert haben. Schlaflose Nächte, lange Arbeitstage – nur zwei Begleiterscheinungen für die Jungunternehmerin.

„Es kommt Routine rein“, sagt Scheufens, die heute 19 Mitarbeiter beschäftigt, ganz knapp über ihren Arbeitsalltag. Mit ihnen stemmt sie den Betrieb in Gangelt-Birgden sowie den mobilen Brot- und Brötchenservice, der den ganzen Kreis Heinsberg bedient. Hier ist das Wachstum zu erkennen, nach dem sich wohl jeder Unternehmer sehnt. Mittlerweile wurde ein zweites Fahrzeug angeschafft, um noch mehr Orte, Märkte und damit Kunden zu erreichen.

Wichtig ist der Frau, deren eigene Lehrjahre noch gar nicht so lange zurückliegen, auch der Bäckernachwuchs. Aktuell beschäftigt Scheufens einen Azubi, außerdem kommt ein junger Flüchtling zum Praktikum. „Es läuft gut, ich hoffe, es klappt bald noch besser mit der Sprache, dann können wir ihn übernehmen“, sagt die Chefin.

Mutter Margret ist heute auch Geschäftspartnerin. „Ich bin froh, dass sie das mit mir stemmt“, sagt die Tochter, die sich neben der Produktion auch um den „Bürokram“ kümmern muss. „Da ist einiges zu tun. Aber es gehört dazu, wenn du deinen eigenen Laden schmeißt“ – so weit, so pragmatisch.

Die Auszeichnung und das Preisgeld von 3000 Euro betrachtet Scheufens als Bestätigung für ihre Arbeit. Gleichzeitig hat sie Kritiker aus Anfangstagen eines Besseren belehrt, die „dem Mädchen das mit der Bäckerei“ gar nicht zugetraut hatten.

„Ich war jung und leichtsinnig“, sagt Scheufens und lacht. „Es gab reichlich Kämpfe auszufechten, aber es hat sich gelohnt.“ Der Geldbetrag ist schon verplant – natürlich für das Unternehmen. Marketingaktivitäten stehen ganz oben auf der Liste.

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